Ein Farmer bestellt ein Feld im US-Bundesstaat Illinois. | Bildquelle: TANNEN MAURY/EPA-EFE/Shutterstoc

USA Das Essen kommt nicht auf den Tisch

Stand: 28.04.2020 02:51 Uhr

Trotz teilweise leerer Supermarktregale und hungernder Familien: Amerikas Farmer mussten in den vergangenen Wochen reihenweise Lebensmittel vernichten - denn das Coronavirus legte die Lieferkette lahm.

Von Torsten Teichmann, ARD-Studio Washington

Auf den Feldern von Jack Vessey pflügen Traktoren hektarweise grüne Salatköpfe wieder in die dunkle Erde. Vessey erzählt einem Fernsehteam, dass er keine Abnehmer für die Ernte findet.

"Was man hier sieht, ist sehr schwierig, nicht nur aus wirtschaftlicher Sicht, sondern auch emotional. Pflanzen aufzuziehen, sie dann aber nicht zu ernten, um die Nation zu füttern, stresst, schmerzt und ist emotional hart." 

Andere Bauern vernichten seit Wochen Hühnereier, reife Paprika oder gießen frische Milch in den Ausguss. Und das, obwohl Millionen Amerikaner während der Corona-Pandemie nicht wissen, wie sie ihre Familie satt bekommen, und die Regale in Supermärkten teilweise leer gefegt waren.

Problem der Lieferkette

Das Problem ist die Lieferkette. Milchbauer Karl Paulson aus Port Republic in Virginia sagt, Besucher seiner Farm seien überrascht, wie viel Milch Restaurants in Form von Butter und Käse abnehmen. Restaurants bleiben aber überwiegend geschlossen: "Die meisten Molkereien im Land, die Milch für Restaurants verarbeiten, können keine Milch für private Haushalte abfüllen. Es gibt also Probleme mit der Lieferkette."

Das bedeutet: Obwohl Haushalte eher mehr Lebensmittel brauchen, ist den Bauern über Nacht ein Teil des Absatzes weggebrochen. Den Schaden für die Milchindustrie in den USA schätzt Erik Paulson für die kommenden Monate auf sechs Milliarden US-Dollar: "Etwa zehn Prozent werden zu viel produziert im Land. Normalerweise reden wir von zwei oder drei Prozent Überproduktion. Aber zehn Prozent ist beispiellos."

Ein Farmer in den USA treibt seine Kühe zusammen | Bildquelle: Robert Perry/EPA-EFE/Shutterstoc
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Bauern verzeichnen eine Überproduktion von Milch - und auch die Fleischindustrie klagt über Probleme.

Tiere werden notgeschlachtet

Die Fleischindustrie kämpft in den USA mit anderen Problemen: Große industrielle Schlachtbetriebe wie Tysons Food mussten ihre Produktion zurückfahren oder sogar auf unbestimmte Zeit einstellen. Angestellte hatte sich mit dem neuen Coronavirus infiziert. Der Landwirtschaftsminister von Minnesota, Thom Peterson, wirkt im Interview mit CNN fast hilflos: "Es ist entscheidend, dass es genug Lebensmittel gibt. Wir tun alles, bieten den Fabriken Tests für die Mitarbeiter an, so dass sie produzieren können und geschlossene Fabriken wieder öffnen."

Gelingt das nicht, werden Tiere notgeschlachtet und das Fleisch fehlt dann wieder in den Supermärkten.

Sorge vor langfristigen Konsequenzen

Bauern wie Karl Paulson im Bundesstaat Virginia sorgen sich aber nicht nur um kurzfristige Schwierigkeiten. Sie haben Sorge, dass die weltweite Krise ihren Betrieben in den USA noch lange zusetzt. "In der US-Landwirtschaft stammen die Einnahmen, die uns profitabel machen, aus dem Export", sagt er.

Und der ist auf vielen Höfen weggebrochen. Die Trump-Administration hat für die Bauern Hilfen von 19 Milliarden US-Dollar angekündigt. Allein die Milchbauern will sie mit drei Milliarden unterstützen. Davon will die Regierung unter anderem Käse aufkaufen, der dann an Bedürftige verteilt werden soll.

Wie gefährlich ist Corona für die Lebensmittelversorgung in den USA
Torsten Teichmann, ARD Washington
28.04.2020 06:23 Uhr

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Über dieses Thema berichtete MDR-aktuell am 28. April 2020 um 15:20 Uhr.

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