Menschen stehen vor einer Lebensmittelausgabe in New York Schlange.  | dpa

Corona-Krise in den USA 40.000 Neuinfektionen - wenn nicht viel mehr

Stand: 26.06.2020 07:04 Uhr

In den USA bewegen sich die Zahlen der Corona-Neuinfektionen auf einem neuen Rekordhoch seit April. Die Gesundheitsbehörde schätzt, dass die tatsächliche Zahl um ein Zehnfaches höher liegt als gemeldet.

Die Zahl der bekannten Neuinfektionen in den USA steigt nach Daten der Nachrichtenagentur Reuters auf einen Rekordwert. Am Donnerstag wurden mindestens 39.818 neue Fälle registriert. Der bisherige Höchstwert lag am 24. April bei 36.426.

In dieser Woche haben die Bundesstaaten Alabama, Arizona, Kalifornien, Florida, Idaho, Mississippi, Missouri, Nevada, Oklahoma, South Carolina und Wyoming Rekordanstiege gemeldet.

Behörde schätzt Zahl zehnmal höher ein

Nach Schätzungen der Gesundheitsbehörde CDC haben sich allerdings wohl rund zehnmal mehr Menschen mit dem Coronavirus infiziert als bislang bekannt. "Für jeden Fall, den wir verzeichnet haben, gab es wahrscheinlich zehn weitere Infektionen", sagte CDC-Direktor Robert Redfield bei einer telefonischen Pressekonferenz.

Das sei vor allem auf asymptomatische Infektionen zurückzuführen und darauf, dass in den USA in den ersten Monaten des Ausbruchs deutlich weniger getestet worden sei als jetzt. "Mit den Methoden, die wir im April und Mai benutzt haben, haben wir wahrscheinlich rund zehn Prozent der Infektionen verzeichnet."

Mehr Fälle als in jedem anderen Land

Die Behörde gibt derzeit für die USA mehr als 2,3 Millionen bekannte Corona-Infektionen an - das sind mehr nachgewiesene Fälle als in jedem anderen Land der Welt. Mehr als 121.000 Menschen starben laut CDC infolge einer Covid-19-Erkrankung. Derzeit würden viele Neuinfektionen bei jüngeren Menschen festgestellt. "Die haben wir in der Vergangenheit wahrscheinlich einfach nicht diagnostiziert."

Die steigende Zahl der Neuinfektionen vor allem in südlichen Bundesstaaten besorge ihn sehr, sagte Redfield. Allerdings seien nur rund 110 Landkreise derzeit wirkliche "Hotspots". Er wolle aber nichts herunterspielen, so Redfield. "Das ist ein bedeutendes Ereignis und wir sind natürlich besorgt." Die Hygiene- und Abstandsregeln sollten unbedingt weiter eingehalten werden, vor allem von besonders gefährdeten Menschen mit Vorerkrankungen.

Zu einer Corona-Warn-App gebe es derzeit keine konkreten landesübergreifenden Überlegungen, sagte Jay Butler, der beim CDC für Infektionskrankheiten zuständig ist. Solche Apps hätten "viel Verheißungsvolles, aber auch viele Herausforderungen", sagte Butler. Die Autorität über das Vorgehen bleibe bei den lokalen und regionalen Behörden.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 26. Juni 2020 um 17:00 Uhr.