Hinweisschild einer Corona-Teststation in Phoenix | AP

Zwei Millionen Corona-Fälle Warum steigen die US-Zahlen wieder?

Stand: 11.06.2020 17:59 Uhr

In Europa ist die Zahl der Corona-Neuinfizierten gesunken, in den USA aber gibt es widersprüchliche Entwicklungen. Auch die Erklärungen sind vielfältig. Der Präsident will endlich wieder vor Fans auftreten.

Von Sebastian Hesse, ARD-Studio Washington

Mehr als zwei Millionen Infizierte - die USA haben in der Corona-Krise eine weitere symbolträchtige Marke überschritten. Die Zahl der Toten liegt mittlerweile bei über 112.000. Eine Reihe von Bundesstaaten - darunter Texas, Arizona und Kalifornien - melden einen Anstieg der täglichen Fallzahlen.

Sebastian Hesse ARD-Studio Washington

Überraschen dürfe das nicht, kommentiert die Ärztin und Fachjournalistin für medizinische Fragen, Janette Nesheiwat, auf Fox News: "Das Land öffnet sich wieder, wir führen mehr Tests durch", sagt die Medizinerin. "Je mehr wir testen, desto mehr Fälle können wir dokumentieren."

Hier ist Nesheiwat ganz auf der Linie des Weißen Hauses: Auch Präsident Donald Trump erklärt die hohe Anzahl von Fällen damit, dass die USA mehr als jedes andere Land teste. Allerdings ist die Behauptung umstritten, weil das Riesenland zwar in absoluten Zahlen am meisten testet, nicht aber pro Kopf der Bevölkerung.

Anthony Fauci, der seit Beginn der Corona-Krise so etwas wie der Chef-Virologe der USA ist, sieht noch einen weiteren Grund: "Mit Massenansammlungen wie jetzt bei den Demonstrationen gegen Rassismus und Polizeigewalt steigt immer auch das Risiko, sich anzustecken", mahnt Fauci. Um ihn ist es spürbar ruhiger geworden, seit Trump vor über einem Monat seine täglichen Corona-Briefings eingestellt hat.

Trump bei einer Wahlkampfveranstaltung in El Paso | REUTERS

Donald Trump in seinem Element: Sehr bald soll es wieder solche Veranstaltungen geben. Bild: REUTERS

Trump will endlich wieder vor Menschenmassen auftreten

Trump drängt massiv darauf, das Land wieder in die Normalität zurückzuführen. In der kommenden Woche wird der Präsident wieder auf Wahlkampftour gehen. Man werde in Oklahoma beginnen, sagt Trump, "da gibt es eine wunderschöne neue Arena!" Bei diesen sogenannten Rallies kommen Tausende Trump-Fans in Sportarenen und anderen größeren Veranstaltungsorten zusammen.

Virologen wie Amesh Adalja von der Johns Hopkins-Universität warnen unverändert vor Großveranstaltungen, bei denen viele Menschen dichtgedrängt zusammenkommen. "Der Profi-Sport ruht, es gibt keine Rockkonzerte - das wirkt sich positiv auf die Fallzahlen aus", sagt der Mediziner.

"Das werden richtig große Events"

Doch Trump will knapp fünf Monate vor der Wahl unbedingt wieder auf Tour: "In Florida, Texas, Arizona werden das richtig große Events", schwärmt er. Auch der Nominierungsparteitag in der zweiten August-Hälfte soll stattfinden.

Trump ärgert sich, dass der Gouverneur von North Carolina, wo die Krönungsmesse stattfinden soll, besorgt ist wegen des Großereignisses. "Leider haben wir wohl keine andere Wahl, als den Parteitag in einen anderen Bundesstaat zu verlegen", sagt Trump. North Carolina entgingen Hunderte Millionen Dollar an Einnahmen. Das ist längst die Trump-Linie: Der wirtschaftliche Schaden durch den Lockdown ist erheblich größer als das Infektionsrisiko.

Kritik an Pences Foto 

Am Mittwoch hatte es Kritik für ein Foto gehagelt, das Vizepräsident Mike Pence auf Twitter gepostet hatte. Das Bild zeigt Pence, der Trumps Corona Task Force geleitet hatte, in einem engen Raum dicht gedrängt mit Wahlkampfhelfern. Niemand trägt ein Maske, auch Pence nicht. Das Foto wurde mittlerweile gelöscht.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 11. Juni 2020 um 16:02 Uhr.