US-Gesundheitsberater Fauci, CDC-Direktor Redfield und FDA-Chef Hahn bei einer Anhörung | Bildquelle: AFP

Trump macht Behörden Druck Misstrauen gegen den schnellen Impfstoff

Stand: 05.09.2020 04:44 Uhr

Der US-Präsident macht Druck - am besten noch vor der Wahl im November will er einen Corona-Impfstoff präsentieren. Doch Experten fürchten ein ähnliches Desaster wie beim angeblichen Wundermittel Hydroxychloroquin.

Von Julia Kastein, ARD-Studio Washington

Freitagmittag im Oval Office: US-Präsident Donald Trump sitzt mit dem serbischen Präsidenten Aleksandar Vucic und dem Premierminister des Kosovo, Avdullah Hoti, zusammen. Es geht um die Verbesserung der Beziehungen. Auf eine Reporterfrage ist Trump ganz schnell bei einem seiner Lieblingsthemen: Ein Impfstoff gegen Covid-19.

"Ich glaube, die Impfstoffe werden schon sehr bald angekündigt werden", so Trump. Gerade erst habe er mit dem Chef des Pharma-Konzerns Pfizer telefoniert, auch mit Johnson & Johnson und Moderna sei er ständig in Kontakt. Alle drei US-Firmen haben einen potenziellen Impfstoff in der letzten und entscheidenden Phase der klinischen Studien.

Trump macht Behörden Druck

Bei einer Pressekonferenz am Abend wird Trump konkreter: Irgendwann im Oktober könnte es soweit sein. Der Präsident drängelt und seine oberste Seuchenbehörde, die Centers for Disease Control (CDC), springt. Diese Woche forderte die CDC die Gesundheitsbehörden im ganzen Land auf, dringend Pläne für die Verteilung eines Impfstoffs zu machen. Und zwar bis zum 1. Oktober. Das sei der frühestmögliche Termin für die Freigabe eines Impfstoffs.

Ein Impfstoff schon in einem Monat? Amerikas Top-Virologe Anthony Fauci, Mitglied in der Pandemie-Taskforce des Präsidenten, ist da skeptisch: "Das ist unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich. Die meisten gehen davon aus, dass es November oder Dezember wird."

Schnellschuss wie bei Hydroxychloroquin?

Gesundheitsexperten fürchten: Das Weiße Haus könnte die Arzneimittelbehörde FDA zwingen, eine Notzulassung für einen Impfstoff zu erteilen, bevor die Studien abgeschlossen sind. Amy Compton-Phillips, ärztliche Direktorin des Krankenhauskonzerns Providence, sagt bei CNN: "Die Leute hier machen sich große Sorgen, dass der Prozess unterminiert wird - aus politischen Gründen."

Die Sorge scheint begründet: Im Frühjahr hatte Trump das Rheuma-Medikament Hydroxychloroquin als Mittel gegen Covid-19 wärmstens empfohlen. Die FDA erteilte erst eine Notzulassung, um sie kurz darauf zurückzuziehen. Und stattdessen vor der Therapie zu warnen. Auch für die Behandlung mit Plasma mit den Antikörpern von Genesenen erteilte die FDA jetzt eine Ausnahme - obwohl auch hier Experten die Wirksamkeit bezweifeln.

Beim Impfstoff aber werde Politik keine Rolle spielen, verspricht Behördenchef Stephen Hahn bei CNN. Aber macht auch klar, unter welchem Druck er steht. Gefragt,ob er notfalls auch zurücktreten werde, sagt Hahn: "Alle Optionen sind auf dem Tisch. Aber wir hoffen nicht, dass es dazu kommt."

Bevölkerung skeptisch bei Impfstoff

Top-Virologe Fauci bemüht sich, den Amerikanern die Sorge zu nehmen, dass beim Thema Impfstoff der Wahltermin eine größere Rolle spielen könnte als die Wissenschaft. Laut einer Umfrage fürchten das fast 80 Prozent der Bevölkerung. "Ich würde annehmen und gehe auch davon aus, dass kein Impfstoff zugelassen wird, der nicht sicher und effektiv ist."

Und selbst der Chef des Pharma-Unternehmens Pfizer, Albert Bourla, verspricht: Die Zulassung wird erst beantragt, wenn der Konzern überzeugt ist, dass der Impfstoff sicher und wirksam ist. Aber auch er rechnet schon im Oktober mit entsprechenden Ergebnissen.

Die Trump-Regierung hat schon für fünf Milliarden Dollar Impfstoff bei verschiedenen Herstellern in aller Welt vorbestellt, mehr als 600 Millionen Dosen. Für die Auslieferung soll das Militär eingespannt werden. Und Trump brüstet sich schon jetzt: Die Pharma-Chefs hätten ihm alle gesagt - wenn es ein typischer Präsident wäre, dann würden solche Zulassungen zwei oder drei Jahre dauern. "Aber wenn es nach uns geht, dann sind sie kurz davor, richtige große Neuigkeiten zu verkünden."

Das Rennen zum Impfstoff und der Wahlkalender
Julia Kastein, ARD Washington
05.09.2020 06:03 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 05. September 2020 um 06:11 Uhr.

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