Arbeiter verlassen eine Fleischfabrik | Bildquelle: AP

Pandemie in den USA Corona-Hotspot Fleischfabriken

Stand: 11.05.2020 05:01 Uhr

Amerikas Schlachthöfe haben mit heftigen Corona-Ausbrüchen zu kämpfen. Angesichts der Arbeitsbedingungen sind Übertragungen kaum auszuschließen. Trotzdem wird weiter geschlachtet.

Von Arthur Landwehr, ARD-Studio Washington

Rund 5000 Mitarbeiter in amerikanischen Fleischfabriken sind an Covid-19 erkrankt, mindestens 20 sind gestorben. Dutzende dieser Fabriken stehen still, weil sie zu Hotspots für das Coronavirus geworden sind.

"Unsere Arbeiter haben Angst, ihr Vertrauen in die Fabriken ist erschüttert", sagt Marc Peronne, Chef der Lebensmittelgewerkschaft in den USA. Trotzdem hat US-Präsident Donald Trump angeordnet, dass die Fabriken arbeiten müssen, um die Fleischversorgung sicher zu stellen. "Das aber braucht Zeit, auch wenn wir alles tun, für Sicherheit zu sorgen", sagt Stewart Glendenning, Finanzchef des größten Fleischproduzenten Tyson. "Wir messen die Körpertemperatur, sobald sie durch die Tür kommen, Gesichtsmasken, regelmäßige Pausen, mehr Platz, Abstände."

Arbeiter verlassen eine Fleischfabrik | Bildquelle: AP
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Arbeiter verlassen eine Fleischfabrik.

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Die Geschwindigkeit aber mit der Rinder, Schweine und Geflügel an Fließbändern zu abgepackten Steaks, Schnitzel oder Burger verarbeitet werden, ist so hoch, dass die Arbeiter oft Schulter an Schulter stehen. Die meisten, so sagen Arbeitsexperten, atmen bei der Anstrengung sehr schnell und dann oft an der störenden Maske vorbei. Erst im Oktober hatte die Trump Regierung die Höchstgeschwindigkeit für Schwein- und Hähnchenfließbänder aufgehoben. Untersucht wird auch, ob die kalte, sich schnell bewegende Luft in den Hallen dafür sorgt, dass sich das Virus weiter als bis zum Nachbarn verbreitet.

Nehmen oder arbeitslos

"Wir haben gerade medizinisches Personal in die Fabriken geholt, die nach den Arbeitern schauen und dafür sorgen, dass sie die notwendige Hilfe bekommen" sagt Glendenning. Die großen Fleischfabriken befinden sich meist auf dem flachen Land, sind oft der einzige nennenswerte Arbeitgeber. 15 Dollar ist ein typischer Stundenlohn. Nehmen oder arbeitslos sein.

Viele Arbeiter stammen aus Mexiko und Mittelamerika, leben in engsten Verhältnissen und übertragen das Virus untereinander. Die meisten sind schlecht versichert, haben kaum Lohnfortzahlung, wenn sie krank werden. Einige der Unternehmen bezahlen jetzt bei Krankheit weiter, damit das Virus nicht zurück in die Fabriken getragen wird. Und sie zahlen höhere Stundenlöhne, um Arbeiter zu locken.

Kaum Konkurrenz

"Wir haben aber noch ein weiteres Problem", sagt Kevin Cramer, republikanischer Senator des Rinderzüchter-Staates North Dakota: 80 Prozent der Fleischproduktion komme aus ganzen vier Unternehmen. So viel Konzentration heiße wenig Konkurrenz und wenig Anreiz für bessere Bedingungen.

Auch in den USA sind Fleischfabriken Corona Hotspots
Arthur Landwehr, ARD Washington
10.05.2020 22:15 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 11. Mai 2020 um 05:16 Uhr.

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