Der amerikanische Top-Immunologe Fauci sagt per Videokonferenz vor einem Senatsausschuss aus. | Bildquelle: dpa

Immunologe vor US-Senatsausschuss Fauci warnt und warnt und warnt

Stand: 13.05.2020 03:05 Uhr

Der US-Immunologe Fauci hat erneut deutlich gemacht, dass Lockerungen nicht vorschnell kommen dürften, mehr Tote wahrscheinlich seien und Schutzmaßnahmen noch lange Bestand haben müssen. Das trifft bei vielen auf taube Ohren.

Von Claudia Sarre, ARD-Studio Washington

Ein ungewöhnliches Bild im US-Kapitol. Senatoren mit Maske sitzen weit voneinander entfernt und blicken auf einen Bildschirm. Vier Top-Gesundheitsexperten sind per Video vorgeladen, den Kongressabgeordneten Rede und Antwort zu stehen. Auf dem Prüfstand Fragen wie: wie effektiv ist das Corona-Krisenmanagement der US-Regierung. und wie gelingt eine sichere Rückkehr zu Arbeit und Schule?

"Meine Sorge ist, dass einige Staaten, Regionen oder Städte vorschnell wieder öffnen, ohne dem Virus effektiv und effizient begegnen zu können. Ich befürchte neue kleinere Ausbrüche, die zu großen Infektionsherden werden könnten."

So sagt es Dr. Fauci vor dem Gesundheitsausschuss des Senats. Zum zigten Mal warnt der Wissenschaftler vor einer zu schnellen Lockerung der Schutzmaßnahmen. Und macht sich damit nicht nur zunehmend bei Präsident Trump unbeliebt, sondern im gesamten republikanischen Lager. In einem Meinungsartikel der Washington Post einer ultrakonservativen Kommentatorin heißt es: "Genug von Dr. Fauci." Seine Warnungen seien "Angstmacherei in seiner verheerendsten Form."

Normalität um jeden Preis?

So wie die Autorin denken viele US-Bürger. Sie wollen so schnell wie möglich zurück zur Normalität. Unbeeindruckt von der Tatsache, dass in den USA bislang vermutlich weit mehr als die offizielle Zahl von fast 81.000 Menschen an Covid-19 verstorben sind.

"Die Zahl der Toten ist wahrscheinlich höher. Ich weiß nicht, wieviel Prozent höher, aber ziemlich sicher ist sie höher."

Dies läge daran, dass die zuhause Verstorbenen nicht mitgezählt wurden, so der 79-jährige. Fauci, der durch seine täglichen Auftritte in der Corona Task Force eine gewisse Berühmtheit erlangt hat, gilt gleichzeitig bei vielen als wichtige Stimme der Vernunft und Besonnenheit.

"Wir wissen nicht alles über dieses Virus. Wir sollten lieber sehr vorsichtig sein, vor allem, wenn es um Kinder geht. Wir sehen jetzt, dass manche Kinder mit Covid-19 ein sehr merkwürdiges Entzündungssyndrom zeigen."

Tatsächlich verzeichneten Behörden in New York bereits Dutzende Fälle dieses Syndroms, das mit dem neuartigen Coronavirus in Zusammenhang gebracht wird. Drei Kinder sind bereits daran gestorben.

Schutzmaßnahmen für bis zu zwei Jahre

Bis in ein bis zwei Jahren eine Impfung gegen Covid-19 zur Verfügung steht - insistierte Fauci - müssen Schutzmaßnahmen und Abstandsregeln eingehalten werden. 

"Was ich über eine mögliche zweite Welle denke, ist folgendes: a) Ja, es absolut denkbar und möglich, dass das Coronavirus wiederkommt, und b) Ich hoffe, dass wir dann in der Lage sind, mit Hilfe von Tests, Schutzkleidung und Kontakt-Nachverfolgung das Virus effektiv einzudämmen."

Die Warnungen des Wissenschaftlers blieben nicht ohne Nachwirkungen. Am US-Aktienmarkt gab es prompt ein Tief. Und auch bei Präsident Trump dürften Faucis Äußerungen kein Stimmungshoch erzeugt haben.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 13. Mai 2020 um 00:00 Uhr.

Korrespondentin

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Claudia Sarre, NDR

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