Anthony Fauci  | Bildquelle: dpa

Video-Aussage von US-Immunologen Fauci warnt vor zu schnellen Lockerungen

Stand: 12.05.2020 18:57 Uhr

Das Virus werde nicht verschwinden und eine zweite Welle drohe im Herbst: Top-Immunologe Fauci hat vor dem US-Senat davor gewarnt, zu schnell zur Normalität zurückzukehren. Und er geht von mehr Toten aus als bisher bekannt.

Der eine - US-Präsident Donald Trump - will in der Corona-Krise schnell zurück zur Normalität und rühmt sich damit, dass die Infektionszahlen in den USA "substanziell zurückgegangen" seien. Der andere - Immunologe und Regierungsberater Anthony Fauci - tritt weiter auf die Bremse: Bei einer Anhörung im US-Senat sagte Fauci, eine vorschnelle Rückkehr zur Normalität "könnte wirklich ernste Konsequenzen haben".

Der prominente Immunologe sagte, die Bundesregierung habe mit viel Bedacht Richtlinien für die schrittweise Wiedereröffnung von Teilen des öffentlichen Lebens in den Bundesstaaten ausgearbeitet. Und er schickte eine Warnung hinterher: Wenn einzelne dieser Schritte übersprungen und Restriktionen voreilig gelockert würden, seien weitere Ausbrüche möglich.

Das Virus werde nicht verschwinden

Es sei möglich, dass im Herbst eine zweite Welle komme. Er hoffe, dass man dann durch Testkapazitäten und dergleichen besser darauf reagieren könne. Fauci betonte zugleich, es werde nicht passieren, dass das Virus schlicht verschwinde. Trump hatte dies zu Beginn der Pandemie mehrfach behauptet. Auch hatte er zu Protesten in den Bundesstaaten ermutigt, die die Schutzmaßnahmen seiner Meinung nach nicht schnell genug herunterfahren. Dabei erfüllen viele Staaten die Kriterien aus den von Trump selber vorgestellten Richtlinien zur Wiedereröffnung nicht.

Wegen der Infektion einer hochrangigen Mitarbeiterin des Weißen Hauses hatte sich Fauci vorsorglich in Quarantäne begeben und sagte per Video vor dem Senat aus. Auch andere Teilnehmer der Anhörung waren aus der Ferne zugeschaltet.

Fauci rechnet mit höherer Totenzahl

Fauci hält es zudem für möglich, dass die Corona-Pandemie in den USA mehr Menschenleben gefordert hat als bislang bekannt. Laut einer Aufstellung der Johns Hopkins-Universität gibt es USA-weit inzwischen mehr als 1,3 Millionen bestätigte Corona-Infektionen und mehr als 80.000 Todesfälle. Die tatsächliche Todeszahl sei vermutlich noch höher, sagte Fauci in der Anhörung. So könne es Menschen gegeben haben, die zu Hause an den Folgen einer Corona-Infektion gestorben seien, ohne dass dies in einer offiziellen Statistik gelandet sei.

Trumps Berater mahnt zur Vorsicht - auch weil es seiner Meinung nach noch dauern wird, bis ein Impfstoff gegen das Coronavirus entwickelt und auf dem Markt ist. Bis dahin sollte sich der Staat auf die bewährten Maßnahmen und Beschränkungen konzentrieren.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 13. Mai 2020 um 00:00 Uhr.

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