US-Immunologe Fauci im Senat. | Bildquelle: AFP

Coronavirus in den USA "Wir bewegen uns in die falsche Richtung"

Stand: 01.07.2020 07:15 Uhr

Kurz vor dem Nationalfeiertag am 4. Juli nehmen immer mehr US-Bundesstaaten ihre Lockerungen zurück. Insbesondere im Süden der USA steigen die Infektionszahlen rasant. Der führende Virologe Fauci zeichnet ein düsteres Szenario.

Die Coronavirus-Krise hat sich in den USA zuletzt wieder verschärft: Mehr als die Hälfte der US-Bundesstaaten verzeichnet derzeit einen raschen Anstieg von Ansteckungen, einige Regionen erleben gar Rekordzahlen. Und die Lage könnte sich nach Einschätzung eines der renommiertesten Virusexperten der USA durchaus weiter verschärfen.

Falls der Anstieg in den betroffenen Bundesstaaten nicht unter Kontrolle gebracht werden könne, seien landesweit bald bis zu 100.000 Neuinfektionen pro Tag vorstellbar, warnte der Immunologe Anthony Fauci bei einer Anhörung im Senat.

40.000 Neuinfektionen - pro Tag

Anthony Fauci, Direktor des nationalen Instituts für Allergien und Infektionskrankheiten | Bildquelle: AFP
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"Ich bin sehr besorgt": Fauci im Senat.

Mehrere US-Bundesstaaten traten wegen der Entwicklung bei den Lockerungen der Maßnahmen zur Eindämmung des Virus auf die Bremse. In den USA liegt die Zahl der Neuinfektionen derzeit bei rund 40.000 pro Tag - mehr als an den meisten Tagen der Hochphase der Pandemie im April. Mittlerweile wird zwar auch mehr getestet, allerdings verzeichnen viele Städte mehr Einlieferungen in Krankenhäuser. Insgesamt wurden fast 2,6 Millionen Infektionen und 126.000 Todesfälle erfasst.

"Ich bin sehr besorgt", sagte Fauci, der Direktor des nationalen Instituts für Allergien und Infektionskrankheiten ist. "Wir bewegen uns in die falsche Richtung." Die Pandemie könne derzeit nur eingedämmt werden, wenn die Menschen in der Öffentlichkeit konsequent Masken trügen und auf ihren Sicherheitsabstand achteten. Wenn sich die Menschen nicht daran halten würden, "werden wir weiter große Probleme haben", warnte Fauci.

Lockerungen pausieren

In Texas, Florida, Kalifornien und Arizona versuchen die lokalen Regierungen, der Entwicklung entgegenzusteuern, und pausierten die phasenweise Lockerung von Corona-Auflagen oder machten sie rückgängig. Arizonas Gouverneur Douglas Ducey beschränkte die Teilnehmerzahl bei Veranstaltungen zunächst bis Ende Juli wieder auf 50 - und das nur eine Woche nach einem Auftritt von US-Präsident Donald Trump mit zahlreichen Zuschauern. "Wir gehen davon aus, dass sich unsere Zahlen verschlechtern werden", sagte der Gouverneur laut US-Medien. In dem Bundesstaat mit gut sieben Millionen Einwohnern gibt es bislang rund 75.000 bestätigte Coronavirus-Infektionen.

In Südkalifornien sollen am kommenden Feiertagswochenende im Bezirk Los Angeles die Strände geschlossen bleiben. Auch Fahrradwege, Parkplätze und Piers sind von Freitag bis Montag nicht zugänglich, teilte der Bezirk am Montagabend mit. Ebenso wurde das traditionelle Feuerwerk zum Nationalfeiertag (4. Juli) abgesagt. Gouverneur Gavin Newsom hatte am Sonntag in Teilen des US-Bundesstaats eine erneute Schließung von Bars angeordnet. Der Erlass gilt in sieben Bezirken, darunter auch in der Millionenmetropole Los Angeles.

Auch in Teilen Floridas sollten die Strände geschlossen bleiben. Der Bundesstaat Nevada verschob die nächste Stufe seiner Lockerungen am Montag bis Ende Juli. Gouverneur Steve Sisolak appellierte an die Bürger, in der Öffentlichkeit weiter eine Maske zu tragen und sich an den empfohlenen Sicherheitsabstand zu halten.

Strand in Kalifornien wieder offen | Bildquelle: AP
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Strände im Bezirk sollen am Feiertagswochenende geschlossen bleiben.

Am Mount Rushmore soll gefeiert werden

Ganz andere Signale kommen hingegen aus dem Bundesstaat South Dakota: Dort sollen am Freitag am berühmten Denkmal von Mount Rushmore im Beisein von Trump Feierlichkeiten zum Nationalfeiertag stattfinden. Gouverneurin Kristi Noem rief die Menschen zum Kommen auf. An die Teilnehmer sollen Gesichtsmasken ausgegeben werden, die wahlweise getragen werden könnten. "Aber wir werden keine soziale Distanz wahren", sagte die Republikanerin dem Sender Fox News. Die Menschen sollten kommen, um zu feiern, um "die Freiheiten zu genießen, die wir in diesem Land haben".

Biden sagt ab

Der Präsidentschaftskandidat der Demokraten, Joe Biden, sagte große Wahlkampfveranstaltungen ab. "Dies ist wohl der ungewöhnlichste Wahlkampf in der jüngeren US-Geschichte", sagte der frühere Vizepräsident bei einer Rede im Bundesstaat Delaware. Er werde dem Rat der Ärzte folgen und keine größeren Veranstaltungen abhalten. Der in Umfragen führende Biden positioniert sich damit als Gegenpol zu Trump, der vor zehn Tagen mit einem viel kritisierten Auftritt vor Tausenden Anhängern die Rückkehr zu Wahlkampfveranstaltungen eingeläutet hatte.

Virologe Fauci warnt: Bis zu 100.000 Infektionen am Tag
Katrin Brand, ARD Washington
01.07.2020 07:45 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 01. Juli 2020 um 09:00 Uhr.

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