US-Präsident Trump. | Bildquelle: REUTERS

Coronavirus in den USA Mehr Lockerungen trotz schlechter Prognosen

Stand: 29.04.2020 04:57 Uhr

In der Corona-Krise wollen immer mehr US-Bundesstaaten den Shutdown aufheben. Gleichzeitig wurde die Prognose zu Todeszahlen in der Pandemie in den USA nach oben korrigiert.

Von Claudia Sarre, ARD-Studio Washington

Die Strände in Florida und Kalifornien sind rappelvoll, auch in den Parks von New York, Chicago und Denver tummeln sich in diesen Tagen Menschenmassen. Neun US-Bundesstaaten - darunter Alaska, Georgia, Tennessee und Oklahoma haben bereits begonnen, die Corona-Schutzmaßnahmen zu lockern. Sieben weitere haben angekündigt, in den kommenden Tagen Restaurants und Geschäfte wieder zu öffnen.

In Texas zum Beispiel soll die stay-at-home-order am morgigen Donnerstag auslaufen. Die dortige Wirtschaft ist durch den Crash der Ölindustrie im Zuge der Coronavirus-Pandemie besonders belastet. Der Bürgermeister der Stadt Houston, Sylvester Turner, ist von den frühen Lockerungen nicht begeistert. Auf CNN sagte der Demokrat:

"Was unser Gouverneur beschlossen hat, ist zu früh und zu schnell für mich. Ich bin einverstanden mit dem, was er in der Phase 1 entschieden hat, zum Beispiel, die State Parks zu öffnen, Geschäfte nur mit Abhol-Service zu öffnen, aber die Schulen weiter geschlossen zu halten. Das war umsichtig."

Prognose: Mindestens 74.000 Corona-Tote in den USA

US-Gesundheitsexperten warnen davor, den Lockdown zu früh aufzuheben. Ein Modell der University of Washington prognostiziert statt der bislang angenommenen rund 67.000 Corona-Toten nun mindestens 74.000 Todesopfer.

"Ich mache mir Sorgen, dass die schrittweise Lockerung - sagen wir bei Geschäften, Restaurants, Kinos und Einkaufszentren - zu schnell geht", sagt Bürgermeister Turner. Ihm wäre Mitte Mai, oder Anfang Juni lieber gewesen. "Aber ich hoffe, dass es funktioniert und dass wir nicht plötzlich eine Flut von Neuinfektionen in drei oder vier Wochen erleben."

Eigentlich hatten sich die Gouverneure darauf verständigt, dass die Covid-19-Infektionszahlen zwei Wochen rückläufig sein sollten, bevor die Ausgangssperren gelockert werden.

In Texas sei das noch lange nicht der Fall, sagt Turner: "Vergangene Woche hatten wir in Houston vier Tage lang keine Todesfälle, dann in den letzten vier Tagen zwölf Tote und dann heute 61 neue Infektionsfälle und gestern 74 Fälle."

Trump: Haben das schlimmste hinter uns

Auch die Empfehlungen des CDC, des Zentrums für Krankheitskontrolle und Prävention zum social distancing und zum Tragen von Masken werden nicht überall eingehalten. Selbst Vizepräsident Mike Pence verzichtete auf eine Maske, als er jüngst eine Klinik in Minnesota besuchte. Auf Videos ist zu sehen, wie er als einziger seiner Delegation keinen Mundschutz trägt.

Hinterher versuchte er sich zu rechtfertigten: "Als Vizepräsident werde ich regelmäßig getestet. Und da ich das Corona-Virus nicht habe, dachte ich es wäre gut, diese Klinik zu besuchen und mit dem unglaublichen medizinischem Personal zu sprechen."

Präsident Donald Trump erklärte unterdessen, das Land habe das Schlimmste überstanden. Sein Statement kam ausgerechnet an dem Tag, als die Zahl der nachgewiesenen Infektionen in den USA die Millionenmarke erreichte.

Trotz schlechter Prognosen: Immer mehr US-Bundesstaaten kündigen Lockerungen an
Claudia Sarre, ARD Washington
29.04.2020 05:28 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 29. April 2020 um 08:51 Uhr.

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Claudia Sarre, NDR

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