Kreml in Moskau | Bildquelle: picture-alliance/ dpa

Bericht über Informanten  Gab es einen CIA-Spion im Kreml?

Stand: 10.09.2019 17:59 Uhr

Über Jahre soll ein Informant für den US-Geheimdienst CIA Rußlands Präsidenten Putin ausspioniert haben. Laut US-Medien zogen die Amerikaner den Mann 2017 plötzlich ab. Fürchteten sie um seine Sicherheit?

Von Julia Kastein, ARD-Studio Washington.

Die Geschichte klingt wie ein Spionage-Thriller von John LeCarré: Die CIA soll jahrzehntelang einen Spion im Kreml gehabt haben. Der Informant, den die "New York Times" als russischen Regierungsmitarbeiter beschreibt, soll zwar nicht zu Putins engstem Kreis gehört haben. Aber er soll ihn regelmäßig gesehen und Zugang zu den wichtigsten Entscheidungsprozessen im Kreml gehabt haben. Damit sei er eine der wichtigsten CIA-Quellen überhaupt gewesen.

Der Sender CNN hatte als erstes über den Fall berichtet. Demnach war der Informant so dicht dran, dass er sogar Dokumente vom Schreibtisch Putins abfotografieren und weiterreichen konnte, so CNNs Sicherheits-Korrespondent Jim Sciutto: 

"Diese Person konnte dank ihres Zugangs den US-Geheimdiensten dabei helfen, Putins Pläne, sein Handeln, seine Ziele zu verstehen. Und das war ein ganz wichtiger Teil in der Beurteilung der Sicherheitsdienste, was Russlands Einmischung in die Wahlen 2016 anging. Und da speziell, dass Putin diese Einmischung dirigierte. Und zwar nicht nur um hier in den USA Unruhe zu stiften. Sondern um Trump einen Vorteil über Hillary Clinton zu verschaffen."

Legendäres Treffen im Oval Office

Doch als die US-Medien unmittelbar nach den Wahlen begannen, sich intensiver mit dem Thema russischer Wahleinmischung zu beschäftigen, wuchs offenbar die Sorge der US-Geheimdienste um die Sicherheit ihre kostbaren Quelle. Sie boten ihm an, ihn aus Russland herauszuholen. Zunächst lehnte der Mann ab, so CNN-Reporter Sciutto.

Donald Trump und Sergej Lawrow (Archivbild vom 10. Mai 2017 | Bildquelle: picture alliance / ZUMAPRESS.com
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US-Präsident Donald Trump und der russische Außenminister Sergej Lawrow. Beim diesem Treffen im Oval am 10. Mai 2017 soll Trump hochsensible Geheimdienst-Informationen weitergegeben haben.

"In den ersten Monaten der Trump-Regierung wuchs die Sorge um die Sicherheit der Quelle und zwar, so wurde mir das erzählt, wegen der Art wie der Präsident mit geheimen Informationen umging. Und die Entscheidung, ihn rauszuholen, fiel dann letztlich, nach dem legendären Treffen im Oval Office im Mai 2017, bei dem der Präsident unzulässigerweise geheime Informationen mit russischen Regierungsvertretern diskutiert hatte."

CNN beharrt auf der Richtigkeit

Die CIA hat diese Darstellung von CNN inzwischen als ungenau zurückgewiesen, vor allem was den Zusammenhang zwischen Trumps Umgang mit geheimen Informationen und dem Abzug des Agenten angeht. Und Trumps Sprecherin Stephanie Grisham erklärte schriftlich, CNNs Report sei nicht nur falsch sondern, gefährde auch Leben.

CNN dagegen beharrt auf der Richtigkeit der Geschichte. Er habe sie aus fünf verschiedenen Quellen im Weißen Haus und den Geheimdiensten, so Reporter Scuitto. Für Trumps politische Gegner aber ist die Affäre ein gefundenes Fressen.

"Sache passt in den Kontext"

Auch wenn er als Mitglied im Geheimdienstausschuss keine Details kommentieren könnte, so der demokratische Abgeordnete Jim Hines, die Sache passe in den Kontext: "Der Präsident ist schon öfter sehr lax mit geheimen Informationen umgegangen. Erst vor zwei Wochen hat er bei Twitter eine Satelliten-Aufnahme von der abgeschossenen iranischen Drohne veröffentlicht." Und es gebe noch mehr Beispiele. Das Problem dabei sei,  wenn man so lose mit vertraulichen Informationen umgeht, wie dieser Präsident es immer wieder tue, dann sei das ein direkter Angriff auf die Sicherheit der USA.

Laut CNN hat inzwischen auch ein russischer Regierungssprecher auf die Spionage-Affäre reagiert. "Pulp Fiction" - Schundliteratur - sei das, sagt Kreml-Sprecher Dmitri Peskow.

US-Medien: CIA-Informant aus Putins Umfeld abgezogen
Julia Kastein, ARD Washington
10.09.2019 16:56 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 10. September 2019 um 17:00 Uhr in den Nachrichten.

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