Airbus-Werk in Alabama, USA | Bildquelle: picture alliance / dpa

Trumps Zollpolitik Airbus und der Schlagabtausch mit China

Stand: 24.09.2018 09:45 Uhr

Der Zollstreit zwischen den USA und China hat auch Auswirkungen auf Unternehmen, die in Amerika produzieren - weil sie zum Beispiel Zulieferungen aus China bekommen. Airbus Americas ist eines davon.

Von Torsten Teichmann, ARD-Studio Washington

Die Zentrale von Airbus Americas hat den schönsten Blick auf den Flughafen Dulles bei Washington. Draußen starten und landen die Flieger. Drinnen am Konferenztisch wird der frühere Chef des Verwaltungsrats, Allan McArtor, schnell grundsätzlich: "Jede Form von Handelsschranken, jeder Zoll, jedes Schließen eines Marktes schadet unserer Industrie und deshalb Airbus."

Heute sind in den USA Sonderzölle auf chinesische Importe im Wert von 200 Milliarden US-Dollar in Kraft getreten. China sagte Gespräche über ein Ende des Handelskonflikts ab.

Airbus produziert seit drei Jahren in Alabama

Airbus ist bereits seit der ersten Runde dieses Schlagabtauschs betroffen. Europas Luftfahrtkonzern stellt seit gut drei Jahren Flugzeuge vom Typ A320 und A321 auch im Süden der USA her, in der Stadt Mobile im Bundesstaat Alabama. Auf dem ehemaligen Air-Force-Stützpunkt Brookley Field ist eine große, graue Montagehalle entstanden - nach dem Vorbild von Hangar 9 am deutschen Airbus-Standort Hamburg-Finkenwerder.

Airbus-Fertigung in Hamburg-Finkenwerder | Bildquelle: dapd
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Airbus-Fertigung in Finkenwerder: Vorbild für Mobile in Alabama.

Der Boden sei sauberer als in Hamburg, weil die Halle jünger ist, scherzt Pressesprecherin Kristi Tucker. Und an Montageposition 40 knallt US-Country-Musik aus den Boxen. Dort werden gerade Flügel und Fahrwerk an einer Maschine für Delta Airlines montiert.

Jede Menge Möglichkeiten

Mehr als 500 Beschäftige zählt Airbus hier, hinzu kommen noch Vertragsarbeiter anderer Unternehmen. Jeremy Girton ist Ingenieur. Er ist vom Airbus-Standort in Wichita in Kansas nach Alabama gewechselt. "Airbus in den USA zu haben, gibt uns, die wir im Bereich Luft- und Raumfahrt arbeiten wollen, eine Menge Möglichkeiten. In Wichita war ich an neuen Entwicklungen beteiligt. Und jetzt in Mobile an der Produktion zu arbeiten, das ist es sehr cool", erzählt Girton.

Um es sehr vereinfacht zu sagen: Als Ingenieur hilft Girton die Baupläne in praktische Arbeit zu übersetzen. Wie viel Umdrehungen braucht eine bestimmte Schraube? Er hat die Antwort. Er sei sehr stolz auf die Flugzeuge, die so in Alabama entstehen: "Was ich an Airbus mag: Das Unternehmen arbeitet weltweit und wir sind alle dem gleichen Ziel verpflichtet. Auch hier in den USA können wir uns auf Kollegen in Frankreich, Deutschland und Großbritannien verlassen. Wir sind gleichberechtigt." 

Seit Juni werden in Mobile auch A321-Flugzeuge mit den neuesten Triebwerken ausgeliefert. Und der Standort soll weiter wachsen: Airbus will zusätzlich Flugzeuge vom Typ A220 in den USA herstellen und ausliefern. Die Produktion läuft bisher allein bei Bombardier in Kanada, die den Flieger entwickelt hatten. Eine zweite Montagelinie steht aber plötzlich vor Herausforderungen, erklärt McArtor: "Die US-Zölle auf chinesische Importe bereiten Sorgen, weil wir Teile des Flugzeugrumpfs und des Hecks der A220 aus China bekommen. Also müssen wir uns um andere Zuliefermöglichkeiten kümmern."

 Zuliefererketten über Grenzen hinweg

Unternehmen wie Airbus haben ihre Zuliefererketten über Grenzen hinweg aufgebaut. Jetzt ist die Unsicherheit bei einigen groß: Welche Folgen haben Trumps Handelsstreitigkeiten mit China, die Konflikte mit Kanada oder die Sonderzölle auf die Einfuhr von Stahl- und Aluminium in die USA? Shelby Glover von der Wirtschaftskammer in Mobile erzählt, dass einige Investoren derzeit eher abwarten: "Drei verschiedene Stahlprojekte waren vorübergehend ausgesetzt. Die Investoren rechnen: Das ist unsere Investition, so verändert sich die Investition durch mögliche Zusatzzölle. Also nehmen sie den Rückschlag hin und warten ab. Denn warum sollten sie Millionen Dollar zusätzlich ausgeben, wenn es nicht sein muss."

US-Städte wie Mobile haben von der Globalisierung profitiert. Niedrige Arbeitskosten und niedrige Lebenshaltungskosten haben dabei sicher geholfen.

Mobile war jahrzehntelang vom Schiffsbau abhängig, dann von Papierfabriken. Doch in den 1960er-Jahren begann die Wirtschaftskammer, Unternehmen aus dem Ausland anzuwerben. 25 Firmen zum Beispiel aus Deutschland, Frankreich, Spanien und den Niederlanden kamen. Seit 2010 aber hat sich die Zahl der ausländischen Investoren verdoppelt.

Die Jobs seien anspruchsvoller geworden, erklärt Leigh Perry Herndon, die Pressesprecherin der Wirtschaftskammer: "Wenn man die Art der Industrie, die wir jetzt anwerben, die Höhe der Löhne und Art der Jobs vergleichst mit der Situation vor 15 Jahren, dann hat sich das komplett verändert. Viele Unternehmen haben dazu beigetragen und Airbus ist ein Teil davon."

Aber ist die Trump-Administration bereit, das alle aufs Spiel zu setzen? Kann sie mit ihrer Handelspolitik der eigenen Volkswirtschaft schaden? Der Bürgermeister von Mobile, Sandy Stimpson, sagt, er könne wenig an der Entwicklung in Washington ändern. Er müsse die Lage als gegeben akzeptieren, so der Republikaner: "Ich denke nicht, dass irgendjemand vorhersehen konnte, was passiert. Egal ob Republikaner oder Demokrat - niemand hat die Unsicherheit vorhergesehen, die wir jetzt erleben."

Industrie stellt sich auf verschiedene Szenarien ein

Auch für die Zukunft sei es schwer, vorherzusagen, welche Folgen die gegenwärtige Politik tatsächlich hat. Neben Warnungen und Bitten beginnt die Industrie nämlich, sich auf verschiedene Szenarien einzustellen. So lang die Wirtschaft insgesamt wächst ist das auch kein Problem: Airbus behält die Zulieferer für das Flugzeug A220 in China und sucht zusätzliche Partner in Nordamerika. "Bombardier hat Werkzeuge und Ausrüstungen in Mexiko. Die haben dort diese Flugzeugteile produziert. Eine Möglichkeit wäre es, die Produktion in Mexiko wieder aufzunehmen. Oder wir bringen die Anlagen in die USA und bauen hier etwas auf. Wir schauen uns verschiedenes an", weiß Verwaltungsrat McArtor.

Eine Entscheidung darüber ist noch nicht getroffen. Das erste Flugzeug vom Typ A220 soll 2020 in Mobile, Alabama ausgeliefert werden - voraussichtlich an Delta Airlines. Es ist das Jahr, in dem sich US-Präsident Donald Trump vermutlich zur Wiederwahl stellt.

US-Präsident Donald Trump | Bildquelle: AFP
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US-Präsident Trumps Handelspolitik sorgt für Unsicherheiten.

Airbus und die Zollpolitik Trumps
Torsten Teichmann, ARD Washington
24.09.2018 08:36 Uhr

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