Ein ranghohes Treffen zwischen den USA und China im US-Bundesstaat Alaska. | dpa

US-chinesisches Treffen Schlagabtausch der Außenminister

Stand: 19.03.2021 19:05 Uhr

Die Beziehungen zwischen den USA und China sind schon lange angespannt, doch selten wurde so offen gestritten wie beim ersten Treffen nach dem US-Regierungswechsel. In den USA gibt es dafür viel Zustimmung.

Von Julia Kastein, ARD-Studio Washington

"24 Stunden Diplomatie, wie wir sie noch nie erlebt haben", leitet der Morning-Show-Moderator des Nachrichtensenders CNN sein Interview ein. Und Nicholas Burns, ehemaliger US-Botschafter bei der Nato, kann nur beipflichten: "Wirklich außergewöhnlich" sei der Auftakt in Anchorage gewesen.

Julia Kastein ARD-Studio Washington

Anders als sonst bei den Treffen von Chefdiplomaten redeten beide Seiten Tacheles. Und zwar vor laufenden Kameras.

Menschenrechtsverletzungen vs. mangelnde Demokratie

Zuerst war US-Außenminister Antony Blinken dran. Er wolle mit den Chinesen über all die Aktionen sprechen, die den USA große Sorgen machen: die Uiguiren, Hongkong, Taiwan, chinesische Hackerangriffe und Chinas Wirtschaftspolitik gegenüber den US-Verbündeten. Die sei "coersive", soviel wie "erpresserisch". Und weil all diese Themen die globale Stabilität bedrohten, sei das auch keine Einmischung in die internen Angelegenheiten der Chinesen.

Chinas Topdiplomat Yang Jiechi erklärte daraufhin in seinem mit einer Viertelstunde viel längeren Auftaktstatement: Die USA sollten erstmal ihr eigenes Image ändern und aufhören, ihre Demokratie auf der ganzen Welt verbreiten zu wollen. Schließlich hätte nicht mal mehr die amerikanische Bevölkerung selbst Vertrauen in die amerikanische Demokratie.

Blinken legt nach

Das wollte Blinken so nicht stehen lassen - und holte, entgegen jeder Konvention, die Journalisten noch einmal zurück in den Saal. Er höre von seinen vielen Gesprächspartnern auf der ganzen Welt nur, wie froh sie alle seien über die Rückkehr der USA auf die Weltbühne, erklärte er dann. Und wie groß die Sorgen weltweit über China seien.

Der Nationale Sicherheitsberater im Weißen Haus, Jack Sullivan, verwies dann auch noch auf den seiner Meinung nach größten Unterschied zwischen beiden Ländern. "Ein selbstbewusstes Land kann seine Defizite erkennen und versuchen, sie zu beheben. Und das ist das Erfolgsrezept der USA."

Die chinesischen Gäste beharrten auf dem letzten Wort vor laufenden Kameras. Chinas Chefdiplomat Yang warf den Amerikanern Überheblichkeit vor: "Die chinesische Seite fühlte sich bemüßigt, diese Rede zu halten. Wegen des Tons der amerikanischen Seite. Und ist das nicht Ihre Absicht, wenn man Ihr Auftaktstatement anguckt, dass Sie mit uns aus einer Position der Stärke von oben herab sprechen wollen!"

Zustimmung für harte Haltung in den USA

In den USA jedenfalls kommt der neue Ton an: Dass China die global größte Herausforderung ist, da sind sich Demokraten und Republikaner ohnehin schon lange einig.

Doch jetzt werden die Beziehungen - wie schon im Umgang mit Russland - neu austariert, sagt Ex-Diplomat Burns: "Die größere Geschichte ist: Präsident Biden hat gesagt, wir müssen für die Demokratie einstehen, wir stehen in Konkurrenz mit autoritären Regimen. Die ersten Runden davon haben wir diese Woche erlebt, mit den Russen und Chinesen. Und das ist die Nachkalibrierung in der US-Außenpolitik, die wir brauchen."

 Lob auch von Fox News

US-Präsident Trump hatte gegenüber China sehr unterschiedliche Töne angeschlagen: Mal pries er seine angeblich enge Freundschaft zu Staatschef Xi Jinping, meist aber schimpfte er über die unfaire Wirtschaftspolitik und gab China die Schuld an der Corona-Pandemie.

Für den neuen scharfen Ton der Biden-Regierung gab es jetzt auch im rechten Sender Fox News gedämpften Beifall. Und zwar vom pensionierten Vier-Sterne-General Jack Keane, den Trump mal als Verteidigungsminister engagieren wollte: "Das ist ein erster guter Schritt, erstmal nur Worte, noch keine Aktionen. Aber sie bieten China die Stirn, so wie sie es tun sollten. Und hoffentlich wird das Handeln jetzt auch der Rhetorik folgen."

Kein gemeinsamer Auftritt zu Abschluss geplant

Am Nachmittag Ortszeit geht das Treffen in Alaska zu Ende. Unklar noch, ob es am Ende versöhnlichere Töne oder gar einen weiteren öffentlichen Schlagabtausch gibt. Eine gemeinsame Pressekonferenz, wie sonst nach solchen Treffen üblich, ist bislang jedenfalls nicht geplant.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau24 am 19. März 2021 um 18:00 Uhr.