Screenshot Twitter: Profil von realDonaldTrump | Screenshot Twitter

Trumps Kanäle Twittern erlaubt, Facebook gesperrt

Stand: 07.01.2021 22:00 Uhr

Twitter hat die Sperre des Kontos von US-Präsident Trump aufgehoben. Bei Facebook und Instagram bleibt er aber für weitere zwei Wochen gesperrt. Der Grund: Trumps Posts stellten ein zu großes Risiko dar.

Der scheidende US-Präsident Donald Trump hat wieder Zugriff auf seinen wichtigsten Kommunikationskanal: Der Kurzbotschaftendienst Twitter teilte mit, dass die Sperre von Trumps Konto aufgehoben sei. Twitter werde Trumps Aktivitäten und Aussagen jedoch weiterhin "in Echtzeit auswerten", fügte der Konzern hinzu.

Angesichts der Randale am Sitz des US-Kongresses am Mittwoch hatte Twitter das Konto des abgewählten Präsidenten für zwölf Stunden gesperrt. Auslöser dafür waren drei Mitteilungen mit mutmaßlichen Falschinformationen zur Präsidentschaftswahl vom November. Twitter begründete den drastischen Eingriff mit "wiederholten und schwerwiegenden" Verstößen Trumps gegen die Richtlinien des Unternehmens im Kampf gegen Falschinformationen.

Facebook-Sperre für zwei Wochen

Facebook dagegen verlängerte die Sperre von Trumps Konten. Seine Accounts bei dem Online-Netzwerk und bei der Fotoplattform Instagram sollen für mindestens zwei Wochen beziehungsweise bis zur Machtübergabe an Nachfolger Joe Biden blockiert bleiben, kündigte Facebook-Chef Mark Zuckerberg an.

Zunächst hatte Facebook bekannt gegeben, dass Trump für 24 Stunden keine Posts mehr absetzen könne. Grund dafür seien Verstöße gegen Richtlinien des Online-Netzwerks in Beiträgen zum gestrigen Sturm seiner Anhänger auf das Kapitol.

Sympathie für Angreifer

Dazu gehörte ein Video, in dem der Präsident seine Anhänger zwar zum Rückzug aus dem US-Parlamentsgebäude aufrief, zugleich aber unbelegte Behauptungen über angeblichen Wahlbetrug wiederholte. Darüber hinaus zeigte Trump Sympathie für die Angreifer: "Wir lieben Euch. Ihr seid sehr besonders."

In einem weiteren Beitrag auf den Plattformen schrieb Trump: "Das sind Dinge und Ereignisse, die passieren, wenn ein heiliger Erdrutschsieg so unvermittelt und gemein" gestohlen werde. Trumps Anhänger hatten das Parlamentsgebäude in Washington erstürmt, während dort Beratungen zur Bestätigung des Wahlsiegs von Joe Biden liefen.

Zuckerberg schrieb nun: "Die schockierenden Ereignisse der vergangenen zwölf Stunden zeigten klar, dass Präsident Trump seine verbleibende Amtszeit dafür nutzen will, die friedliche und legitime Machtübergabe an seinen gewählten Nachfolger Joe Biden zu untergraben." Das ändere die Situation für Facebook, da die Plattform für die Anstiftung zu gewaltsamen Aufruhr gegen eine demokratisch gewählte Regierung missbraucht werde.

Twitter hatte Trump wegen dieser Beiträge blockiert und mit einer dauerhaften Sperre bei weiteren Verstößen gegen die Regeln gedroht. Der scheidende Staatschef habe mit zwei Beiträgen gegen Regeln des Online-Netzwerks verstoßen, sagte ein Sprecher unter anderem der Website "Axios".

Der Facebook-Account von US-Präsident Donald J. Trump auf einem Handy vor einem Bildschirm mit einem Facebook-Logo | imago images/Future Image

Facebook bleibt hart gegenüber Trump. Bild: imago images/Future Image

Kritik an Netzwerken trotz Reaktion

Zwar begrüßten Beobachter, dass Internet-Plattformen nun durchgreifen. Einige warfen den Unternehmen aber vor, im Umgang mit Trump und dessen Unterstützern zu lange gezögert zu haben. Die ganze Zeit hätten sie gefährliche Falschinformationen verbreiten und zu Gewalt anstiften können, die zur jüngsten Eskalation beigetragen habe.

Jennifer Grygiel, Kommunikationswissenschaftlerin und Expertin für soziale Medien an der Syracuse University, sah die Ereignisse am Kapitol als direkte Folge von Trumps Nutzung von Online-Plattformen für die Verbreitung von Propaganda und Falschinformationen. Diese Tech-Firmen sollten eine gewisse Verantwortung für ihre eigene Untätigkeit tragen, sagte Grygiel. Die Reaktionen seien nun zu wenig und zu spät.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk Kultur am 08. Januar 2021 um 08:37 Uhr.