Pete Buttigieg | Bildquelle: AP

US-Präsidentschaftsbewerber Der neue Star der Demokraten

Stand: 07.02.2020 11:13 Uhr

Pete Buttigieg ist der jüngste Demokrat im Rennen um die US-Präsidentschaftskandidatur. Bis vor einem Jahr war der 38-Jährige noch weitgehend unbekannt. Jetzt gilt er als möglicher Kontrahent zu US-Präsident Trump.

Von Arthur Landwehr, ARD-Studio Washington

Wahlkampf in New Hampshire: Pete Buttigieg springt auf die Bühne, dunkelblaue Anzughose, Krawatte, die Ärmel des weißen Hemdes aufgekrempelt. Der Demokrat ist 38 Jahre jung, wiedergewählter Bürgermeister der 100.000-Einwohnerstadt South Bend im Bundesstaat Indiana. Bis vor Kurzem kannte ihn keiner und niemand wusste, wie man seinen maltesischen Namen ausspricht.  

Er will Präsident der Vereinigten Staaten werden - und ist plötzlich der Shootingstar der Partei. Einer, dem immer mehr zutrauen, dass er Donald Trump schlagen könnte. Das Bild von dem Tag, an dem Trump nicht mehr Präsident ist, malt er bei jeder Wahlkampfveranstaltung. Sich selbst positioniert er als einen, der genau die Sorgen und Nöte derjenigen kennt, die Trump gewählt haben.

Halb so alt wie seine Mitbewerber

Buttigieg ist in der Demokratischen Partei das Gegengewicht zum Club der über 70-Jährigen: Joe Biden, Bernie Sanders und Elisabeth Warren. "Wir brauchen einen Präsidenten, der die neue Wirtschaft versteht", sagt ein Anhänger der Demokraten. "Die ändert sich so schnell. Viele Jobs, die wir für sicher halten, werden wegen künstlicher Intelligenz und Robotern verschwinden."

Pete Buttigieg,  Elizabeth Warren, Joe Biden und Bernie Sanders in Debatte am 20. November 2019 (von links) | Bildquelle: AFP
galerie

Pete Buttigieg ist etwa halb so alt wie seine Mitbewerber Elizabeth Warren, Joe Biden und Bernie Sanders (von links, in einer TV-Debatte).

Anderswo im Land steht er weiter hinten, kennt ihn noch kaum jemand. Vor allem bei der afroamerikanischen Bevölkerung hat er bisher so gut wie keine Unterstützung. Da versucht er aufzuholen, baut Netzwerke auf und investiert. Kein demokratischer Kandidat sammelt so viel Wahlkampfgeld ein wie er - auch aus dem Silicon Valley und aus Hollywood.

Bemerkenswerte Vita

Würde er Präsident, wäre er der jüngste Amtsträger in der Geschichte. Dabei hat er bereits eine bemerkenswerte Vita: Er hat in Harvard studiert, ist Unternehmensberater und war als Offizier freiwillig in Afghanistan. Buttigieg spricht mehrere Sprachen, ist bekennender Christ, katholisch getauft, aber zu den Episkopalen gewechselt.

Und er ist verheiratet mit einem Mann. Er wäre somit auch der erste offen homosexuelle Präsident. Das, so glauben viele Wahlexperten, könnte ein entscheidendes Hindernis sein. Liberale Demokraten halten ihn dagegen für denjenigen, der am ehesten amerikanische Werte vertritt. "Sein ganzes Auftreten und alles, was er sagt, ist ein gutes Beispiel für die Kinder unseres Landes", zeigt sich eine Anhängerin der Demokraten begeistert.

Pete Buttigieg | Bildquelle: AFP
galerie

Buttigieg ist bislang Bürgermeister - er sieht sich deshalb besonders nah an den Sorgen der Menschen.

Klimawandel und Bildung als Themen

Er wirkt eben wie eine netter Typ, der aber anpackt und die Dinge regelt - und gleichzeitig neben Justin Trudeau oder Emmanuel Macron Weltpolitik machen kann. Er positioniert sich in der Mitte und setzt sich vom linken Flügel der Partei mit Warren und Sanders ab. Und er hat mit seinen 38 Jahren bereits einiges vorzuweisen: "Ich habe mehr Regierungserfahrung als der Präsident, mehr Praxis als der Vizepräsident und mehr Militärerfahrung als beide zusammen", sagt er.

Buttigieg präsentiert glaubwürdig, was für Demokraten die entscheidenden Themen der nächsten Jahre sind: der Kampf gegen den Klimawandel zum Beispiel. Aber auch bessere Krankenkassen gehören dazu, Investition in Schulen und Bildung, die jedem eine Chance gibt. Er verspricht Minister, die auch an öffentliche Schulen glauben - ein Seitenhieb gegen Trumps Bildungsministerin Betsy DeVos, die Milliarden im privaten Schulsektor verdient hat. 

Umfragewerte steigen

Nach dem Caucus von Iowa hat er zumindest die Aufmerksamkeit des Landes. In New Hampshire steigen seine Umfragewerte. Dann aber zieht die Wahlkampfkarawane weiter, es geht in die mehr konservativen Staaten und in die großen Städte. Da wird er beweisen müssen, ob er der neue Star der Demokraten bleibt oder nur eine Sternschnuppe ist.

Porträt Pete Buttigieg
Arthur Landwehr, ARD Washington
07.02.2020 12:46 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Darstellung: