Emily Haber | Bildquelle: picture alliance / dpa

Botschafterin Haber in Washington Leise Töne statt Konfrontation

Stand: 22.06.2018 20:39 Uhr

Konstruktiv und besonnen präsentiert sich die Bundesrepublik in Washington mit der neuen Botschafterin Emily Haber. Die ehemalige Staatssekretärin setzt auf klassische Diplomatie.

Von Torsten Huhn, ARD-Studio Berlin

Es sind nicht gerade die besten Zeiten für die deutsch-amerikanischen Beziehungen. US-Präsident Donald Trump sieht einen Aufstand in Deutschland. Auf Twitter schrieb er, die Deutschen wendeten sich gegen ihre geschwächte Regierung - kein Wunder, würden doch Millionen von Migranten die deutsche Kultur gewaltsam verändern. So also beschreibt Trump die Lage in der Bundesrepublik.

Es ist also eine nicht einfache, aber sicherlich spannende Zeit, in der die neue deutsche Botschafterin ihr Amt in Washington antritt. Emily Haber, geboren 1956 in Bonn, war zuletzt Staatssekretärin im Bundesinnenministerium, als Thomas de Maizière noch Minister war. Sie war dort für die wichtigsten Themen zuständig: Sicherheit und Migration. Und sie hat dort ihre Erfahrungen gemacht:

"Ich habe eine Migrationskrise erlebt. Es war mir eine große Lehre zu sehen, wie unter den Bedingungen einer Krise sehr schwere, sehr schnelle und sehr flexible Entscheidungen getroffen werden können. Ich fürchte, das werden wir nicht nur national sondern auch international tun müssen."

Interessen nur gemeinsam durchsetzen

Als de Maizière aufhörte, ging sie zurück ins Auswärtige Amt. Seit Mitte April ist bekannt, dass sie neue Botschafterin in den USA wird. Außenminister Heiko Maas entschied sich für sie , auch die Bundeskanzlerin soll sich für Haber eingesetzt haben.

Auf der Münchner Sicherheitskonferenz im vergangenen Jahr machte Haber deutlich, dass für sie eine Zusammenarbeit der Nationen für unabdingbar ist:

"Ich bleibe dabei, dass die Grundrechenart bestehen bleibt: dass man gemeinsam und im Verbund Interessen besser durchsetzen kann als ohne. Ich bleibe auch dabei, dass grundsätzliche Wünschbarkeiten und Einzelinteressen nicht dazu führen werden und können, dass Zusammenhänge außer Frage gestellt werden."

Auf sich allein gestellt, da habe sie keinen Zweifel, könne Deutschland im neuen Konzert der Mächte nicht bestehen, sagte sie im Handelsblatt-Interview.

Emily Haber | Bildquelle: dpa
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Haber übernimmt als erste Frau den Botschafterposten in den USA.

Gegenentwurf zu US-Botschafter Grenell

Schon Habers Vater war Diplomat. Ihr Ehemann, mit dem sie zwei Kinder hat, ist ebenfalls Botschafter, zuletzt im Jemen.

Emily Haber durchlief - wie im Auswärtigen Amt üblich - viele Stationen: Sie war im Referat Sowjetunion des Auswärtigen Amtes tätig, arbeitete an den Botschaften in Moskau und Ankara und immer wieder auch in Berlin. Von 2009 bis 2011 war sie als erste Frau politische Direktorin des Auswärtigen Amtes und in dieser Funktion unter anderem deutsche Verhandlungsführerin bei den Gesprächen über das iranische Atomprogramm. 2011 wurde sie als erste Frau zur beamteten Staatssekretärin im Auswärtigen Amt ernannt.

Haber weiß, wie stark Deutschland bei der Trump-Administration in der Kritik steht. Aber sie will in Washington nicht konfrontativ auftreten, das ist nicht ihr Ding. Haber ist eher zurückhaltend und bevorzugt die leiseren Töne - und ist eine genaue Beobachterin von Veränderungen:

"Wir waren uns sicher, dass transatlantische Gemeinsamkeit in der Zeit, in der Regeln neu definiert werden, besser ist als mangelnde Kohäsion. Wir waren uns sicher, dass es in einer Demokratie nur Fakten gibt, die überlegt oder widerlegt werden können - aber nicht in alternative Fakten. Wir waren uns sicher, dass zu einer guten Außenpolitik auch eine diplomatische Sprache gehört. All das ist sozusagen in Erosion begriffen."

Damit unterscheidet sie sich deutlich von ihrem Berliner Konterpart, dem US-Botschafter Richard Grenell. Der hatte erklärt, er wolle unbedingt andere Konservative in ganz Europa stärken. Ein solcher Verstoß gegen die diplomatischen Usancen würde der parteiübergreifend geschätzten Diplomatin Haber nicht passieren.

Porträt Emily Haber - neue Botschafterin in Washington
Torsten Huhn, ARD Berlin
22.06.2018 20:38 Uhr

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Über dieses Thema berichtete MDR Aktuell am 22. Juni 2018 um 20:20 Uhr.

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