US-Präsidentschaftskandidat Joe Biden von den Demokraten spricht bei einer Wahlkampfveranstaltung. | Bildquelle: AP

US-Demokrat im Wahlkampf Biden sucht die Super-Vize

Stand: 28.07.2020 08:58 Uhr

Noch in dieser Woche will der demokratische Präsidentschaftsbewerber Joe Biden bekannt geben, welche Frau an seiner Seite für das Amt der US-Vizepräsidentin kandidieren soll. Die Entscheidung dürfte auch programmatisch wichtig sein.

Von Sebastian Hesse, ARD-Studio Washington

Rund hundert Tage vor der Präsidentschaftswahl in den USA stehen die Chancen für Trump-Herausforderer Joe Biden gut. So liegt der Demokrat in den kritischen Bundesstaaten Arizona, Florida und Michigan in aktuellen Umfragen vorne. Doch Bidens Stärke ist derzeit vor allem Trumps Schwäche. Die Programmatik der Demokraten hat noch nicht so recht Konturen angenommen. Das wird sich vermutlich ändern, wenn Biden diese Woche seine Kandidatin für das Vizepräsidentenamt benennt. Mehrere potenzielle Weggefährtinnen sind noch im Rennen:

Anhängerinnen von US-Präsidentschaftskandidat Joe Biden stehen mit Plakaten bei einer Wahlkampfveranstaltung. | Bildquelle: AFP
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Auch Bidens Anhängerinnen sind gespannt, wen der Präsidentschaftskandidat der Demokraten als seine potenzielle Vizepräsidentin nominieren wird.

Kamala Harris spricht konservative Wähler an

Wenn ein Computer-Algorithmus die Wahl zu treffen hätte, dann stünde am Ende des Rechenprozesses sicher dieser Name: Kamala Harris, 55 Jahre alt, Senatorin aus Kalifornien. Als frühere Staatsanwältin und Justizministerin ihres Heimatstaates spricht sie konservative Wechselwähler an. Mit ihrem Familienhintergrund auf Jamaika und in Indien sind ihr Erfahrungen mit dem systemischen Rassismus der USA nicht erspart geblieben. Und seit Wochen schon trommelt Harris für Biden: "Wir brauchen einen Präsidenten, der den Mut und die Kraft hat, die Menschen wieder aufzurichten", schwärmt sie im Predigerstil, "und das ist Joe Biden!"

Diese Worte klingen hingerissen, aber Harris kann auch anders. Als sie selber noch für den Top-Job kandidierte, sorgte sie in der ersten Fernsehdebatte der demokratischen Präsidentschaftsanwärter für knisternde Spannung, weil sie Biden überraschend frontal und aggressiv anging. Biden-Vertraute sagen, dass er ihr das nie verziehen hat - zumal der frühere Vizepräsident die gleiche Loyalität erwarten dürfte, auf die sich Barack Obama bei ihm verlassen konnte.

Susan Rice hat keine Wahlkampferfahrung

Wenn es um Vertrautheit geht, dann müsste Susan Rice Bidens erste Wahl sein. Die 55 Jahre alte Diplomatin war während Obamas zweiter Amtszeit Sicherheitsberaterin. Sie stünde zwar bereit, doch Rice hat weder Wahlkampferfahrung, noch ist sie auf Themenfeldern jenseits der Außenpolitik versiert.

Hier wäre Elizabeth Warren der perfekte Gegenentwurf, die 71-jährige Juristin, Hochschullehrerin und Senatorin aus Massachusetts. Warren zu wählen hieße für Biden jedoch, die Partei nach links zu rücken.

Polizistin und Hubschrauberpilotin ebenfalls im Rennen

In der engeren Auswahl stehen zudem zwei weniger prominente Kandidatinnen, die aber mit außergewöhnlichen Biographien aufwarten können: Tammy Duckworth, 52 Jahre alt, Senatorin aus Illinois, und Val Demings, 63, Kongress-Abgeordnete aus Florida. Bevor Demings in die Politik wechselte, war sie 27 Jahre lang Polizistin und zuletzt die Polizeichefin von Orlando.

Sie sei ausgesprochen stolz auf die Demonstranten, die derzeit in den USA gegen Rassismus und Polizeigewalt auf die Straße gehen, sagt die Afro-Amerikanerin Demings. Und Duckworth schließlich blickt auf ein Leben wie aus einem Roman zurück: Geboren in Bangkok, aufgewachsen auf Hawaii, promovierte Politologin, Hubschrauberpilotin in der Air Force, dann Kongressabgeordnete und Senatorin. Bei einem Kampfeinsatz im Irak verlor Duckworth beide Beine.

Ein Mangel an geeigneten Kandidatinnen für das Amt der Vizepräsidentin besteht in der demokratischen Partei also nicht. Jetzt muss Biden nur noch seine Wahl treffen.

Frauenpower für Biden: Wer zieht mit dem Trump-Herausforderer in den Wahlkampf?
Sebastian Hesse, ARD Washington
28.07.2020 07:53 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 28. Juli 2020 um 10:07 Uhr.

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