Saudischer Kronprinz Mohammed bin Salman begrüßt US-Präsident Joe Biden im Al-Salman-Palast in Dschidda per Faustgruß. | VIA REUTERS

Biden-Besuch in Saudi-Arabien Ein Fist Bump spaltet die USA

Stand: 16.07.2022 08:01 Uhr

In den USA löst der Besuch von Präsident Biden in Saudi-Arabien gemischte Reaktionen aus: Die einen verurteilen die neue Nähe mit dem Königreich. Andere sehen kaum eine andere Option für Biden.

Von Claudia Sarre, ARD-Studio Washington

Dank Corona-Pandemie kam der US-Präsident um minutenlanges Händeschütteln mit dem saudischen Kronprinzen herum. Aber selbst der sogenannte Fist Bump zwischen Joe Biden und Mohammed bin Salman sorgte in den USA bei einigen für Unbehagen. 

Claudia Sarre ARD-Studio Washington

Für den Herausgeber der "Washington Post", Fred Ryan, war der Faustgruß eine vertrauliche Verbrüderungsgeste, die "schlimmer als ein Händeschütteln" sei. "Geradezu beschämend", kritisiert Ryan.

"Ich stimme zu, das war ein peinlicher Moment für die US-Regierung. Und ein Zugeständnis an die Propaganda, den Sieg von Mohammed bin Salman", sagt Josh Rogin, Kolumnist bei der "Washington Post" auf CNN.

"Fist Bump sagt mehr als tausend Worte"

Selbst bei einigen Demokraten stießen die Bilder des Zusammentreffens der beiden Männer im saudi-arabischen Dschidda auf Unverständnis. So twitterte der demokratische Vorsitzende des Geheimdienstausschusses, Adam Schiff:

Wenn wir jemals eine visuelle Erinnerung an den Einfluss ölreicher Autokraten auf die US-Außenpolitik im Nahen Osten gebraucht haben, dann haben wir sie heute bekommen. Ein Fist Bump sagt mehr als tausend Worte.

Streitpunkt Khashoggi-Mord

Biden selbst hatte auf die Frage einer Journalistin nach dem Faustgruß nur gelacht. Der US-Präsident steht wegen seiner Reise nach Saudi-Arabien in seiner Heimat unter Beschuss. Noch im Wahlkampf hatte er das Königreich als "Paria", als "geächtet", bezeichnet.

Die US-Regierung macht den saudischen Kronprinzen für den brutalen Mord an Jamal Khashoggi - damals Mitarbeiter der "Washington Post" - verantwortlich. Noch während seiner Reise verteidigte sich Biden gegen Kritik. Es sagte, er habe den Mord an Khashoggi gleich zu Beginn angesprochen.

Von der Öl-Krise getrieben

Aber der Präsident hat auch Fürsprecher. Der demokratische Senator Chris Coons aus Delaware sagte auf CNN, Biden habe keine andere Wahl, wenn er die Beziehungen zu Saudi-Arabien - dem weltweit größten Ölproduzenten - normalisieren und die Energiepreise drücken will:

Die Russen begehen täglich in der Ukraine schreckliche Menschrechtsverletzungen. Wir können keine zusätzlichen Quellen auftun, um russisches Öl und Gas zu ersetzen. Mal ehrlich, das war eine harte Entscheidung für den Präsidenten. Die einzigen Länder, die bedeutende ungenutzte Ölreserven haben, sind Venezuela, Iran und Saudi-Arabien.

Randa Slim vom Middle East Institute, einem Thinktank in Washington, versteht die derzeitige Missstimmung in den USA. Die Kritik an Biden sei fair, sagt sie der Senderkette PBS - wegen der fehlenden Übereinstimmung von Worten und Taten. "Wenn es hart auf hart kommt, übertrumpfen die nationalen Interessen immer unsere Werte", sagt Slim.

Über dieses Thema berichtete MDR aktuell am 16. Juli 2022 um 08:09 Uhr.