Flaggen der EU und der USA | picture alliance / Geisler-Fotop

Reaktionen auf Bidens Vereidigung "Beginn eines neuen Kapitels"

Stand: 20.01.2021 20:53 Uhr

Bidens Amtsantritt ist international begrüßt worden: EU und NATO hoffen, dass der neue US-Präsident Amerika wieder zu einem verlässlichen Verbündeten macht. Auch Russland und Israel haben klare Erwartungen.

Mit der Amtseinführung des neuen US-Präsidenten Joe Biden sind auch im Ausland große Erwartungen verbunden. Die westlichen Verbündeten hoffen nach dem Auszug von Donald Trump aus dem Weißen Haus auf einen Neuanfang in den Beziehungen zu den USA.

"Zurück zum gesunden Menschenverstand"

EU-Ratspräsident Charles Michel erklärte, es sei an der Zeit, zum "gesunden Menschenverstand" zurückzufinden "und unsere Beziehungen zwischen der EU und den USA zu erneuern". Auch der Präsident des Europaparlaments, David Sassoli, sieht in der Amtseinführung Bidens den Beginn einer neuen Ära für die transatlantischen Beziehungen. "Die Welt braucht ein starkes Band zwischen Europa und den Vereinigten Staaten", hieß es in einer Erklärung. Gemeinsam könne man Herausforderungen besser bewältigen - etwa den Klimawandel, die digitale Transformation und zunehmende Ungleichheiten. Sassoli lud den neuen US-Präsidenten zudem ein, in das Europaparlament zu kommen und in einer Plenarsitzung zu sprechen.

"Führung in den USA bleibt unverzichtbar"

Die NATO sprach von einem "Beginn eines neuen Kapitels für das transatlantische Bündnis". "Die Führung in den USA bleibt unverzichtbar bei der Zusammenarbeit zum Schutz unserer Demokratien, unserer Werte und der regelbasierten internationalen Ordnung", schrieb Generalsekretär Jens Stoltenberg an Biden.

Er freue sich auf eine enge Zusammenarbeit mit dem neuen US-Präsidenten und darauf, ihn später im Jahr zu einem NATO-Gipfel in Brüssel willkommen zu heißen. Als Themen für die NATO in den nächsten Jahren nannte Stoltenberg unter anderem die sicherheitspolitischen Konsequenzen des Aufstiegs Chinas, die Bedrohungen durch den Terrorismus sowie das Auftreten Russlands.

"Die großen Probleme unserer Zeit lösen"

Bidens Amtsantritt löste auch in der deutschen Politik Hoffnung auf bessere transatlantische Beziehungen und internationale Zusammenarbeit aus. "Heute ist ein guter Tag für die Demokratie", sagte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in einer Videobotschaft.  Mit dem Amtsantritt der neuen US-Regierung sei auch die Hoffnung verbunden, "dass die internationale Gemeinschaft in Zukunft wieder enger und besser zusammenarbeitet, um die großen Probleme unserer Zeit zu lösen", fügte Steinmeier hinzu.

Ebenfalls erleichtert äußerte sich Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble: "Dass Donald Trump eine Gefahr für die Demokratie war, ist seit dem Angriff auf das Kapitol nicht mehr zu bestreiten", sagte er dem Düsseldorfer "Handelsblatt". Außenminister Heiko Maas äußerte die Erwartung, dass es künftig deutlich engere Konsultationen zwischen den Regierungen Deutschlands und der USA geben werde als in den vergangenen vier Jahren.

"Bündnis ausbauen"

Der britische Premierminister Boris Johnson schrieb auf Twitter, dass die Führung der Vereinigten Staaten in Fragen unverzichtbar sei, "die uns alle etwas angehen, vom Klimawandel bis zu Covid". Er freue sich auf die Zusammenarbeit mit Biden. 

Auch aus Israel erreichten Biden und Vize-Präsidentin Kamala Harris Glückwünsche. Regierungschef Benjamin Netanyahu rief dazu auf, das Bündnis zwischen Israel und den USA zu "stärken". Er freue sich darauf, mit Biden zusammenzuarbeiten, "um den Frieden zwischen Israel und der arabischen Welt weiter auszubauen und sich gemeinsamen Herausforderungen zu stellen, vor allem der Bedrohung durch den Iran", sagte Netanyahu.

Moskau pocht auf "New Start"

Russland forderte die neue US-Regierung zu einem "konstruktiveren" Ansatz in den Gesprächen über die Verlängerung des Abrüstungsvertrags "New Start" auf.  Moskau sei dazu auf Grundlage des "Prinzips der Gleichberechtigung und der Berücksichtigung beiderseitiger Interessen" bereit, teilte das Außenministerium  mit. 

Washington und Moskau verhandeln derzeit über eine Verlängerung des "New-Start"-Abkommens, das letzte atomare Abrüstungsabkommen zwischen den beiden Ländern. Es läuft nach jetzigem Stand am 5. Februar aus, bisher gibt es keine Einigung über eine Fortsetzung.

Papst bittet um göttlichen Beistand

Papst Franziskus appellierte an den neuen US-Präsidenten, angesichts schwerer Menschheitskrisen sollten dessen Entscheidungen geleitet sein "von der Sorge um den Aufbau einer Gesellschaft. Diese solle durch wahre Gerechtigkeit und Freiheit geprägt sein, sagte das Kirchenoberhaupt. Gleichzeitig brauche es "unermüdlichen Respekt" für Rechte und Würde jedes Menschen, "insbesondere der Armen, der Schwachen und derer, die keine Stimme haben".

Auch möge Gott Bidens Amtsführung dabei leiten, "Verständnis, Versöhnung und Frieden innerhalb der USA sowie unter den Nationen der Welt zu fördern, um das universelle Gemeinwohl voranzubringen".

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 20. Januar 2021 um 20:00 Uhr.