Grizzly-Bären im Yellowstone-Nationalpark in den USA | Bildquelle: AFP

Bedrohte Arten US-Regierung will weniger Tierschutz

Stand: 13.08.2019 02:52 Uhr

Die US-Regierung will den Artenschutz aufweichen. Nun sollen die wirtschaftlichen Kosten für die Rettung bestimmter Spezies eine Rolle spielen. Naturschützer befürchten das Schlimmste und kündigen Klagen an.

Die US-Regierung hat eine umstrittene Änderung beim Artenschutz vorgenommen: Demnach sollen bedrohte und gefährdete Tier- und Pflanzenarten nicht mehr unmittelbar denselben Schutz bekommen. Außerdem strich die Regierung Formulierungen aus dem Gesetz, nach denen wirtschaftliche Aspekte bei der Einstufung einer Art als bedrohlich keine Rolle spielen sollten.

Nach Ansicht von Kritikern ebnet dies den Weg dafür, dass wirtschaftliche Interessen Einfluss auf den Prozess gewinnen könnten. Mehrere Naturschutz-Organisationen kündigten bereits Klagen gegen die Neuregelung an.

1600 Arten stehen unter Schutz

Das nun geänderte Gesetz, der sogenannte Endangered Species Act, gilt unter Experten als wichtige Hilfe zur Rettung des Weißkopfseeadlers, des Kalifornischen Kondors und anderer Tiere und Pflanzen. Präsident Richard Nixon unterzeichnete es 1973. Derzeit stehen damit mehr als 1600 Arten in den Vereinigten Staaten und in deren Territorien unter Schutz.

Naturschützer hatten bereits vorab Änderungen an dem Gesetz kritisiert. Sie befürchten, dass einige Arten in Flora und Fauna damit weiter an den Rand des Aussterbens gedrängt werden. Zudem beklagen sie, die Veränderungen ließen die Auswirkungen des Klimawandels außen vor. Mindestens zehn Generalstaatsanwälte schlossen sich der Kritik gegen einen früheren Entwurf an. Die US-Staaten Kalifornien und Massachusetts kündigten Klagen an.

Umschichtung von Ressourcen

Innenminister David Bernhardt zeigte sich jedoch überzeugt von den Änderungen. Die beste Art, das Gesetz bestehen zu lassen, sei, sicherzustellen, dass es wirksam die Erholung der seltensten Arten erreiche. Mehr Ressourcen sollten dorthin fließen, wo sie am meisten Gutes täten.

Die Berechnung wirtschaftlicher Kosten als Faktor bei der Entscheidung über den Schutz einer Art, ist vom US-Kongress eigentlich unterbunden worden. Das Verbot sollte sicherstellen, dass etwa die Holzindustrie nicht aus wirtschaftlichen Gründen einen Schutz für ein Tier zurückfahren darf, das im Wald lebt.

Kosten sollen kein zentrales Kriterium sein

Die Regierung werde sich daran halten, die wirtschaftlichen Kosten an die Öffentlichkeit weiterzugeben. Zugleich solle es aber kein Faktor für die Beamten sein, die über die Schutzmaßnahmen für Flora und Fauna entscheiden, sagte Gary Frazer von der US-Fischerei- und Wildschutzbehörde. Die Änderungen seien im Vergleich zu den vergangenen zehn Jahren nicht radikal für die Art und Weise, wie Mitarbeiter über den Schutzstatus einer Spezies entschieden hätten.

US-Regierung lockert Schutz bedrohter Tierarten
Julia Kastein, ARD Washington
13.08.2019 08:13 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete MDR aktuell am 13. August 2019 um 04:09 Uhr.

Darstellung: