Ein afghanisches Mädchen trägt in einem Flüchtlingscamp nahe Kabul ein Kleinkind auf dem Arm.

US-Präsident Biden Millionenhilfe für afghanische Flüchtlinge

Stand: 24.07.2021 10:51 Uhr

Die Taliban sind dabei, große Teile Afghanistans zurückzuerobern - zahlreiche Menschen sind auf der Flucht. Die USA sicherten ihnen jetzt Hilfe in Millionenhöhe zu. Auch Ortskräfte sollen damit unterstützt werden.

Angesichts der erwarteten Fluchtbewegungen wegen des Vormarschs der radikalislamischen Taliban in Afghanistan stellen die USA 100 Millionen US-Dollar (rund 85 Millionen Euro) Unterstützung in den Bereichen Migration und Flucht zur Verfügung. Die Mittel seien für "unerwartete, dringende Bedürfnisse von Flüchtlingen und Migranten, Konflikt-Opfern und anderer wegen der Situation in Afghanistan gefährdeter Menschen", hieß es in einer Mitteilung des Weißen Hauses.

Die Mittel seien auch für die Unterstützung von ehemaligen Hilfskräften der USA in Afghanistan vorgesehen. Das Geld könne sowohl bilateral als auch durch Beiträge an internationale Organisationen, nicht staatliche Gruppen, Regierungen oder US-Behörden ausgegeben werden, hieß es in der Erklärung. 

Vergeltung durch Taliban befürchtet

Rund 20.000 Afghanen, die während des Krieges in dem Land unter anderem als Dolmetscher für die US-Armee gearbeitet hatten, fürchten nun Vergeltung durch die Aufständischen und haben Anträge auf spezielle Visa für die USA gestellt. 

Auch in Deutschland wird darüber diskutiert, wie afghanischen Ortskräften, die für die Bundeswehr oder die deutsche Polizei gearbeitet haben, geholfen werden kann. Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte am Donnerstag: "Ich möchte, dass wir hier denen, die uns sehr stark geholfen haben, auch wirklich einen Ausweg geben."

Bisher haben etwa 3000 Menschen Aufnahmezusagen für Deutschland erhalten, rund 490 sind ehemalige Mitarbeiter der Bundeswehr oder der deutschen Polizei. Hinzu kommen im Schnitt fünf Familienangehörige. Auf dem Tisch liegen auch Pläne für organisierte Charterflüge.

Taliban erobern Land zurück

Parallel zum rasch fortschreitenden Abzug der US- und anderer NATO-Truppen aus Afghanistan hatten die Taliban in den vergangenen Monaten große Teile des Landes erobert.

Sie hatten am Donnerstag erklärt, inzwischen 90 Prozent der Grenzen Afghanistans zu kontrollieren. Das Verteidigungsministerium in Kabul bezeichnete dies als "totale Lüge". Eine unabhängige Überprüfung der Angaben ist nicht möglich. 

Friedensverhandlungen stocken

Beobachter befürchten, dass die Islamisten nach dem vollständigen Abzug der internationalen Truppen wieder die Macht am Hindukusch übernehmen könnten. Die Friedensverhandlungen zwischen den Taliban und der afghanischen Regierung in Doha sind seit Monaten festgefahren.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 24. Juli 2021 um 09:00 Uhr.