Trump auf Wahlkampftour in Houston | Bildquelle: dpa

Halbzeitwahlen in den USA Erfolgsrezept Angst

Stand: 24.10.2018 04:33 Uhr

In seinem Wahlkampf setzt US-Präsident Trump noch einmal auf sein Erfolgsrezept von 2016: Angst vor Menschen, die keine US-Amerikaner sind. Die Migranten an der südlichen Grenze kommen ihm da gerade recht.

Von Arthur Landwehr, ARD-Studio Washington

Es sind die letzten Wochen vor den Halbzeitwahlen in den USA. Beide Seiten sind nervös - von der Mehrheit im Kongress hängt es ab, ob US-Präsident Donald Trump so weiter regieren kann wie bisher.

Für die Schlussphase setzt er noch einmal auf sein Erfolgsrezept von 2016 - Angst. Das, was er die "Karawane" nennt - Migranten aus Mittelamerika auf dem Weg über Mexiko in die USA - ist ihm ein willkommenes Thema. "Die Karawane, das ist ein Angriff auf unser Land", sagt er während einer Wahlkampfveranstaltung. "Da sind eine Menge böser Menschen dabei. Das können wir nicht zulassen."

Öffentliche Debatte von Angst vor Fremden geprägt

Rhetorisch baut er eine große Gefahr auf, eine für die nationale Sicherheit. Eine, bei der sogar das Militär gebraucht wird. Die Botschaft kommt an. Kein Thema wird wenige Tage vor der Wahl so emotional diskutiert, keines bestimmt die öffentliche Debatte so stark wie "illegale Einwanderung" und die Angst davor, fremd im eigenen Land zu sein.

Sie hoffe doch, dass das bei der Wahl eine große Rolle spiele, sagt Rosalinda Spinoza, eine Texanerin hispanischer Abstammung, die zwei Kilometer von der mexikanischen Grenze entfernt lebt. "Ich liebe dieses Land. Unsere Grenzen zu sichern ist aber nicht nur für Texaner wichtig, sondern für alle. Das ist unser Land, und wir müssen uns um unser Land kümmern." Sie habe nichts gegen Einwanderer. Nur müsse alles seine Ordnung haben.

Migranten aus Mittelamerika | Bildquelle: dpa
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Die USA forderten Tausende Migranten aus Mittelamerika, die derzeit auf dem Weg in die USA sind, zur Rückkehr auf und schlossen eine Einreise kategorisch aus.

Trump baut auf Neid

Trump baut auch auf Neid um Ressourcen. "Da kommen viele", sagt er. "Ich habe mit Euch zusammen Jobs geschaffen, mit Euch dieses Land wieder großartig gemacht. Und jetzt wollen die alle herkommen."

Seine Worte zeigen Wirkung. Im Gespräch mit Wählern ist es das häufigste Argument: Dass man sich wieder um sich selbst kümmern müsse.

"Viele Unternehmen leiden unter der Immigration", sagt Bryan Brence, ein Mann, der in einem kleinen Ort in der texanischen Wüste lebt. Da werde so viel schwarz bezahlt, da stiegen am Ende die Kosten für alle. Dann seien auch die Schulen überfüllt. "Die Steuergelder gehen da rein. Wir müssen mehr Lehrer bezahlen. Und es betrifft auch die Gesundheit. Das ganze Geld, das wir da für die Einwanderer bezahlen. Das wird immer mehr. Und wenn wir das jetzt nicht in den Griff bekommen, können wir uns irgendwann als Land überhaupt nichts mehr leisten."

In den USA hat Angst Tradition

In seinem Heimatort wird Öl gefördert, Jobs gibt es genug, die Stadt ist wohlhabend. Und doch ist da die Angst. "Die USA haben eine lange Tradition der Angst vor Ausländern, der Angst vor dem Fremden", erklärt Vanessa Williams, Politologin am Brookings Institut in Washington. "Trump ist es gelungen, diese Haltung sehr viel direkter anzubohren, als es andere republikanische Kandidaten bereit waren zu tun."

Trumps Strategie, den Wahlkampf um den Kongress mit praktisch nur zwei Themen zu führen, scheint aufzugehen. Niemand, weder die Kandidaten seiner eigenen Partei, noch die der Demokraten, kommen daran vorbei.

 

Die Karawane kommt. Trump macht Wahlkampf mit Angst vor Einwanderern
Arthur Landwehr, SWR Washington
24.10.2018 06:33 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 24. Oktober 2018 um 07:42 Uhr.

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