Donald Trump | Bildquelle: dpa

Biden und Corona Zwei Gegner für Trump

Stand: 27.07.2020 09:28 Uhr

Trump vs. Biden - im November entscheiden die US-Amerikaner. Neun Prozentpunkte liegt der Herausforderer vorn. Im Weißen Haus macht sich Nervosität breit.

Von Nicole Markwald, ARD-Studio Washington

Für den Politkommentator James Carville steht schon länger fest: Donald Trump wird die Wiederwahl nicht schaffen. Unter keinen Umständen werde Trump wiedergewählt, ist sich Carville auf MSNBC sicher. Das verheerende Corona-Krisenmanagement, eine Arbeitslosenquote von gut elf Prozent, soziale Proteste, die von Trump als purer Vandalismus abgestempelt werden.

In den Umfragen liegt sein demokratischer Herausforderer Joe Biden derzeit mit knapp neun Prozentpunkten vorn, selbst "Swing States" wie Pennsylvania, Wisconsin und Ohio sind aktuell keine sichere Bank für Trump. Und der schürt Angst, wie mit einem Wahlspot, in dem eine alte Frau einen Einbrecher sieht und vergeblich die Nummer des Notrufs wählt. "Joe Biden ist dafür, der Polizei das Geld zu streichen", heißt es in dem Video. "Es gibt keine Sicherheit im Amerika von Joe Biden."

Obama als "Wahlhelfer"

Allein im Juni hat Trump mehr als 50 Millionen Dollar in seine Wiederwahlkampagne gesteckt, Biden rund 36 Millionen. Der hat nun sein größtes Ass in die Spur geschickt, seinen ehemaligen Chef: Barack Obama.

Auf der Biden-Webseite wurde vergangene Woche ein 15-minütiges Gespräch der beiden veröffentlicht: "Präsident Obama und Vizepräsident Biden: eine Unterhaltung mit Abstand."

Über Trump sagte Biden: "Ich verstehe einfach nicht, warum er nicht in der Lage ist nachzuvollziehen, was die Leute gerade durchmachen."

Wichtige TV-Duelle

Das unterscheidet Biden wesentlich von Trump: Er gilt als nahbar, freundlich, immer bereit für einen Schwatz oder Händeschüttler. Nur all das geht gerade nicht. Seiner Kampagne fehlen diese Bilder. Trump taucht schon von Amts wegen immer wieder im Fernsehen auf und setzt Themen.

Doch die Wähler werden den direkten Vergleich haben - bei den drei TV-Debatten. Am 29. September sollen Biden und Trump erstmals aufeinandertreffen, dann wieder am 15. und 22. Oktober. Trump setzt große Hoffnung in diese direkte Auseinandersetzung. Seit Monaten schon sät er -74 Jahre alt - Zweifel an der mentalen Fitness seines Herausforderers, der 77 Jahre alt ist. Und brüstet sich damit, wie gut er selbst bei einem Denktest abgeschnitten habe. Den würde Biden laut Trump wohl kaum schaffen. So habe er sich eine bestimmte Wortfolge merken und fehlerfrei wiedergeben müssen.

Bidens Fettnäpfchen

Ganz ohne Fettnäpfchen kommt allerdings auch die Kampagne von Biden nicht aus. Zugeschaltet in eine der wichtigsten Frühstücksshows im Radio, die besonders bei schwarzen Amerikanern beliebt ist, sagte Biden im Mai: "Wenn du erst überlegen musst, ob du für mich oder Trump bist, bist du nicht schwarz." Ein Affront - es entstand der Eindruck, dass Biden Stimmen der schwarzen Wählerschaft für selbstverständlich hält, er entschuldigte sich.

Neuer Sound aus dem Weißen Haus

Wie nervös das Weiße Haus ist, zeigte sich vergangene Woche: Nach Monaten nahm Trump die zwischenzeitlich abgeschafften Corona-Pressekonferenzen wieder auf, forderte in gesetztem Ton zum Tragen einer Maske auf, gab sich bedacht und konzentriert. Es ist der Neustart, der vielleicht zu spät kommt. Neben Biden ist das Coronavirus der zweite Gegner, den Trump in den kommenden drei Monaten bezwingen muss.

Noch 100 Tage bis zur Präsidentschaftswahl in den USA
Nicole Markwald, ARD Los Angeles
27.07.2020 08:23 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 27. Juli 2020 um 05:21 Uhr.

Darstellung: