Hillary Clinton

US-Präsidentschaftswahlkampf Clinton - respektiert, aber nicht beliebt

Stand: 24.07.2019 08:12 Uhr

Niemand ist so gut auf das Amt im Weißen Haus vorbereitet wie Hillary Clinton. Dennoch finden viele Amerikaner Trumps Stegreifreden authentisch, obwohl sie voller Widersprüche sind. Woran liegt es, dass Clinton nicht wirklich beliebt ist?

Von Martin Ganslmeier, ARD-Studio Washington

Noch vor wenigen Wochen war für die meisten Experten in den USA klar: Den Republikanern droht im Juli eine umkämpfte Parteiversammlung, während bei den Demokraten längst Hillary Clinton als Kandidatin feststeht. Nun ist es genau umgekehrt: Donald Trump versammelt immer mehr Republikaner hinter sich, während bei den Demokraten Bernie Sanders seinen jubelnden Anhängern weiter den Sieg verspricht.

Ausgerechnet die jungen Demokraten unter 35 begeistert der 74-jährige Sozialist. Zwar kann Sanders bei den Delegiertenstimmen Clinton nicht mehr überholen. Aber dass er als Außenseiter die hohe Favoritin in rund 20 Bundesstaaten geschlagen hat, offenbart gravierende Schwächen Clintons. Bei ihren Veranstaltungen springt selten der Funke über, so sehr sie sich mit gepresster Stimme darum bemüht.

"Etwas davon bleibt immer hängen"

Woran liegt es bloß, dass viele Amerikaner Hillary Clinton bestenfalls respektieren, aber nicht wirklich mögen? Darrell Anderson muss auf diese Frage tief Luft holen. "Dafür gibt es viele Gründe", sagt der Vorsitzende der Demokraten in Montgomery County, einem Bezirk in Maryland. "Die Republikaner haben jahrelang auf sie eingedroschen. Und etwas davon bleibt immer hängen."

Anderson (Foto: Gansmeier / ARD)
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Demokrat Darrell Anderson: "Sie hat nicht viel Charisma."

Anderson sieht Clintons Sympathie-Defizit mit Sorge. Knapp 5000 demokratische Aktivisten gibt es in Montgomery County. Sie für Hillary Clinton zu mobilisieren, fällt dem Parteivorsitzenden deutlich schwerer als vor vier Jahren bei Barack Obama. Dabei sei niemand so gut auf das Amt im Weißen Haus vorbereitet wie Clinton, beteuert Anderson. Sie sei keine Sprücheklopferin, sondern beherrsche das in Washington so wichtige Bohren dicker Bretter. Aber leider fehle ihr etwas: "Sie hat nicht viel Charisma", findet Anderson. "Du wählst mit dem Herzen und dem Kopf. Ich fürchte, sie spricht zu sehr den Kopf an und nicht genug das Herz."

Ihre Wahlziele wirken einstudiert

Clinton erscheint oft reserviert und immer leicht misstrauisch. Ihre Wahlziele und Statements wurden von Wahlforschern getestet und wirken einstudiert. Dagegen finden viele Amerikaner Trumps Stegreifreden authentisch, obwohl sie voller Widersprüche und nicht selten unter der Gürtellinie sind. Auch die fortdauernde Bernie-Begeisterung hilft vor allem Donald Trump, ist der Politikwissenschaftler Allan Lichtman von der American University überzeugt: "Trumps bester Freund im Moment ist Bernie Sanders. Wenn Sanders Trump stoppen will, sollte er sich mit der wahrscheinlichen Kandidatin Hillary Clinton vereinen."

Je länger der innerparteiliche Kampf bei den Demokraten andauert, umso schwerer wird es, danach die Gräben wieder zu schließen. Dennoch ist Darrell Anderson, der Parteivorsitzende von Montgomery County, zuversichtlich: "Für uns wird Trump der große Einiger sein. Wir dürfen ihn nicht als Präsidenten bekommen."

Und noch etwas gibt dem Parteifunktionär Hoffnung. Spätestens im Juni werde der beste Wahlkämpfer der Demokraten ins Geschehen eingreifen: Barack Obama. Nicht nur um seiner früheren Außenministerin zum Sieg zu verhelfen, sondern auch um sein politisches Erbe zu sichern.

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