US-Sportler wie Basketballstar Lebron James (m.) werden immer mehr politisch aktiv, etwa in der "Black Lives Matter"-Bewegung. | Bildquelle: USA TODAY Sports

US-Profis als Medienmacher Mehr als nur Sportler

Stand: 05.08.2020 05:54 Uhr

Sportler in den USA lassen sich immer weniger auf ihre athletischen Talente reduzieren. Sie werden am Rand des Spielfelds politisch aktiv und investieren in eigene Medienunternehmen, Fernsehshows und Onlinekanäle.

Von Kerstin Zilm, ARD-Studio Los Angeles 

Basketball-Superstar LeBron James kam die Erkenntnis 2014. Da wollte er erklären, warum er von Miami zurück nach Cleveland ging, um wieder mit den Cavaliers zu spielen: Er konnte aber nirgendwo seine Perspektive 100-prozentig und unkontrolliert darstellen.

Mit seinem Geschäftspartner Maverick Carter gründete er "Uninterrupted", eine Online-Plattform für Sportlerinnen und Sportler. Daraus wurde ein mehrschichtiges Medien-Unternehmen - "Spring Hill Entertainment", benannt nach dem Viertel von Akron, Ohio, in dem der Ausnahmeathlet aufgewachsen ist. James sagte in einem Bloomberg-Interview:

"Wir wollen Geschichten erzählen, mit denen sich möglichst viele zu Hause identifizieren können, sagen können: 'Das kenne ich, oder das kann ich auch schaffen.' Wir wollen authentisch sein."

Kritik an Trump

Sie waren nicht allein mit der Idee. Fast gleichzeitig gründete der ehemalige Baseball-Superstar Derek Jeter ein ähnliches Projekt - "The Players Tribune". 

Vier Jahre später, 2018, Donald Trump hatte Barack Obama im Weißen Haus abgelöst, kritisierte LeBron James den US-Präsidenten auf einem seiner Medienkanäle, und Fox-Moderatorin Laura Ingraham forderte den Spieler auf, seine Klappe zu halten und zu spielen. Das kam bei Athletinnen und Athleten nicht gut an.

Die waren sowieso schon politisch aktiver geworden. Polizeibrutalität und Rassismus machten Schlagzeilen. NFL-Quarterback Colin Kaepernick wurde von der Nationalen Football Liga kaltgestellt, nachdem er als Protest gegen soziale Ungerechtigkeit gegenüber Schwarzen zur Nationalhymne kniete. Präsident Trump heizte die Stimmung an.

Sportler als Medienmacher

LeBron James machte klar: Sportler werden nicht die Klappe halten. Mehr und mehr folgen seinem Vorbild und schaffen sich eigene Plattformen, um Geschichten aus ihrer Perspektive zu erzählen. Oder sie machen Verträge mit Medienunternehmen, die ihnen großen Einfluss geben.

Colin Kaepernick machte in diesem Frühjahr einen Deal mit Disney. Er entwickelt dort mehrere Projekte, bei denen Schwarze und Latinos das Sagen haben werden, unter anderem eine Dokumentation über sein Leben vom Spielfeld zum Protest. Nicht immer sind die neuen Inhalte vordergründig politisch orientiert.

Megan Rapinoe mit dem WM-Pokal | Bildquelle: AP
galerie

Auch Fußball-Weltmeisterin Megan Rapinoe hat jetzt auf HBO eine eigene Show.

Fokus auf persönliche Geschichten

NBA-Star Stephen Curry produziert mit seinem Unternehmen ‚Unanimous Media‘ Familengeschichten und Gameshows fürs Fernsehen. Auf seinem YouTube-Kanal präsentiert Curry derzeit Home-Championships zwischen Athletinnen und Athleten in Corona-Quarantäne.

Kollege Kevin Durant entwickelt Dokumentarfilme. Ski-Ass Lindsey Vonn  produziert mit ihrer Firma "Après Productions" seit dem Frühjahr Geschichten von Sportlerinnen. Tennis-Star Serena Williams steuert im Vorstand von "Verizon Media" Inhalte des Medienkonglomerats.

Und Fussballweltmeisterin Megan Rapinoe hatte gerade Premiere mit ihrer eigenen Interviewshow auf HBO, "Seeing America with Megan Rapinoe". Sie interviewt progressive Politikerinnen, Journalisten, Komiker und Künstlerinnen. Ihr Ziel: Politik cool machen. Engagement wecken. Zuschauer zum Wählen motivieren.

"Unsere Leben sind so sehr von Politik bestimmt. Das möchte ich mehr Leuten klar machen und sie dazu bringen, für mehr Gerechtigkeit und bessere Bedingungen ihre Stimmen zu erheben. In ihren Vierteln, aber auch für sich selbst."

Neue Zeitrechnung in den USA

Die Zeit scheint in den USA so reif wie nie zu vor zu sein, diese neuen Stimmen zu hören, Geschichten zu sehen, die unterdrückt, vernachlässigt oder nicht einmal wahrgenommen wurden. Athletinnen und Athleten sind entschlossen, Plattformen zu schaffen, mit deren Hilfe diese Geschichten nicht wieder verloren gehen. Gotham Chopra, Regisseur des Dokumentarfilms: "Shut Up and Dribble" sagt:

"Es gibt eine lange Geschichte von Sportlern, die politisch Einfluss nehmen. Jetzt hat der beste Basketballspieler unsere Zeit, der zudem noch offen seine Meinung sagt, anderen das Selbstbewusstsein gegeben, es ihm nachzumachen."

LeBron James Medienfirma "Spring Hill" hat übrigens gerade 100 Millionen Dollar von Investoren für den Ausbau ihrer Inhalte bekommen. "Klappe halten und spielen", das lässt sich jedenfalls niemand mehr sagen.

Mehr als nur Athleten: US-Sportler als Medienmacher
Kerstin Zilm, ARD Los Angeles
05.08.2020 10:23 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Korrespondentin

Kerstin Zilm Logo SWR

Kerstin Zilm, SWR

Darstellung: