LeBron James | Bildquelle: AP

US-Profisport Staunen über den Neymar-Wahnsinn

Stand: 12.08.2017 05:08 Uhr

Mit Staunen ist in den USA der Rekord-Transfer von Profi-Fußballer Neymar nach Paris verfolgt worden. Anders als in Europa gibt es in den USA Obergrenzen für Spielergehälter - und alle profitieren.

Von Martin Ganslmeier, ARD-Studio Washington

Auch in den USA verdienen Spitzensportler enorme Summen. Doch selbst die am besten bezahlten Spieler wie Basketball-Star LeBron James oder Football-Star Tom Brady können nicht mithalten mit Fußball-Profis wie Christiano Ronaldo oder Lionel Messi.

Der jüngste Rekordtransfer von Neymar wurde in den US-Medien mit ungläubigem Kopfschütteln verfolgt. Mehr als 220 Millionen Euro überweist der aus Katar gesponserte Verein Paris St-Germain an den FC Barcelona: "Das sprengt absolut den bisherigen Weltrekord für Transfersummen", erklärt Sportreporter Patrick Snell den Amerikanern im Sender CNN, "Bisher lag der bei 115 Millionen Dollar."

Tom Brady | Bildquelle: USA Today Sports
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Der Gehälter für Stars wie Tom Brady sind begrenzt und alle profitieren davon.

Strenge Obergrenzen

Alles in allem kostet Neymar die Franzosen mehr als 500 Millionen Euro. "Was bleibt da noch für andere Spieler und Vereine übrig?", fragen sich viele Amerikaner. Denn anders als im europäischen Profi-Fußball gibt es in den US-Profi-Ligen gedeckelte Budgets für die Spielergehälter.

Im American Football und im Eishockey sind die Obergrenzen besonders streng, während sie in der Basketball-Liga NBA durch Ausnahmen durchbrochen werden darf, weshalb man in der NBA von "Soft Cap" spricht: einem "weichen Deckel".

Die Obergrenzen wurden in den 80er- und 90er-Jahren eingeführt, als die Profiligen in den USA wegen allzu reicher und dominanter Teams immer langweiliger wurden, erklärt Sportökonom Patrick Miller: "Ohne Gehaltsobergrenze wären die Teams aus großen Städten wie New York und Chicago zu dominant, weil sie viel mehr Fernseheinnahmen erzielen und immer die besten Spieler verpflichten könnten."

Dominanz führt zu Langeweile

Dass ein oder zwei besonders reiche Teams die ganze Liga dominieren, fanden die Amerikaner langweilig. Also führten die Profi-Ligen eine Deckelung der Spielergehälter ein: Von den Gesamteinnahmen der Liga - bestehend aus TV-Einnahmen, Ticketverkauf und Fan-Artikeln - wird etwas mehr als die Hälfte für die Spielergehälter beiseite gelegt. Diese Summe wird gleichmäßig an alle Profivereine verteilt.

In der National Football League zum Beispiel darf in diesem Jahr jeder Verein 167 Millionen Dollar an seinen Spieler-Kader verteilen. Wer also einigen Superstars besonders viel zahlt, hat weniger für seine anderen Spieler übrig.

Neymar-Wahnsinn: US-Profisport hat Verdienstobergrenzen
Martin Ganslmeier, ARD Washington
12.08.2017 01:24 Uhr

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Weil sich alle daran halten müssen, gibt es auch keine verschuldeten Vereine. Zu geizig mit ihren Spielergehältern dürfen die Vereine allerdings auch nicht sein. Von den 167 Millionen Dollar müssen fast 90 Prozent an die Spieler ausgezahlt werden. Nur elf Prozent dürfen angespart werden, um in der nächsten Saison neue Spieler einzukaufen.

Im Vergleich zum Turbo-Kapitalismus im europäischen Fußball wirken die "Salary Caps" im US-Profisport fast sozialistisch, zumindest stark reguliert. Aber die Deckelung hat sich bewährt: Die Profi-Ligen sind ausgeglichener und spannender geworden, und die Vereine wirtschaftlich gesünder, weil niemand mehr über seine Verhältnisse lebt.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 12. August 2017 um 06:26 Uhr.

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