Der Eingang zur Organisation "Christian Aid Ministries" im US-Bundesstaat Ohio.  | REUTERS

Verbrechen in Haiti Polizei bestätigt Entführung von Missionaren

Stand: 18.10.2021 02:17 Uhr

Eine Bande hat in Haiti 17 Missionare und ihre Familienmitglieder verschleppt. Das bestätigte die Polizei. Es soll sich nicht um die erste Entführung der Bande "400 Mawozo" handeln, die vermutlich Lösegeld erpressen will.

In Haiti sind 17 nordamerikanische Missionare und Familienmitglieder entführt worden. Nach Angaben der Polizei ist auch ein zweijähriges Kind darunter. Vermutlich eine Verbrecherorganisation mit dem Namen "400 Mawozo" habe die Gruppe östlich der Hauptstadt Port-au-Prince in ihre Gewalt gebracht, sagte Polizeiinspektor Frantz Champagne der Nachrichtenagentur AP. Laut der christlichen Organisation Christian Aid Ministries sind 16 US-Bürger und ein Kanadier betroffen.

Aus der US-Regierung hieß es, man habe Kenntnis über die Berichte. "Das Wohlergehen und die Sicherheit von US-Bürgern im Ausland ist eine der höchsten Prioritäten des Außenministeriums", wurde mitgeteilt. Man stehe mit den Behörden in Haiti in Kontakt.

Viele Entführungen, schlechte Sicherheitslage

Laut haitianischer Polizei ist die Bande auch für die Verschleppung von fünf Priestern, zwei Nonnen und drei Verwandten eines der Priester im April verantwortlich. Dazu bekannte sich "400 Mawozo" in einer Radiobotschaft. Die Entführten wurden später freigelassen.

Die Sicherheitslage in Haiti hat sich weiter verschlechtert. Im vergangenen Monat wurde ein Diakon vor einer Kirche in der Hauptstadt Port-au-Prince getötet und seine Frau entführt - einer von Dutzenden Fällen der vergangenen Monate. Gangs wird zudem die Entführung von Schulkindern, Ärzten, Polizisten und Bussen mit Fahrgästen vorgeworfen.

Staatspräsident im Juli ermordet

Das ärmste Land des amerikanischen Kontinents wird seit Jahren von politischem Chaos und krimineller Gewalt geplagt. Anfang Juli wurde Staatspräsident Jovenel Moïse in seiner Residenz erschossen, die Hintergründe sind bis heute ungeklärt. Das Bandenunwesen versetzt Bewohner wie Besucher in Angst und Schrecken. "Die Zerschlagung der kriminellen Gangs ist entscheidend für die Stabilität von Haiti und die Sicherheit der Bürger", schrieb die Staatssekretärin im US-Außenministerium, Uzra Zeya, Anfang der Woche bei einem Besuch in Haiti auf Twitter.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 17. Oktober 2021 um 21:55 Uhr in den Nachrichten.