Ein Foto, das die Generalinspektion des US-Heimatschutzministeriums herausgibt, zeigt eine überfüllte Zelle an der US-Südgrenze. | Bildquelle: OFFICE OF INSPECTOR GENERAL HAND

Zustände in US-Migrantenlagern Überfüllte Zellen, keine Duschen

Stand: 03.07.2019 10:00 Uhr

Die interne Aufsichtsbehörde des US-Heimatschutzministeriums hat Migrantenlager an der Südgrenze inspiziert und ist alarmiert: Hygiene- und Versorgungslage seien katastrophal, Zellen völlig überfüllt.

Alarmierende, gesundheitsgefährdende Zustände - das ist das Ergebnis einer Inspektion von fünf US-Migrantenlagern an der Grenze zu Mexiko durch die interne Aufsichtsbehörde des US-Heimatschutzministeriums. Das Büro des Generalinspekteurs (OIG) warnte, die Lager seien gefährlich überfüllt, Erwachsene und Kinder würden dort häufig zu lange festgehalten - in einigen Fällen habe der Platz in einer Zelle nur zum Stehen gereicht. In den fünf Einrichtungen seien auch 1130 unbegleitete Minderjährige eingesperrt gewesen, darunter Kinder unter sieben Jahren.

Kein warmes Essen, keine Waschmöglichkeit

Ein nun veröffentlichter interner Bericht mit Fotos zeigt das Ausmaß der Misere: Die meisten erwachsenen Migranten, die bis zu einem Monat in den Lagern eingesperrt seien, hätten in der ganzen Zeit nicht duschen können, heißt es. In manchen Einrichtungen seien lediglich Feuchttücher verteilt worden. Die meisten Menschen trügen die Kleidung, in der sie aufgegriffen worden waren. Statt warmer Mahlzeiten hätten sie nur belegte Brote zu essen bekommen. Einige hätten dadurch Verdauungsprobleme entwickelt, die medizinische Behandlung erfordert hätten.

Auch Kinder hatten dem Bericht zufolge in drei der fünf Einrichtungen keinen Zugang zu Duschen. In zwei Lagern hätten sie statt warmer Mahlzeiten nur belegte Brote oder Snacks zu essen bekommen. Ein Drittel der 2669 Kinder sei länger als 72 Stunden festgehalten worden - innerhalb dieser Frist müssen sie eigentlich in die Obhut des US-Gesundheitsministeriums übergeben werden.

Eine überfüllte Zelle in einem US-Migrantenlager an der Grenze zu Mexiko: Nur ein Trinkkanister für Dutzende Insassen, die sich mit Rettungsfolie statt Decken zum Schlafen hingelegt haben. | Bildquelle: OFFICE OF INSPECTOR GENERAL HAND
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Eine überfüllte Zelle in einem US-Migrantenlager an der Grenze zu Mexiko: Nur ein Trinkkanister für Dutzende Insassen, die sich mit Rettungsfolie statt Decken zum Schlafen hingelegt haben.

"Gefährliche und entmenschlichende Bedingungen"

Auch das US-Heimatschutzministerium räumt angesichts der Schilderungen laut Bericht ein: "Die derzeitige Lage an der Südgrenze stellt eine akute und sich verschlimmernde Krise dar." Das System sei nicht auf die große Zahl an Migranten ausgerichtet.

Die Sprecherin des Abgeordnetenhauses, Nancy Pelosi, sagte, der Bericht zeige, "gefährliche und entmenschlichende Bedingungen". Sie forderte US-Präsident Donald Trump auf, die Bedingungen für die aufgegriffenen Kinder und Erwachsenen zu verbessern.

Die Zahl der Migranten, die von Mexiko aus über die US-Südgrenze zu gelangen versuchen, hatte zuletzt deutlich zugenommen. Die US-Grenzschützer registrierten mehr als 100.000 illegale Grenzübertritte pro Monat. Trump hat an der Grenze den Nationalen Notstand ausgerufen. Er unterzeichnete am Montag ein Gesetz, das 4,6 Milliarden US-Dollar zur Bekämpfung der humanitären Krise dort bereitstellt.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 03. Juli 2019 um 01:00 Uhr in den Nachrichten.

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