Joe Biden | Bildquelle: AP

"Scientific American" Ältestes US-Magazin empfiehlt Wahl Bidens

Stand: 16.09.2020 09:07 Uhr

Zum ersten Mal in seiner Geschichte gibt das US-Magazin "Scientific American" vor einer US-Wahl eine Empfehlung ab. Die Zeitschrift wirbt für den Kandidaten Biden. Amtsinhaber Trump habe den USA schwere Schäden zugefügt.

Das US-Wissenschaftsmagazin "Scientific American" hat in seiner 175-jährigen Geschichte erstmals eine Wahlempfehlung für einen Präsidentschaftskandidaten abgegeben. Ein Leitartikel sprach sich für den US-Demokraten Joe Biden aus. Intern sei es keine Frage gewesen, den Politiker zu unterstützen, erklärte Laura Helmuth, Chefredakteurin der angesehenen Publikation.

"Die Beweise und die Wissenschaft zeigen, dass Donald Trump den USA und ihrem Volk schweren Schaden zugefügt hat - weil er Beweise und Wissenschaft ablehnt", heißt es in dem Leitartikel der Oktober-Ausgabe. Das verheerendste Beispiel dafür sei die "unehrliche und unangemessene" Reaktion des US-Präsidenten auf die Corona-Pandemie, die bislang fast 200.000 US-Bürgern das Leben kostete. Auch sein Leugnen des Klimawandels und Angriffe auf das Gesundheitssystem bezeichneten die Autoren als verantwortungslos. Biden hingegen sei dafür bekannt, den Daten zu folgen und sich von der Wissenschaft leiten zu lassen, hieß es.

"Timing war reiner Zufall"

Das 1845 gegründete Magazin ist nach eigenen Angaben das älteste durchgängig erscheinende Magazin der USA und erreicht zehn Millionen Menschen weltweit. Die Wahlempfehlung wurde am Dienstag auf der Website von "Scientific American" gepostet - einen Tag, nachdem Trump die wissenschaftlichen Erkenntnisse rund um den Klimawandel mit Blick auf die Waldbrände in Kalifornien in Zweifel gezogen hatte. So erklärt der US-Präsident, dass die Erde sich abkühlen werde.

Das Timing sei jedoch reiner Zufall, beteuerte Chefredakteurin Helmuth. Der Leitartikel sei in den vergangenen zwei Monaten verfasst worden. Sie verwies auch darauf, dass das Magazin in den vergangenen Jahren mehrmals politisch Position bezogen hätte. So hätte sich das Medium in den 1950er-Jahren gegen die Wasserstoffbombe gewandt, 2016 habe bereits ein Leitartikel Trumps Eignung als Präsident infrage gestellt

Kritik von Journalisten

Trumps Kampagne wollte sich zunächst nicht äußern. Doch für seinen Standpunkt erntet das Magazin auch Kritik unter Journalisten und Forschern. Die konservative Kolumnistin S.E. Cupp twitterte, dass sie mit den Argumenten von "Scientific American" zwar übereinstimme und auch für Biden votieren wolle, aber mit gemischten Gefühlen auf den Entschluss der Magazinmacher blicke. Sie sei sich nicht sicher, ob das ein guter Gebrauch von wissenschaftlichem Einfluss und Glaubwürdigkeit sei, ergänzte Cupp.

Der Psychologe und Autor Geoffrey Miller hielt der Redaktion vor, sie übe Verrat an 175 Jahren prinzipientreuer Überparteilichkeit um der billigen, kurzsichtigen, opportunistischen Zurschaustellung moralischer Werte willen.

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