Joe Biden spricht beim US-Korrespondentendinner. | EPA

US-Korrespondentendinner Bidens Auftritt mit Ulk und Ernst

Stand: 01.05.2022 10:41 Uhr

Bei der traditionellen Gala der Korrespondenten für das Weiße Haus nahm Biden sich selbst und andere auf die Schippe - fand aber auch ernste Worte. Zum ersten Mal seit sechs Jahren war wieder ein US-Präsident dabei.

Gleich zum Auftakt des Galadinners bedankte sich US-Präsident Joe Biden für den lauten Applaus der Gäste "bei den 42 Prozent, die tatsächlich geklatscht haben" - eine Anspielung auf seine Zustimmungswerte, die nach jüngster Umfrage auf 42 Prozent abgesunken sind. Doch Journalisten seien noch weniger beliebt als er, witzelte Biden weiter. Als erster Präsident seit sechs Jahren nahm wieder ein US-Präsident an der Veranstaltung für die Korrespondenten im Weißen Haus teil.

Trumps Boykott

"Das ist verständlich, wir hatten eine schreckliche Plage, gefolgt von zwei Jahren Covid", ulkte der Demokrat mit einen Seitenhieb auf seinen republikanischen Vorgänger. "Stellen Sie sich nur mal vor, wenn mein Vorgänger dieses Jahr zu diesem Dinner gekommen wäre", sagte Biden. "Nun, das wäre wirklich ein wahrer Coup gewesen."

Donald Trump schmähte Journalisten wenn es ihm passte als "Feinde des Volkes". Nach seinem Amtsantritt 2017 boykottierte er die jährliche Pressegala als erster US-Präsident seit 36 Jahren. Auch in den Folgejahren 2018 und 2019 nahm Trump nicht teil. Offenbar wollte er sich nicht dem Spott aussetzen, der den US-Präsidenten bei der Veranstaltung regelmäßig trifft. Traditionell teilt ein Comedian während des Dinners verbal kräftig aus.

Biden lobt Mut von Kriegsreportern

Angesichts des russischen Angriffskrieges in der Ukraine fand Biden in seiner Ansprache vor den mehr als 2600 Gästen auch ernste Worte. Er lobte den Mut von Journalisten, die vor Ort über den Krieg berichten. Zuvor waren neun Kriegsreporter gewürdigt worden, die in der Ukraine ums Leben kamen. Pressefreiheit sei heute wichtiger denn je, betonte Biden.

Nach seiner Rede gab er das Mikrofon an den Comedian Trevor Noah ab. "Trevor, das ist die wirklich gute Nachricht - jetzt kannst du den Präsidenten der Vereinigten Staaten durch den Kakao ziehen und anders als in Moskau kommst du nicht ins Gefängnis".

Trevor Noah spricht auf dem US-Korrespondentendinner des Weißen Hauses | REUTERS

Der südafrikanische Kabarettist Trevor Noah spricht beim US-Korrespondentendinner. Bild: REUTERS

Tradition seit 1921

Die Gala des Verbands der Korrespondenten im Weißen Haus gibt es seit 1921. Calvin Coolidge nahm als erster US-Präsident daran teil. 2020 und 2021 war die Veranstaltung wegen der Corona-Pandemie ausgefallen. Immer noch fürchtet das Weiße Haus Neuinfektionen mit Varianten des Coronavirus. Bei einem Dinner Anfang des Monats hatten sich Dutzende Gäste in Washington angesteckt.

Der 79-jährige Biden verließ die Gala nach seiner eigenen Ansprache wieder. Beim eigentlichen Essen bleiben die Korrespondenten unter sich. Für einen Platz zahlten sie 350 Dollar und mehr. Neben Journalisten und hochrangigen Regierungsmitgliedern nahmen auch Hollywood-Stars teil, darunter Reality-Star Kim Kardashian und ihr Freund, Comedian Pete Davidson.

Mit Informationen von Torsten Teichmann, ARD-Studio Washington

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 02. Mai 2022 um 09:05 Uhr.