Auf diesem Graffiti in der jemenitischen Stadt Sanaa werden die Drohnen-Angriffe angeprangert

US-Regierung veröffentlicht erstmals Zahlen Bis zu 116 Zivilisten durch Drohnen getötet

Stand: 07.03.2019 09:12 Uhr

Angriffe auf mutmaßliche Terroristen mit Drohnen sind zentraler Teil der Anti-Terror-Strategie von US-Präsident Obama. Immer wieder sterben dabei aber auch Menschen, die zufällig ins Visier geraten. Nun hat die US-Regierung erstmals Zahlen zu den zivilen Opfern vorgelegt.

Die USA haben erstmal offizielle Schätzungen zur Zahl der zivilen Opfern ihrer Drohnen- und Luftangriffe in Pakistan, Jemen, Somalia, Libyen und anderen Ländern veröffentlicht. Demnach sind seit dem Amtsantritt von Präsident Barack Obama vor sieben Jahren zwischen 64 und 116 Zivilisten bei solchen Angriffen ums Leben gekommen.

Die Zahlen beziehen sich nur auf Länder, in denen die USA nicht an Militäroperationen beteiligt sind. Opfer in Afghanistan, Irak und Syrien sind daher nicht erfasst. Laut Weißem Haus wurden bei den insgesamt 473 Angriffen auch zwischen 2372 und 2581 Kämpfer getötet.

Menschenrechtler nennen deutlich höhere Zahlen

Diese Zahlen des Nationalen Geheimdienstdirektors James Clapper sind nicht auf einzelne Länder aufgeschlüsselt. Sie liegen vor allem für Zivilisten deutlich unter den Angaben von Menschenrechtsgruppen, die diese für Länder wie Pakistan, Somalia, Libyen und den Jemen ermittelt haben. Menschenrechtler gehen hier von zwischen 200 und 900 getöteten Zivilisten aus.

Die US-Regierung räumt die Diskrepanz in ihrem Bericht durchaus ein. Allerdings könnten die Angaben von Nichtregierungsorganisationen durch "die gezielte Streuung von Fehlinformationen durch gewisse Parteien" wie Terror-Gruppen oder lokale Medien verfälscht sein. Zudem verfüge die US-Regierung über ganz andere technische und menschliche Ressourcen, um die Totenzahlen zu prüfen, heißt es in dem Bericht.

"So viele Informationen wie möglich"

Das US-Drohnenprogramm ist ein zentraler Teil der Anti-Terror-Strategie Obamas. Der Präsident hatte nach seinem Amtsantritt die Drohneneinsätze verstärkt. Der Bericht soll die Zusage von Obama erfüllen, "so viele Informationen wie möglich" über diese Angriffe publik zu machen.

Obama hatte mehrmals Probleme eingeräumt - zuletzt im April: "Es gab berechtigte Kritik, dass die rechtlichen Rahmenbedingungen für Drohnenschläge nicht präzise genug waren. Und kein Zweifel: Es wurden Zivilisten getötet, was nicht hätte passieren dürfen", sagte er damals.

Befürworter der Drohnen-Angriffe bezeichnen diese als notwendiges Mittel, um Anschläge zu unterbinden. Gegner argumentieren, dass die Angriffe den Extremisten neue Anhänger in die Arme treiben. Menschenrechtsgruppen kritisieren die Praxis zudem als "Todesurteil ohne Prozess".

Mit Informationen von Torsten Teichmann, ARD-Studio Washington

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