Eine hochschwangere Frau umfasst ihren Bauch mit beiden Händen. | Bildquelle: dpa

US-Athletinnen protestieren Schwanger - "der Todeskuss für eine Sportlerin"

Stand: 01.06.2019 09:59 Uhr

Weniger Sponsorengelder bei Schwangerschaft: Immer mehr US-Athletinnen kämpfen gegen diese langjährige Praxis an. Sponsoren wie Nike geraten unter Druck, einige lenken bereits ein.

Von Martin Ganslmeier, ARD-Studio Washington

Es begann mit einem Bericht in der "New York Times". Darin schildern US-amerikanische Leichtathletinnen ihre frustrierenden Erfahrungen mit dem Hauptsponsor Nike. "Wenn Du schwanger wirst, dann ist das der Todeskuss für eine Sportlerin", beklagt 800-Meter-Läuferin Phoebe Wright.

Schwangerschaft und Babypause führten bislang fast automatisch zu einer drastischen Kürzung der Sponsorengelder - für Leichtathleten oft die einzige Einnahmequelle, von der sie leben können. Ein krasser Fall von Diskriminierung der Sportlerinnen gegenüber den Männern, kritisiert die mehrfache 800-Meter-Meisterin Alysia Montano: "Die Sportbranche ermöglicht Männern eine volle Karriere. Aber wenn Sportlerinnen ein Baby bekommen wollen, dann enden ihre besten Jahre."

Alysia Montano läuft 800 Meter im achten Monat ihrer Schwangerschaft (26.6.2014). | Bildquelle: picture alliance / dpa
galerie

Alysia Montano nahm noch im achten Monat ihrer Schwangerschaft an 800-Meter-Läufen teil - aus finanzieller Not, wie sie sagt.

Hoher finanzieller Druck auf Sportlerinnen

Montano sorgte vor fünf Jahren für weltweite Schlagzeilen, weil sie noch an 800-Meter-Läufen teilnahm, obwohl sie bereits im achten Monat schwanger war. Heute gesteht sie, dass dies aus purer finanzieller Not geschah. Ansonsten wären ihre Sponsorengelder deutlich gekürzt worden.

Die 33 Jahre alte Mutter sieht die Schuld nicht nur bei Nike, sondern auch bei den Sportverbänden: "Wir werden nicht nur von unseren Sponsoren benachteiligt. Das Olympische Komitee in den USA beendet unsere Krankenversicherung, wenn wir während unserer Schwangerschaft nicht weiter Spitzenleistungen erbringen."

Weltklasse-Sprinterin geht an die Öffentlichkeit

Wäre es bei den Protesten von Montano und Wright geblieben, hätte sich womöglich nichts geändert. Doch dann geschah etwas Ungewöhnliches. Die sechsfache Olympiasiegerin und elfmalige Weltmeisterin Allyson Felix wandte sich ebenfalls an die Öffentlichkeit. Die Weltklasse-Sprinterin gehört zu den erfolgreichsten Leichtathletinnen in den USA und ist weit über ihren Sport hinaus bekannt.

Im Sender CBS und in der "New York Times" berichtete Felix von ihrem eigenen Kampf mit Nike: "Für mich war das ein Thema, bei dem ich nicht schweigen konnte. Ich musste meine Stimme erheben, damit sich hoffentlich überall in der Sportbranche etwas ändert."

Allyson Felix | Bildquelle: AFP
galerie

Sie habe ihre Stimme erheben müssen, sagte die sechsfache Olympiasiegerin Allyson Felix.

"Bestraft, weil du plötzlich Mutter bist"

Im vergangenen November brachte Felix nach einem Notkaiserschnitt ihr erstes Kind zur Welt. In dieser Situation habe Nike ihren Sponsorenvertrag um 70 Prozent kürzen wollen, obwohl sie als Weltstar jahrelang eine hervorragende Markenbotschafterin für Nike war. "Du wirst bestraft, weil du plötzlich Mutter bist", bringt es Felix auf den Punkt: "Ich will erreichen, dass rund um eine Schwangerschaft die leistungsorientierten Gehaltskürzungen für Sportlerinnen wegfallen. Wir bitten einfach um etwas Nachsicht, wenn wir Kinder bekommen und anschließend versuchen, wieder unsere Top-Form zu erreichen."

Felix ist alles andere als eine Rebellin. Umso mehr drohte Nike nach ihrer Kritik ein PR-Desaster. Noch Anfang Mai warb Nike in einem Hochglanzvideo zum Muttertag mit Tennisspielerin Serena Williams. Nikes Botschaft: Wir unterstützen Frauen und Mütter wie Williams. Nike blieb praktisch nichts anderes übrig als einzulenken.

Künftig werde es im Unternehmen eine neue Richtlinie im Umgang mit schwangeren Athletinnen geben, hieß es. Schon Tage zuvor hatten andere Sponsoren angekündigt, künftig Spitzensportlerinnen während ihrer Schwangerschaft vor finanziellen Einbußen zu schützen.

Weniger Geld weil schwanger - US-Athletinnen protestieren
Martin Ganslmeier, ARD Washington
01.06.2019 08:58 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete WDR5 am 01. Juni 2019 um 06:48 Uhr.

Darstellung: