US-Soldaten besteigen Flugzeug in den Irak | Bildquelle: AP

Naher Osten Was die US-Armee im Irak macht

Stand: 07.01.2020 09:33 Uhr

Seit 2003 sind US-Truppen ununterbrochen im Irak - dabei wollte schon Präsident Obama den Abzug bis 2011. Laut Pentagon änderten sich aber die Aufgaben der Soldaten - von Kampftruppen zu Ausbildern.

Von Torsten Teichmann, ARD-Studio Washington

Den größten Teil ihrer Truppen hatten die Vereinigten Staaten bis zum Jahr 2011 aus Irak abgezogen. Das war ein Wahlversprechen von US-Präsident Barack Obama. Im Oktober erklärte Obama, dass bereits 100.000 Soldaten heimgekehrt sind: "Heute kann ich berichten, dass, wie versprochen, die verbliebenen Truppen bis Endes des Jahres heimkehren. Nach fast neun Jahren endet Amerikas Krieg im Irak." 

Einzelne US-Verbände blieben

Obama konnte das Versprechen nie wirklich umsetzen. Zwar sollte der Irak fortan allein für seine Sicherheit sorgen. Doch zur Unterstützung blieben einzelne Verbände der US-Armee im Land. Auch wenn in der Statistik des Zentralen Kommandos der Streitkräfte genau für diese Quartale die Zahlen über stationierte Soldaten fehlen.

Mehr noch: Im Jahr 2014 kehrte die US-Armee in den Irak auch offiziell zurück - dieses Mal auf Einladung der Regierung in Bagdad. Der "Islamische Staat" hatte große Teile im Norden und Westen des Landes erobert. Das Terrorregime IS brachte auch die zweitgrößte Stadt des Irak, Mossul unter seine Kontrolle. 

Ex-US-Präsident Obama | Bildquelle: AFP
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Barack Obama konnte sein Versprechen eines Abzuges aus dem Irak nie umsetzen.

Kein Kampfauftrag, sondern Unterstützung

Widerstrebend kündigte Präsident Obama am 20. September 2014 die Entsendung von weiteren 1300 US-Soldaten an. Damit waren fast 3100 Soldaten wieder im Irak stationiert. "Diese amerikanischen Truppen haben keinen Kampfauftrag. Wir lassen uns nicht in eine weitere Bodenoffensive im Irak ziehen. Aber sie werden gebraucht, um irakische und kurdische Kräfte zu unterstützen mit Ausbildung, Aufklärung und Material."

Eine von den USA geführte Koalition gab irakischen Kräften im Kampf gegen den sogenannten IS vor allem Unterstützung aus der Luft. Zu den Verbänden des Irak gehörten auch Milizen, die vom Iran unterstützt wurden. Innerhalb von drei Jahren, begleitet von internen Konflikten und enormen Kosten gelang es der Koalition, den IS im Irak weitgehend zu schlagen und das Gebiet zu befreien. 

Zahl der US-Soldaten im Irak unklar

Im Moment sind wohl 5200 US-Soldaten in Irak stationiert. Genaue Zahlen liegen in Washington seit Anfang 2018 nicht mehr vor. Die Truppen sollen die Rückkehr des IS verhindern und Irak helfen, sein Staatsgebiet zu verteidigen.

Zum US-Kontingent gehören neben Soldaten aber auch Tausende Pauschalkräfte, US-Bürger, Gastarbeiter und lokale Kräfte. Das Pentagon hat wichtige Aufgaben im Krieg längst ausgelagert: Vom Sicherheitsdienst über den Fuhrpark, die Versorgung mit Essen und Übersetzern bis zu Helikopterflügen.

US-Militärbasis soll bleiben

Das heißt, die eigentliche Zahl der Beschäftigten des US-Militärs im Irak liegt zusammen mit den Soldaten womöglich eher zwischen 10.000 und 15.000. Und US-Präsident Donald Trump hatte im vergangenen Februar angekündigt, immer eine Präsenz im Land behalten zu wollen:

"Wir haben ein Vermögen für diese unglaubliche Militärbasis ausgegeben, die wollen wir besser halten. Und der Grund ist, ich will von dort den Iran beobachten. Das verstehen viele nicht: Wir werden weiter beobachten, ob es Ärger gibt, ob jemand nach Atomwaffen strebt oder anderes - wir wissen es noch vor ihnen."

US-Vizepräsident Pence in Erbil, Irak | Bildquelle: AP
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US-Vizepräsident Pence besucht US-Truppen in Erbil, Irak.

Tötung Soleimanis stellt US-Einsatz infrage

Damit nahm Washington die eigene Sicherheit ernst, aber endgültig keine Rücksicht mehr auf die Befindlichkeiten in Bagdad. Die US-Soldaten waren auf Einladung der Regierung im Land, nicht als Besatzungsmacht. Für die irakische Führung ist die Beziehung zum unmittelbaren Nachbarn Iran wichtig.

Die gezielte Tötung des iranischen Kommandeurs der Al-Kuds-Brigaden, Kassem Soleimani, stellt nun den gesamten US-Einsatz infrage. Die USA machen Soleimani verantwortlich für Anschläge und den Tod Hunderter Amerikaner zum Beispiel auch im Irak. Iraks Führung sieht die Souveränität des Landes verletzt.

Die US-Truppen haben ihren Kampf gegen die verbliebenen Mitglieder des sogenannten Islamischen Staates jedenfalls ausgesetzt. US-Soldaten müssen nun eigene Einrichtungen schützen. Aus Sorge vor Vergeltungsschlägen aus dem Iran gegen Amerikaner und deren Interessen.

Warum US-Soldaten im Irak stationiert sind
Torsten Teichmann, ARD Washington
07.01.2020 10:56 Uhr

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Über dieses Thema berichtete B5 am 07. Januar 2020 um 07:02 Uhr.

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