US-Truppen nahe der syrischen Stadt Manbidsch. (Archiv) | Bildquelle: AFP

Nach Trump-Ankündigung US-Abzug aus Syrien hat begonnen

Stand: 11.01.2019 16:48 Uhr

Nicht mal einen Monat ist es her, dass Präsident Trump den Abzug der US-Truppen aus Syrien angekündigt hat - nun bereiten erste Einheiten bereits ihre Abreise vor. Allerdings könnte der gesamte Abzug noch dauern.

Die USA haben mit dem Abzug von Truppen aus Syrien begonnen. Das bestätigte ein Sprecher das US-Militär, das die von den USA geführte Koalition gegen die Terrorgruppe "Islamischer Staat" (IS) anführt. Demnach verließen bis jetzt aber keine Soldaten, sondern lediglich Ausrüstung das Land.

Laut "New York Times" würden aus Sicherheitsgründen jedoch keine Informationen über den genauen Zeitplan, Orte und Truppenbewegungen veröffentlicht. Die USA haben etwa 2000 Soldaten in Syrien stationiert, vor allem als Berater und Ausbilder der syrischen Oppositionstruppen. Details nannte das Pentagon in der Vergangenheit nicht.

Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte berichtet, rund zehn gepanzerte Fahrzeuge und weitere Lastwagen seien von der US-Basis in der ostsyrischen Provinz Al-Hasaka abgezogen worden. Der Konvoi sei auf irakisches Staatsgebiet gefahren. Al-Hasaka ist ein von Kurden kontrolliertes Gebiet im Nordosten des Landes, das an die Türkei und den Irak grenzt.

Gepanzerte Fahrzeuge der US-Armee begleiten Fahrzeuge der YPG im Norden Syriens. (Foto aus dem April 2017) | Bildquelle: REUTERS
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Im Norden des Landes kooperieren US-Einheiten eng mit der kurdischen YPG. Die türkische Regierung kritisiert diese Zusammenarbeit seit Jahren. (Foto aus dem April 2017)

Was macht die Türkei?

John Bolton, Nationaler Sicherheitsberater von US-Präsident Donald Trump, kündigte weitere Gespräche mit türkischen Regierungsvertretern an. Die USA fordern Sicherheitsgarantien für die kurdischen Verbände in Syrien, mit denen sie eng gegen den IS zusammengearbeitet haben.

Die türkische Regierung kritisiert seit Jahren die Unterstützung der USA für die kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) im Kampf gegen die IS-Miliz. Ankara sieht die syrische Kurdenmiliz als Bedrohung, da sie eng mit der türkisch-kurdischen PKK verbunden ist, die seit Jahrzehnten gegen den türkischen Staat kämpft. Ankara ist wiederholt militärisch gegen sie vorgegangen und bereitet offenbar einen neuen Angriff vor. Der Abzug der USA aus Syrien war von der türkischen Seite begrüßt worden.

Kritik an Trumps Plan

Trump hatte vor weniger als einem Monat überraschend den Abzug aller US-Soldaten angekündigt, da der Kampf gegen den IS gewonnen sei. Der US-Präsident ergänzte jüngst jedoch, dieser werde vorsichtig und in "angemessenem Tempo" vollzogen. 

Beobachter befürchten, dass ein überstürzter Abzug der Terrororganisation erlauben würde, sich erneut zu sammeln. Insbesondere Israel befürchtete zudem, dass die USA mit einem voreiligen Abzug dem Iran und Russland das Feld in Syrien überlassen würden.

US-Verteidigungsminister James Mattis trat unter anderen wegen dieser Entscheidung - aber auch wegen weiterer Differenzen mit Trump - zurück.

US-Präsident Donald Trump | Bildquelle: AP
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Trump rief mit seinem Plan Kritik bei Verbündeten und innerhalb seiner Regierung hervor.

Weitere Angriffe vom Irak aus möglich

Die US-geführte Anti-IS-Koalition unterhält mehrere Stützpunkte in Syrien. Ob die ebenfalls in Syrien eingesetzten französischen und britischen Spezialkräfte nach einem Abzug der US-Truppen im Land bleiben, ist unklar. Noch kontrolliert die IS-Miliz mehrere Dörfer an der Grenze zum Irak sowie Teile der weitläufigen Badija-Wüste. Trump hat versichert, dass die USA den Kampf von ihren Stützpunkten im Irak fortführen würden.

Am Donnerstag hatte US-Außenminister Mike Pompeo in einer Rede in Kairo mehr Verantwortung der Länder der arabischen Welt im Kampf gegen den islamistischen Extremismus gefordert. Die mit den USA verbündeten Kurden in Nordsyrien befürchten, dass nach dem US-Rückzug ein Angriff der Türkei auf die von ihnen kontrollierten Gebiete im Norden Syriens folgt. Die Türkei sieht die kurdischen Kämpfer als Terroristen an.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 11. Januar 2019 um 14:00 Uhr.

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