US-Truppen nahe der syrischen Stadt Manbidsch. (Archiv) | Bildquelle: AFP

Debatte über US-Beschluss Syrien-Abzug - aber wann?

Stand: 31.12.2018 18:26 Uhr

Trumps plötzlicher Entschluss für einen Abzug aus Syrien hat auch sein Umfeld kalt erwischt. Er tue das, was er versprochen habe, verteidigte er sich. Ein Trump-Vertrauter deutet an, dass der Abzug länger dauern könnte.

US-Präsident Donald Trump hat Kritik an seiner Entscheidung zum Truppenabzug aus Syrien erneut scharf zurückgewiesen. Er habe damit Wahlkampf gemacht, die Soldaten aus Syrien und anderen Orten abzuziehen, schrieb Trump auf Twitter. Er tue das, was er gesagt habe. "Wenn irgendjemand anderes als Donald Trump das getan hätte, was ich in Syrien getan habe, (...) wäre er ein nationaler Held", erklärte der Präsident. "Der IS ist weitgehend verschwunden, wir schicken unsere Soldaten nun langsam heim zu ihren Familien, während wir gleichzeitig Überbleibsel des IS bekämpfen."

Langsam heim? Zunächst hatte Trump einen schnellen Abzug angekündigt, von wenigen Monaten war die Rede. Die plötzliche Entscheidung für einen Rückzug der rund 2000 US-Soldaten war bei seinen nationalen Sicherheitsberatern ebenso wie bei republikanischen und demokratischen Kongressabgeordneten auf Bedenken und Kritik gestoßen. Verteidigungsminister James Mattis reichte seinen Rücktritt ein und verabschiedete sich am letzten Tag des Jahres von den Pentagon-Mitarbeitern. Zusammen mit den Verbündeten der USA sollten sie weiter gegen gemeinsame Feinde arbeiten, schrieb Mattis.

In einer "Pausensituation?

Nun gibt es Andeutungen aus Trumps Umfeld, dass der Abzug doch nicht ganz so schnell über die Bühne gehen soll. Der republikanische Senator Lindsey Graham deutete nach einem Gespräch mit Trump die Möglichkeit einer Verzögerung des Truppenabzugs an. Die Pläne würden auf "kluge Weise" verlangsamt, sagte Graham. "Der Präsident versteht die Notwendigkeit, die Arbeit zu Ende zu bringen." Er gehe davon aus, dass der Präsident mit dem Abzug der US-Truppen warte, bis die Dschihadistenmiliz "Islamischer Staat" vollständig besiegt sei. Wörtlich sagte er dazu: "Ich denke, wir befinden uns in einer Pausensituation."

Lindsey Graham | Bildquelle: dpa
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Der republikanische Senator Lindsey Graham gilt inzwischen als enger Vertrauter Donald Trumps.

Das Weiße Haus äußerte sich bislang nicht zu der Darstellung des Senators. Auch Graham hatte Trump für dessen Syrien-Haltung öffentlich kritisiert. Noch am Sonntag - unmittelbar vor dem Treffen mit Trump - hatte er beim Sender CNN erklärt, der zu schnelle Rückzug aus Syrien sei ein "riesiger Schritt rückwärts". Der Senator galt lange Zeit als innerparteilicher Kritiker des Präsidenten, ist mittlerweile aber dessen Vertrauter.

Neben Demokraten reagierten auch andere Republikaner mit Entsetzen auf den angekündigten raschen Abzug. Syrien solle nicht den Iranern überlassen werden, sagte Graham. "Das ist ein Albtraum für Israel." Er wolle den Kampf gegen den Feind in dessen Hinterhof führen, nicht im amerikanischen. "Deshalb brauchen wir noch eine Weile lang eine vorwärts gerichtete Kraft im Irak, in Syrien und Afghanistan."

Kurden nicht im Stich lassen

Auch amerikanische Verbündete zeigten sich schockiert über Trumps Abzugspläne, allen voran die syrischen Kurden, die an der Seite der USA gegen den IS gekämpft haben - und nun eine gegen sie gerichtete Offensive der Türkei befürchten. Dazu sagte Graham, Trump sei sich des Schicksals der Kurden sehr wohl bewusst.

Kritiker argumentieren auch, dass ein US-Truppenabzug den Iran und Russland stärke, die die Regierung des syrischen Präsidenten Baschar al Assad unterstützen. Der nationale Sicherheitsberater im Weißen Haus, John Bolton, soll am kommenden Wochenende nach Israel und die Türkei reisen, um die Abzugspläne zu erörtern.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 31. Dezember 2018 um 15:30 Uhr.

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