US-Soldaten in Afghanistan umstehen ein Militärfahrzeug, das bei einem Selbstmordanschlag der Taliban explodiert ist (Archivbild). | Bildquelle: AFP

Afghanistan und Irak Trump drückt bei Truppenabzug aufs Tempo

Stand: 17.11.2020 09:26 Uhr

Bereits 2016 versprach US-Präsident Trump, Soldaten aus Kriegsgebieten zurückzuholen. Medienberichten zufolge will er das Versprechen zum Ende seiner Präsidentschaft zumindest teilweise einlösen. Führende Republikaner warnen.

US-Präsident Donald Trump will in den letzten Monaten seiner Amtszeit den von ihm immer wieder versprochenen Abzug von Soldaten aus Afghanistan und dem Irak vorantreiben. Kommandeure bereiteten sich auf einen Befehl vor, die Zahl der Soldaten in Afghanistan bis zum 15. Januar von derzeit rund 4500 auf etwa 2500 zu reduzieren, berichteten verschiedene US-Medien übereinstimmend.

Das US-Militär sei am Wochenende über die Pläne unterrichtet worden, hieß es. Derzeit befinden sich noch etwa 4500 bis 5000 Soldaten in Afghanistan und mehr als 3000 im Irak. Die "New York Times" berichtete unter Berufung auf einen Entwurf der Anordnung, dass zusätzlich fast alle der mehr als 700 in Somalia stationierten Soldaten das Land verlassen sollten.

Viele Posten neu besetzt - mit Gegnern von Auslandseinsätzen

Trump drängt schon seit langer Zeit auf einen Truppenabzug aus Afghanistan. Bereits im Wahlkampf 2016 hatte der Republikaner versprochen, US-Truppen zurückzuholen. Knapp vier Wochen vor der diesjährigen Wahl hatte er überraschend auf Twitter angekündigt, dass die in Afghanistan verbleibenden Soldaten bis Weihnachten zurück in den USA sein sollten.

Zuletzt entließ Trump seinen Verteidigungsminister Mark Esper, der darauf beharrt hatte, vorläufig 4500 US-Soldaten im Land zu lassen. Auch andere Führungsposten wurden mit Leuten besetzt, die seinen Frust über die anhaltende Präsenz von US-Soldaten in Kriegsgebieten teilen. Der kommissarische Pentagon-Chef Christopher Miller deutete dann am Wochenende einen beschleunigten Truppenabzug an: "Es ist jetzt Zeit, nach Hause zu kommen."

Friedensgespräche mit Taliban stocken

Der Krieg in Afghanistan ist der längste in der Geschichte der USA. Seit 2001 sind amerikanische Soldaten in dem Land. Nach den Anschlägen vom 11. September jenes Jahres waren von den USA angeführte Truppen dort einmarschiert. Seit fast zwei Jahrzehnten kämpfen Islamisten in Afghanistan für den Abzug der internationalen Truppen.

Die USA hatten mit den militant-islamistischen Taliban Ende Februar ein Abkommen unterzeichnet, das den schrittweisen Rückzug aller US- und NATO-Streitkräfte bis Ende 2021 in Aussicht stellt. Im Gegenzug verpflichteten sich die Taliban unter anderem zu Friedensgesprächen mit Afghanistans Regierung, die im September aufgenommen wurden. Der Prozess war zuletzt jedoch ins Stocken geraten.

Kritik aus den eigenen Reihen

Führende Republikaner im US-Kongress warnten deshalb vor einem voreiligen Rückzug aus dem Land. "Es gibt keinen Amerikaner, der sich nicht wünscht, dass der Krieg in Afghanistan gegen Terroristen und ihre Helfer bereits endgültig gewonnen wäre", erklärte der Mehrheitsführer im US-Senat, Mitch McConnell. "Aber das ändert nichts an der eigentlichen Entscheidung, die vor uns liegt." Ein rascher Abzug der US-Streitkräfte "würde unseren Verbündeten schaden und den Menschen gefallen, die uns Unheil wünschen."

McConnell sagte, die Trump-Regierung habe bei der Terrorismusbekämpfung enorme Fortschritte gemacht, warnte jedoch, dass ein möglicherweise "beschämender" Abzug aus Afghanistan schlimmer wäre als der weitgehende Abzug von Soldaten aus dem Irak 2011 unter Barack Obama und an den Abzug aus Saigon 1975 erinnern könne. Die USA würden damit Verbündete "aufgeben" und Islamisten einen "großen Propaganda-Sieg" bescheren.

Der republikanische Abgeordnete Michael McCaul warnte, ein "übereilter US-Abzug" würde nicht nur die Verhandlungsposition der afghanischen Regierung schwächen, sondern auch den Anti-Terror-Interessen der USA schaden. Es müssten deswegen auch in "absehbarer Zukunft" US-Soldaten in Afghanistan bleiben. US-Senator Marco Rubio mahnte, jeglicher Plan zur Reduzierung der US-Truppenstärke in Afghanistan müsse sicherstellen, dass militärische Ausrüstung nicht in die Hände der Taliban oder Al-Kaida gelange. Zudem müssten die USA weiterhin in der Lage sein, gegen Anführer des Terrornetzwerks Al-Kaida vorzugehen.

Trump will "Amerikas ewige Kriege beenden"
Torsten Teichmann, ARD Washington
17.11.2020 09:50 Uhr

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Über dieses Thema berichtete B5 aktuell am 17. November 2020 um 10:37 Uhr.

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