Kirill Serebrennikow | Bildquelle: dpa

Umstrittenes Gerichtsverfahren Russischer Regisseur Serebrennikow verurteilt

Stand: 26.06.2020 12:52 Uhr

Er soll Fördergelder unterschlagen haben: Der regierungskritische Regisseur Serebrennikow ist in Moskau schuldig gesprochen worden. Unterstützer versammelten sich vor dem Gericht - auch in Berlin wurde protestiert.

Ein russisches Gericht hat den bekannten Regisseur Kirill Serebrennikow in einem umstrittenen Verfahren schuldig gesprochen. Das Strafmaß war zunächst unklar. Die Staatsanwaltschaft hatte sechs Jahre Haft beantragt.

Der 50-Jährige wurde wegen Veruntreuung von Fördergeldern verurteilt, wie das Bezirksgericht der Agentur Interfax zufolge in Moskau entschied. Der Theatermacher soll laut Anklage umgerechnet 1,6 Millionen Euro unterschlagen haben. Mit Serebrennikow standen auch seine Kollegen Sofja Apfelbaum und Alexej Malobrodski sowie Juri Itin vor Gericht. Die Ermittlungen gegen das Team liefen seit Sommer 2017.

Zahlreiche Solidaritätsbekundungen

Das Verfahren gegen den auch in Deutschland bekannten Künstler gilt als Schauprozess gegen die liberale Kunstszene in Russland. Zahlreiche russische Künstler veröffentlichten im Vorfeld der Urteilsverkündung Videos, in denen sie ein ungerechtes Justizsystem beklagten. Insgesamt etwa 400 Unterstützer, darunter Schauspieler, Sänger und Kulturschaffende, erschienen vor dem Gerichtsgebäude in Moskau. Auch der prominente Rapper Oxxxymiron (Oksimiron) hatte seine zwei Millionen Follower bei Instagram aufgerufen, zum Gerichtsgebäude zu kommen.

Russischer Regisseur Serebrennikow verurteilt
tagesschau 17:00 Uhr, 26.06.2020, Jo Angerer, ARD Moskau

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Russland erlebe gerade die "Wiedergeburt einer stalinistischen Repressionsmaschine", sagte die prominente Kulturexpertin Irina Prochorowa im Radiosender Echo Moskwy. Der Philosoph Leonid Gosman sprach von einem "echten Hass" des Machtapparats gegen Serebrennikow. "Das ist ein Regime, das gegen alles Lebendige, gegen alles Talentierte ist", sagte er in einer Videoschalte der Internetplattform des Radiosenders.

Protest in Berlin

Auch in Deutschland zeigten sich viele unter dem Schlagwort #freekirill im Internet solidarisch. In Berlin fand eine Protestaktion statt, zu der auch der Schauspieler Lars Eidinger aufgerufen hatte. Vor der russischen Botschaft versammelten sich laut der Dramaturgin Birgit Lenners etwa 120 Unterstützer Serebrennikows und forderten seine Freilassung. Wie Lengers schilderte, wurde vergeblich versucht, dem Botschafter eine Unterstützerliste mit 56.000 Unterschriften zu überreichen.

Die Schaubühne Berlin sagte zuvor, man sei "fassungslos und empört", dass Serebrennikow mehrere Jahre in einem Gefängnis verbringen solle.

Kirill Serebrennikow | Bildquelle: dpa
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Kirill Serebrennikow gilt als wichtiger Regisseur der liberalen Kunstszene Russlands.

Der Starregisseur übt in seinen Filmen und Theateraufführungen immer wieder auch Gesellschaftskritik. Serebrennikow hatte in seinem Schlusswort vor Gericht am Montag seine Unschuld beteuert und hervorgehoben, dass in dem Verfahren keine Beweise vorgelegt worden seien.

Im vergangenen Jahr kam Serebrennikow nach mehr als anderthalb Jahren im Hausarrest mit Einschränkungen auf freien Fuß. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel sowie internationale Stars hatten sich für ihn eingesetzt.

Inszenierungen an Häusern in Deutschland

Serebrennikow leitete bis Mitte vergangenen Jahres das populäre Theater Gogol-Zentrum in Moskau und wird dort weiterhin als künstlerischer Leiter geführt. Er inszenierte auch in Berlin, Stuttgart und Hamburg - oft in Abwesenheit, weil er im Hausarrest saß und auch nach seiner Freilassung nicht reisen durfte.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk in den Nachrichten am 26. Juni 2020 um 12:00 Uhr.

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