Ein Bildschirm, auf dem die Übertragung einer Gerichtssitzung im Prozess gegen Alexej Nawalny läuft.  | dpa

Kremlgegner Nawalny erneut schuldig gesprochen

Stand: 22.03.2022 15:43 Uhr

Ein Moskauer Gericht hat den Kremlgegner Nawalny in einem weiteren Prozess schuldig gesprochen. Der 45-Jährige wurde unter anderem wegen Betrugs zu weiteren neun Jahren Haft verurteilt. Nawalny sitzt bereits in einem Straflager ein.

Der inhaftierte Kreml-Kritiker Alexej Nawalny ist in einem neuen Strafverfahren der Veruntreuung schuldig gesprochen worden. Der 45-Jährige wurde wegen Betrugs in besonders großem Umfang und Missachtung des Gerichts zu neun weiteren Jahren Haft verurteilt. Laut der Nachrichtenagentur dpa ordnete das Gericht besonders harte Haftbedingungen an. Zudem soll der bekannteste Kritiker von Präsident Wladimir Putin eine Geldstrafe von umgerechnet 10.400 Euro zahlen.

Nawalny habe sich auf dem "Weg der Täuschung und des Missbrauchs von Vertrauen das Vermögen von Fremden" erschlichen, so die Richterin Margarita Kotowa. Unklar war zunächst, ob die neun Jahre noch zu der zweieinhalbjährigen Haftstrafe hinzukommen, die Nawalny bereits verbüßt.

Mehrjährige Haftstrafe in einem Straflager

Die Staatsanwaltschaft hatte 13 Jahre Haft beantragt. Nawalnys Anwälte forderten Freispruch. Verantworten musste sich der zweifache Familienvater diesmal wegen angeblicher Veruntreuung von Geldern für seine inzwischen in Russland verbotene Anti-Korruptionsstiftung und wegen Beleidigung einer Richterin in einem früheren Verfahren.

Nawalny hatte zuletzt auch wiederholt zu Protesten gegen den russischen Einmarsch in der Ukraine aufgerufen. Er verbüßt eine mehrjährige Haftstrafe in einem Straflager in Pokrow rund 100 Kilometer östlich von Moskau. Dort wurde auch der Prozess abgehalten.

Anwälte kurzzeitig abgeführt

Nach Ende der Gerichtsverhandlung hatte die Polizei zwei Anwälte Nawalnys festgenommen. Die Hintergründe blieben unklar. Auch die Zeitung "Nowaja Gazeta" schrieb, eine Anwältin Nawalnys sei abgeführt worden.

Später twitterte einer der abgeführten Anwälte, Wadim Kobsew, dass er und seine Kollegin Olga Michailowa wieder freigelassen worden seien.

Über dieses Thema berichtete BR24 im Hörfunk am 22. März 2022 um 09:33 Uhr.