Ein Mann geht durch Trümmer von Yachten und Booten, die nach schweren Unwettern in Italien an Land gespült wurden. | Bildquelle: dpa

Unwetter in Italien "Apokalyptische Szenen"

Stand: 04.11.2018 18:43 Uhr

Viele Tote, verwüstete Dörfer, vernichtete Wälder, blockierte Zugstrecken: Die Unwetter in Italien haben das Land lahmgelegt. Die Folgen könnten noch über Jahre hinaus spürbar sein.

Von Lisa Weiß, ARD-Studio Rom

Zwei Familien aus Palermo treffen sich in einem Landhaus nahe der Stadt. Sie wollen einen Geburtstag feiern, das Wochenende gemeinsam verbringen. Doch was als schöner Ausflug beginnt, endet in einer Tragödie: Der kleine Bach neben dem Haus tritt von einem Moment auf den anderen über die Ufer. Wassermassen treffen das Haus. Neun Menschen ertrinken, darunter zwei kleine Kinder und ein Jugendlicher.

Ein Mann kann sich auf einen Baum retten, er überlebt - genau, wie weitere Familienangehörige, die gerade Süßigkeiten kaufen sind. Zwei Familien, die so gut wie ausgelöscht werden - nicht nur die Angehörigen, auch andere Menschen in Casteldaccia, dem Ort nahe Palermo, sind schockiert.

Unwetter auf Sizilien kosten zwölf Menschen das Leben
tagesschau 20:00 Uhr, 04.11.2018, Tobias Fleischmann, BR

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Der Bach sei noch nie zuvor so stark über die Ufer getreten, sagt der Bürgermeister von Casteldaccia, Giovanni di Giacinto. "Wir glauben, dass das nicht so sehr der Regen hier verursacht hat. Hier hat es gar nicht so viel geregnet", sagt er. "Wahrscheinlich hat sich das Wasser der vergangenen Tage irgendwo gesammelt und ist auf einmal heruntergeflossen, wie bei einem Platzregen. Vielleicht wurde es weiter oben am Fluss aufgehalten, ist durchgebrochen und alles kam zusammen herunter."

Mangelnder Schutz durch illegales Bauen?

Noch wird ermittelt, wie es zu dem Unglück kommen konnte. Der zuständige Staatsanwalt, Amborgio Cartosio, will noch nicht von Straftaten sprechen. Er geht aber offenbar davon aus, dass das überflutete Haus illegal erbaut worden sein könnte. "Wir versuchen herauszufinden, ob jemand die Verantwortung dafür trägt", sagt er. Zudem versuchten sie, zu verstehen, wie das Haus gebaut werden konnte. Es sei ein wenig verdächtig, weil es so nah an einem Flusslauf stand.

Nicht  nur diese neun Menschen sind bei den schweren Unwettern auf Sizilien gestorben. Ein Tankstellenbetreiber ertrank in der Nähe von Palermo, zwei weitere Menschen in der Nähe von Agrigent. Sie waren im Auto, als sie von den Wassermassen eines über die Ufer tretenden Flusses überrascht wurden.

Überflutetes Haus bei Palermo | Bildquelle: AFP
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Der kleine Fluss Milicia schwoll in Casteldaccia schnell an - neun Menschen konnten sich nicht mehr retten.

30 Tote durch Unwetter

Noch immer sind die Straßen überschwemmt. Zugstrecken sind blockiert. Italiens Ministerpräsident Giuseppe Conte reiste nach Sizilien, um sich ein Bild von der Lage vor Ort zu machen - und um den Angehörigen der Opfer von Casteldaccia sein Beileid auszusprechen. "Eine enorme Tragödie, in seinem eigenen Haus zu sein und von einem Moment auf den anderen von den Wassermassen eines Flusses überrollt zu werden", sagte er.

Aber nicht nur Sizilien hat unter schweren Unwettern gelitten. Allein in der vergangenen Woche starben rund 30 Menschen in ganz Italien, weil sie von umstürzenden Bäumen oder von einem Blitz getroffen wurden, oder weil sie von einem Erdrutsch begraben wurden. Oder auch, weil sie auf die Idee kamen, während eines Sturms mit mehr als 100 Kilometern pro Stunde Windgeschwindigkeit Kite-Surfen zu gehen.

Menschen stehen im Wasser auf dem überschwemmten Markusplatz in Venedig. | Bildquelle: REUTERS
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Der Markusplatz stand 1,56 Meter tief unter Wasser.

Tausende ohne Strom in Norditalien

Noch immer sind in Norditalien Tausende Menschen ohne Strom. Ganze Dörfer sind verwüstet, Wälder vernichtet. Der italienische Zivilschutz sprach von apokalyptischen Szenen in der Provinz Belluno in Venetien - dorthin reiste Innenminister Matteo Salvini.

Wenigstens 200 bis 250 Millionen Euro Soforthilfe für alle Zonen Italiens, die in diesen Tagen von Naturkatastrophen getroffen wurden, versprach er für den Wiederaufbau. "Also von Venetien bis nach Sizilien, von Latium bis nach Ligurien. Diese Mittel werden schon bereitgestellt. Und dann werden wir in dieser Woche eine Ministerratssitzung machen, um weitere Maßnahmen zu beschließen."

Auch Ministerpräsident Conte kündigte an, in die Infrastruktur in Italien zu investieren und Flussbetten ausbaggern zu lassen. Denn die nächsten Unwetter kommen bestimmt.

Unwetter auf Sizilien: Familientragödie bei Überschwemmung
Lisa Weiß, ARD Rom
04.11.2018 17:57 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 04. November 2018 um 12:00 Uhr und 20:00 Uhr.

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