Der Labour-Abgeordnete Lindsay Hoyle | Bildquelle: AFP

Britisches Parlament Unterhaus hat neuen "Schiedsrichter"

Stand: 04.11.2019 21:34 Uhr

Das britische Unterhaus hat einen neuen Präsidenten. Künftig wird der Labour-Abgeordnete Hoyle die Sitzungen im Parlament leiten. Er tritt die Nachfolge des wegen seiner markanten "Order"-Rufe bekannt gewordenen Bercow an.

Die Abgeordneten des britischen Unterhauses haben Lindsay Hoyle zum neuen Präsidenten des Parlaments gewählt. Der 62-jährige Labour-Abgeordnete wird damit Nachfolger von John Bercow. Dieser war vor allem wegen seiner prägnanten "Order"-Rufe während der Brexit-Debatten bekannt geworden.

Bercow hatte den Posten des Parlamentspräsidenten zehn Jahre lang inne. Hoyle war seit 2010 dessen Stellvertreter. Von ihm werden ruhigere Töne erwartet. Vor seiner Wahl hatte Hoyle in einem Interview mit der "Sunday Times" gesagt, er sehe die Aufgabe des Amtes vor allem in der Rolle eines "Schiedsrichters". Die Menschen wollten sich "nicht an den Schiedsrichter, sondern an das Spiel erinnern".

Der Parlamentspräsident, der offiziell als "Speaker" bezeichnet wird, hat eine zentrale Rolle im Unterhaus inne. Er erteilt und entzieht Abgeordneten das Wort, entscheidet über die Zulässigkeit von Anträgen und vertritt die Kammer unter anderem gegenüber der Königin und dem Oberhaus.

Bereits in erster Runde vorne

Das Auswahlverfahren ging über vier Wahlrunden. Ein Sieg Hoyles hatte sich schon früh abgezeichnet. In der ersten Runde hatte er bereits mit 211 die meisten Stimmen bekommen.

Nachdem in drei Runden keiner der Kandidaten mehr als die Hälfte der abgegebenen Stimmen erhalten hatte, standen sich in der vierten und letzten Runde die beiden Labour-Abgeordneten Hoyle und Chris Bryant gegenüber. Hoyle bekam 325 Stimmen, Bryant nur 213. Insgesamt hatten sich sieben Abgeordnete um den Posten beworben.

Der Abgeordnete Chris Bryant hatte sich um den Posten des Unterhauspräsidenten beworben. | Bildquelle: REUTERS
galerie

Der Abgeordnete Chris Bryant unterlag Hoyle in der vierten Runde.

Bercow als Präsident umstritten

Bercow hatte seinen Rücktritt im September angekündigt. Damit war er einem Bruch parlamentarischer Konventionen zuvorgekommen. Seine Partei, die konservativen Tories, hatte angekündigt, in Bercows Wahlkreis einen Gegenkandidaten bei den kommenden Wahlen aufzustellen. Es gilt eigentlich als üblich, dass aus Respekt vor dem Amt des Speakers niemand sonst in dessen Wahlkreis kandidiert.

Im Streit über den geplanten EU-Austritt des Landes hatten vor allem Brexit-Hardliner den Politiker als parteiisch kritisiert. Mehrmals setzte sich der 56-Jährige über Konventionen hinweg, damit sich die Abgeordneten durchsetzen konnten. Bercow rechtfertigte das mit einem immer autoritärer werdenden Regierungsstil. Viele Parlamentarier lobten, er habe die Rechte des Unterhauses gegenüber der Regierung gestärkt.

Lindsay Hoyle ist neuer Präsident des britischen Unterhauses
Christoph Heinzle, ARD London
04.11.2019 23:40 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 05. November 2019 um 04:42 Uhr.

Darstellung: