Menschen in Ost-Ghouta | Bildquelle: AFP

Ost-Ghouta Sicherheitsrat debattiert "die Hölle auf Erden"

Stand: 22.02.2018 04:39 Uhr

Nach Tagen voller Bombenangriffe nimmt sich der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen der Situation in der syrischen Enklave Ost-Ghouta an. Ist eine Lösung für die belagerte Bevölkerung in Sicht?

Von Georg Schwarte, ARD-Studio New York

Da saßen sie, im Sicherheitsrat, jenem so mächtig ohnmächtigen UN-Gremium. Eigentlich wollten sie über die Bedeutung der UN-Charta sprechen. Deren Präambel den Auftrag formuliert, die Menschheit von der Geißel des Krieges zu befreien. Aber weil sie gerade stirbt, die Menschheit in Ost-Ghouta, in Syrien, weil seit vier Tagen Bombenangriff nach Bombenangriff rollt, mochte UN-Generalsekretär Guterres nicht länger schweigen.

"400.000 Menschen dort leben in einer Hölle auf Erden", sagt Guterres. Er hatte sein Manuskript zur Seite gelegt, wendete sich an die 15 Mitglieder im seit Jahren in Sachen Syrien blockierten Sicherheitsrat.

Feuerpause? Nicht realistisch.

Und er wendete sich auch an den russischen UN-Botschafter. Russland hatte seine Vetomacht wieder und wieder genutzt, um den Sicherheitsrat im syrischen Bürgerkrieg handlungsunfähig zu machen. Jetzt aber will Guterres nicht länger zusehen. Die UN hatten zuletzt eine sofortige dreißigtägige Feuerpause verlangt.

Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen in New York | Bildquelle: AFP
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Möglicherweise entschließt sich der UN-Sicherheitsrat schon heute zu einer Resolution.

Bisher ohne Erfolg. "Das ist nicht realistisch, wir würden einen Waffenstillstand ein Ende des Krieges begrüßen, aber die Terroristen folgen nicht den amerikanischen Plänen", so der russische UN-Botschafter Nebensia.

Jetzt aber immer neue Gräuelmeldungen aus Ost-Ghouta, jener letzten Rebellenbastion in den Vororten von Damaskus, wo 400.00 Menschen eingekesselt sind, belagert. Seit Monaten. 

"Ost-Ghouta kann nicht länger warten"

Hunderte Tote. Zivilisten, Kinder. Bombardierte Krankenhäuser. Unbestätigten Meldungen zufolge Fassbomben der syrischen Armee. UNICEF hatte zuletzt beinahe aufgegeben, verschickte eine weitgehend leere Pressemitteilung. Überschrift: "Keine Worte werden den getöteten Kindern, ihren Müttern, Vätern und Angehörigen Gerechtigkeit widerfahren lassen."

Guterres platzte jetzt der Kragen im Sicherheitsrat: "Ich bin zutiefst traurig über das schreckliche Leiden der Bevölkerung in Ost-Ghuta."

Die UN-Helfer, sie können nicht helfen. Keine Konvois kommen in Region, die Russland, Iran und die Türkei einst, im Vorjahr als Schutzzone einrichteten. Guterres sagt, er verstehe, dass der Sicherheitsrat noch beraten müsse, aber er sagt auch: "Ost-Ghouta könne nicht mehr länger warten. Einst starben in Aleppo tausende bei der Belagerung bis Ende Dezember 2016. Jetzt fürchten sie hier in New York, dass sich Aleppo in Ost-Ghouta wiederholt. Es ist eine menschliche Tragödie, die vor unseren Augen stattfindet und wir dürfen das nicht geschehen lassen."

Schon heute neue Resolution?

Der Appell von Guterres zeigte erste Wirkung. Russland will noch heute eine Sondersitzung des Sicherheitsrates. Will über die Lage in Ost-Ghouta beraten, damit, sagt der russische Botschafter, jeder seine Sichtweise darlegen könne. Seine Sichtweise? Guterres hat seine Sichtweise klargemacht: "Ich bitte alle Beteiligten, stellen sie alle Militärischen Aktivitäten in Ost-Ghouta sofort ein, um Hilfe zu den Bedürftigen zu bringen."

Schweden und Kuwait haben einen Resolutionstext vorbereitet. Tenor. Sofortige Feuerpause in Syrien. Aufhebung aller Belagerungen. Schutz aller Krankenhäuser. Abstimmung darüber vielleicht schon heute. Ausgang? Offen. Die Welt und die UN-Helfer werden im Sicherheitsrat auf Russland schauen. Wieder einmal.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 22. Februar 2018 u.a. um 05:30 Uhr und 07:30 Uhr.

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