Eingang zur Harvard-Universität (Archivbild August 2019) | AP

Ausweisung von Studenten US-Unis klagen gegen Trump-Verordnungen

Stand: 08.07.2020 19:30 Uhr

Ungeachtet neuer Rekord-Infektionszahlen drängt US-Präsident Trump auf die Rückkehr zur Normalität im Bildungswesen. Gegnern droht er mit Konsequenzen. Zwei Elite-Hochschulen beugen sich nicht.

In den USA hat die Zahl der bestätigten Coronavirus-Infektionen inzwischen die symbolische Schwelle von drei Millionen überschritten. Es ist die mit großem Abstand höchste Zahl weltweit. Nach Angaben der Johns-Hopkins-Universität wurden am Dienstag mehr als 60.000 Neuinfektionen an einem einzigen Tag verzeichnet.

Dennoch dringt US-Präsident Donald Trump auf eine Öffnung der Schulen nach den Sommerferien. "Wir werden Druck auf die Gouverneure der Bundesstaaten und alle anderen ausüben, die Schulen zu öffnen", sagte er bei einem Runden Tisch zu dem Thema im Weißen Haus.

Gouverneure wehren sich gegen Anweisungen

Der Republikaner warnte davor, Schulen aus politischen Erwägungen geschlossen zu halten. Er spielte damit auf demokratische Gouverneure von Bundesstaaten an, die sich in großer Zahl gegen Trumps Druck für eine schnelle Rückkehr zur Normalität wehren.

Trump schrieb auf Twitter: "Die Demokraten denken, es wäre für sie politisch schlecht, wenn die US-Schulen vor der Wahl im November öffnen, aber es ist wichtig für die Kinder und Familien." Er drohte Bundesstaaten mit einem Entzug von Bundesmitteln, wenn sie Schulen nicht wieder öffnen. Ins Detail ging er jedoch nicht.

"Trump-Regierung will Druck auf Universitäten ausüben"

Offensichtlich richten sich seine Drohungen nicht nur gegen Schulen. Zuvor hatte die US-Einwanderungsbehörde ICE mitgeteilt, ausländische Studierende an US-Universitäten, die im Wintersemester wegen des Coronavirus ausschließlich Online-Kurse anbieten, müssten das Land verlassen oder an Hochschulen mit persönlichen Vorlesungen wechseln.

Der Präsident der US-Eliteuniversität Harvard, Lawrence Bacow, kritisierte, die Regelung erwecke den Eindruck, als wolle die Trump-Regierung Druck auf Universitäten ausüben, die Lehrsäle ohne Rücksicht auf Gesundheitsbedenken wieder zu öffnen.

Harvard und das Massachusetts Institute of Technology in Cambridge teilten mit, dass sie juristisch gegen die Regelung der Trump-Regierung vorgehen wollten, die zur Ausweisung ausländischer Studenten führen könnte. Die beiden Hochschulen hätten beim Bundesgericht in Boston den Erlass einer einstweiligen Verfügung beantragt.

Juristische Schritte gegen Regelungen

Wegen des Coronavirus will Harvard im Wintersemester alle Vorlesungen online abhalten. Trump übte daran scharfe Kritik. "Ich denke, dass sie es sich leicht machen, und ich denke, sie sollten sich schämen", sagte Trump. Er dringt auf eine Rückkehr zur Normalität in den USA, obwohl die Coronavirus-Fallzahlen dort weiterhin dramatisch ansteigen.

Bis November könnten nach einem Modell des Instituts IHME der Universität Washington in Seattle in den USA insgesamt rund 208.000 Menschen nach einer Infektion mit dem Coronavirus sterben.

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 08. Juli 2020 um 22:15 Uhr.