Drei Jungen stehen nebeneinander | Bildquelle: imago/Westend61

UNICEF-Zahlen Auch Millionen Jungen in Kinderehen

Stand: 07.06.2019 08:10 Uhr

Nicht nur Mädchen sind betroffen: Nach Zahlen von UNICEF wurden auch etwa 115 Millionen Jungen bereits vor ihrem 18. Lebensjahr verheiratet. Frühehen werden häufig in Afrika, Lateinamerika und der Karibik geschlossen.

Etwa 115 Millionen Jungen weltweit sind nach einer UNICEF-Schätzung vor ihrem 18. Geburtstag verheiratet worden. Jeder Fünfte von ihnen sei bei seiner Hochzeit noch nicht einmal 15 Jahre alt gewesen, teilte das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen mit.

Laut UNICEF sind Mädchen aber nach wie vor überproportional von Kinderehen betroffen: Weltweit seien es rund 650 Millionen Mädchen, die vor ihrem 18. Lebensjahr verheiratet wurden. Damit ging jede fünfte junge Frau als Kind eine Ehe ein, im Vergleich zu einem von 30 jungen Männern.

Gut 750 Millionen Minderjährige verheiratet

Zusammengerechnet bedeute das, dass es weltweit etwa 765 Millionen Kinder-Bräute und -Bräutigame gebe, die als Minderjährige verheiratet wurden. Die Schätzungen beziehen sich auf die derzeitige Weltbevölkerung - unabhängig davon, in welchem Jahr die Jungen und Mädchen verheiratet wurden.

"Ehe stiehlt die Kindheit", erklärte UNICEF-Exekutivdirektorin Henrietta Fore. Jugendliche Bräutigame seien gezwungen, die Rolle eines Erwachsenen zu übernehmen, wofür sie möglicherweise noch nicht bereit seien. "Eine frühe Ehe führt zu früher Vaterschaft und dadurch zu noch größerem Druck, für die Familie zu sorgen. Darunter leiden die Bildungs- und Jobmöglichkeiten."

Vor allem Kinder aus armen Familien betroffen

Die UNICEF-Zahlen basieren auf einer Analyse von verfügbaren Daten aus 82 Ländern. Kinderehen bei Jungen kommen demnach vor allem in einer Reihe afrikanischer Länder südlich der Sahara, Lateinamerika und Karibik, in Südasien sowie Ost-Asien und der Pazifik-Region vor. Minderjährige Jungen würden am häufigsten in der Zentralafrikanischen Republik verheiratet (28 Prozent), gefolgt von Nicaragua mit 19 Prozent und Madagaskar mit 13 Prozent. Das Phänomen betrifft am häufigsten Kinder aus ärmeren Familien in ländlichen Gebieten.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 07. Juni 2019 um 03:00 Uhr in den Nachrichten.

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