Unicef legt Bericht vor Sterben am Tag der Geburt

Stand: 16.09.2014 15:45 Uhr

Eine "stille Tragödie" nennt es Unicef: Eine Million Kinder jährlich sterben bereits am Tag ihrer Geburt. 6,3 Millionen Kinder kommen vor ihrem fünften Geburtstag ums Leben. Im Vergleich zu 1990 hat sich die Lage jedoch verbessert.

Von Kai Clement, ARD-Hörfunkstudio New York

Ein Kind im Südsudan bekommt Medizin
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Viele Kinder weltweit sind von medizinischer Versorung abgeschnitten.

Tag für Tag sterben weltweit rund 17.000 Kinder. Und eine Million Kinder jährlich sterben bereits am Tag ihrer Geburt. Diese Zahlen legte nun Mickey Chopra vor, Gesundheitschef des Kinderhilfswerks Unicef. Erschreckende Zahlen. Mehr als 17.000 Kinder täglich, das sind im Jahr 6,3 Millionen Kinder, die vor ihrem fünften Geburtstag sterben. Das entspricht in etwa der gesamten Einwohnerschaft von Berlin, Hamburg und Essen zusammen.

Kindersterblichkeit seit 1990 halbiert

Doch die Zahlen entwickelten sich positiv, so Chopra. "Die gute Nachricht ist, dass wir es geschafft haben, die Kindersterblichkeit seit 1990 zu halbieren. Damals waren es 12,7 Millionen, heute sind es 6,3 Millionen jährlich. Das ist eine bemerkenswerte Leistung in relativ kurzer Zeit", sagt er. Zudem näherten sich die Überlebenschancen der ärmsten Kinder weltweit denen aus reicheren Familien allmählich an, auch wenn vier von fünf Todesfälle im südlichen Afrika oder in Südasien registriert würden.

Grafik zur Kindersterblichkeit
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Im Jahr 1990 starben noch 12,7 Millionen Kinder unter fünf Jahren. 2013 waren es noch 6,3 Millionen.

Ein Drittel aller Kinder werden ohne medizinische Hilfe geboren

Laut der Unicef-Studie haben jedoch weiterhin zu viele Mütter und ihre Babys keine Chance auf Behandlung. Die meisten Kinder sterben an Durchfall, Lungenentzündung oder Malaria. Krankheiten, denen man vorbeugen oder die man behandeln könnte. Zudem bringe ein Drittel aller Schwangeren ihr Kind ohne jede medizinische Unterstützung zur Welt - ohne Arzt, ohne Krankenschwester, ohne Hebamme.

"In zu vielen Ländern geht das Geld für Gesundheitsausgaben zu bis zu 80 Prozent in die großen Krankenhäuser der Hauptstädte anstatt in die Grundversorgung. Die Mittel kommen also oft reicheren Menschen in den Städten zugute - und die Kinder der Armen sterben", so Chopra.

"Wir werden es nicht schaffen"

Der Unicef-Bericht bewertet auch die Chancen, die Sterblichkeit von unter fünfjährigen Kindern so drastisch zu reduzieren, dass die so genannten Milleniumsziele der Vereinten Nationen erreicht werden. Ziel war es eigentlich, die Kindersterblichkeit in den 25 Jahren von 1990 bis zum kommenden Jahr um Zwei Drittel zu senken. Erreicht wurde bislang eine Verringerung um 50 Prozent. "Wir werden es nicht schaffen", sagt Chopra. Wenn die jetzige Entwicklung anhalte, werde das Ziel 2026 erreicht, elf Jahre später als angestrebt. Der jetzt vorgelegte Unicef-Bericht solle auf diese stille Tragödie aufmerksam machen.

Die Krise in Syrien und im Irak hat diese Länder in Sachen Kindersterblichkeit zurückgeworfen. Der Ebola-Ausbruch ist in den jetzt veröffentlichten Statistiken noch gar nicht erfasst. Chopra sorgt sich zudem, dass die Epidemie das Leben von Kleinkindern nicht nur direkt, sondern auch indirekt bedroht: "Ebola hat bislang schon Tausende Todesopfer gefordert. Doch hinzu kommt, dass das Gesundheitssystem in zwei der betroffenen Länder inzwischen praktisch gar nicht mehr funktioniert."

Grafik zur weltweiten Kindersterblichkeit
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Im Jahr 2013 starben weltweit 20 von 1000 Kindern im ersten Lebensmonat.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 16. September 2014 um 20:00 Uhr.

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