Zwei Flüchtlingskinder im jordanischen Flüchtlingslager Al-Asrak | Bildquelle: dpa

Bericht des UNHCR So viele Flüchtlinge wie noch nie

Stand: 19.06.2018 07:15 Uhr

Trauriger Höchststand im UNHCR-Bericht: So viele Menschen wie nie zuvor waren 2017 auf der Flucht. Die meisten suchen Zuflucht in Entwicklungsländern - nicht in der EU.

Von Wolfgang Wanner, ARD-Studio Genf

Vor acht Monaten nahm Landwirt Akhter Hossain aus der Nähe von Cox Bazar in Bangladesch einige Rohingya-Familien bei sich auf. "Sie suchten Schutz, wussten nicht, wo sie hin sollten - und wir wollten ihnen helfen", erinnert sich Hossain. Hunderttausende Rohingya, eine staatenlose Minderheit in Myanmar, flohen vor Gewaltexzessen aus ihrer Heimat.

Auf einem Teil der Felder von Hossain stehen jetzt Unterkünfte für die Flüchtlinge. Inzwischen sind es 71 Rohingya-Familien, die bei ihm Zuflucht gefunden haben. Sogar zwei Schulen haben Hilfsorganisationen auf seinem Land errichtet. Ende 2017 sind nach UN-Angaben insgesamt 1,2 Millionen Rohingya aus ihrer Heimat Myanmar geflohen.

UNHCR: Zahl der Flüchtlinge erreicht weltweit neuen Höchststand
tagesschau 20:00 Uhr, 19.06.2018, Wolfgang Wanner, ARD Genf

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Video einbetten

Nutzungsbedingungen Embedding Tagesschau: Durch Anklicken des Punktes „Einverstanden“ erkennt der Nutzer die vorliegenden AGB an. Damit wird dem Nutzer die Möglichkeit eingeräumt, unentgeltlich und nicht-exklusiv die Nutzung des tagesschau.de Video Players zum Embedding im eigenen Angebot. Der Nutzer erkennt ausdrücklich die freie redaktionelle Verantwortung für die bereitgestellten Inhalte der Tagesschau an und wird diese daher unverändert und in voller Länge nur im Rahmen der beantragten Nutzung verwenden. Der Nutzer darf insbesondere das Logo des NDR und der Tageschau im NDR Video Player nicht verändern. Darüber hinaus bedarf die Nutzung von Logos, Marken oder sonstigen Zeichen des NDR der vorherigen Zustimmung durch den NDR.
Der Nutzer garantiert, dass das überlassene Angebot werbefrei abgespielt bzw. dargestellt wird. Sofern der Nutzer Werbung im Umfeld des Videoplayers im eigenen Online-Auftritt präsentiert, ist diese so zu gestalten, dass zwischen dem NDR Video Player und den Werbeaussagen inhaltlich weder unmittelbar noch mittelbar ein Bezug hergestellt werden kann. Insbesondere ist es nicht gestattet, das überlassene Programmangebot durch Werbung zu unterbrechen oder sonstige online-typische Werbeformen zu verwenden, etwa durch Pre-Roll- oder Post-Roll-Darstellungen, Splitscreen oder Overlay. Der Video Player wird durch den Nutzer unverschlüsselt verfügbar gemacht. Der Nutzer wird von Dritten kein Entgelt für die Nutzung des NDR Video Players erheben. Vom Nutzer eingesetzte Digital Rights Managementsysteme dürfen nicht angewendet werden. Der Nutzer ist für die Einbindung der Inhalte der Tagesschau in seinem Online-Auftritt selbst verantwortlich.
Der Nutzer wird die eventuell notwendigen Rechte von den Verwertungsgesellschaften direkt lizenzieren und stellt den NDR von einer eventuellen Inanspruchnahme durch die Verwertungsgesellschaften bezüglich der Zugänglichmachung im Rahmen des Online-Auftritts frei oder wird dem NDR eventuell entstehende Kosten erstatten
Das Recht zur Widerrufung dieser Nutzungserlaubnis liegt insbesondere dann vor, wenn der Nutzer gegen die Vorgaben dieser AGB verstößt. Unabhängig davon endet die Nutzungsbefugnis für ein Video, wenn es der NDR aus rechtlichen (insbesondere urheber-, medien- oder presserechtlichen) Gründen nicht weiter zur Verbreitung bringen kann. In diesen Fällen wird der NDR das Angebot ohne Vorankündigung offline stellen. Dem Nutzer ist die Nutzung des entsprechenden Angebotes ab diesem Zeitpunkt untersagt. Der NDR kann die vorliegenden AGB nach Vorankündigung jederzeit ändern. Sie werden Bestandteil der Nutzungsbefugnis, wenn der Nutzer den geänderten AGB zustimmt.

Einverstanden

Zum einbetten einfach den HTML-Code kopieren und auf ihrer Seite einfügen.

So viele Fliehende wie nie zuvor

Nur einer von vielen ungelösten Konflikten weltweit. 68,5 Millionen Menschen waren 2017 auf der Flucht. Das ist ein neuer Höchststand - schon seit fünf Jahren steigt die Zahl der gewaltsam vertriebenen Menschen kontinuierlich an. Krieg, Gewalt und Verfolgung sind die Hauptgründe dafür, so der Bericht des UN-Flüchtlingshilfswerks.

"Die Zahlen zeigen, dass die Welt ein Problem damit hat, Konflikte zu lösen und Frieden zu schaffen", sagt UN-Flüchtlingskommissar Filippo Grandi im ARD-Interview. "Es ist ein Signal, dass Konflikte in vielen Teilen der Welt zugenommen haben. Es ist aber auch ein Ruf nach Hilfe." Entscheidungsträger in der ganzen Welt seien aufgefordert zu handeln.

1/4

Flüchtlingszahlen 2017

Keine Krise der reichen Welt

Unter den 68,5 Millionen Menschen, die Ende 2017 auf der Flucht waren, sind etwa 40 Millionen Menschen, die innerhalb ihres Heimatlandes vertrieben wurden und 25,4 Millionen Menschen, die aus ihrer Heimat fliehen mussten. 2017 stieg der Zahl der Flüchtlinge um 2,9 Millionen Menschen - auch das ein neuer Höchststand.

85 Prozent der Flüchtlinge haben Zuflucht in Entwicklungsländern gesucht, meist Nachbarländer. Diesen armen Ländern müsse geholfen werden, sagt UN-Flüchtlingskommissar Grandi. "Es ist keine Krise der reichen Welt, wie es oft dargestellt wird."

Syrien, Afghanistan, Südsudan, Mynmar und Somalia

Etwa zwei Drittel der Flüchtlinge kommen aus fünf Ländern: Syrien, Afghanistan, Südsudan, Myanmar und Somalia. Besonders schlimm ist die Lage im Südsudan. Wegen des Bürgerkriegs waren es Ende des Jahres 2,4 Millionen Flüchtlinge. Verschärft werde die Situation durch die Hungersnot im Land. Nach UN-Angaben sind etwa sieben Millionen Menschen von Hunger bedroht.

Das Drama um das Rettungsschiff "Aquarius" habe deutlich gemacht, sagt UN-Flüchtlingskommissar Grandi, dass die EU die Flüchtlingskrise nur mit einem gemeinsamen Ansatz bewältigen kann. "Das bedeutet, dass es Solidarität zwischen den Mitgliedsstaaten geben muss, zum Beispiel hinsichtlich der Verteilung von anerkannten Flüchtlingen." Das Asylsystem in Europa müsse auch effizienter werden, mahnt Grandi an. So müsse beispielsweise rascher über einen Asylantrag entschieden werden und etwa abgelehnten Asylbewerbern geholfen werden, in ihre Heimatländer zurückzukehren.

Rohingyas fliehen aus Myanmar | Bildquelle: AP
galerie

Die Rohingya, eine staatenlose Minderheit in Myanmar, flohen vor Gewaltexzessen aus ihrer Heimat

Deutschland auf Rang zwei

2017 wurden weltweit 1,7 Millionen Asylanträge gestellt. Die meisten Asylanträge wurden in den USA gestellt (331.700), Deutschland liegt auf dem zweiten Rang mit 198.300 Anträgen, im vergangenen Jahr waren es noch 722.400.

Von Deutschland fordert das UN-Flüchtlingshilfswerk, mit seiner großzügigen Unterstützung von Flüchtlingsprogrammen und Solidarität weiter eine Führungsrolle innerhalb der EU zu spielen.

Unterstützung für neue Lösungen

Bis Ende des Jahres soll ein umfassender Rahmenplan für Flüchtlingshilfemaßnahmen der UN-Vollversammlung vorgestellt werden.

Dieser könnte eine Vorlage für einen besseren Umgang mit Flüchtlingskrisen darstellen. Unter anderem müsse aus Sicht des UN-Flüchtlingshilfswerks neben humanitärer Hilfe mehr auf Entwicklungshilfe gesetzt werden, da sie langfristiger angelegt sei. "Entwicklungshilfe kann sich auf Bildung, Arbeit und nachhaltige Energie fokussieren. Das alles sind Bereiche, die wir in den vergangenen Jahren vernachlässigt haben und das hat die Flüchtlingskrisen noch viel schlimmer gemacht“, so Grandi.

UN-Flüchtlingsbericht: So viele Vertriebene wie noch nie
Dietrich Karl Mäurer, ARD Zürich
19.06.2018 09:43 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 19. Juni 2018 um 09:00 Uhr.

Darstellung: