Viktor Orban | AFP

Ungarischer Regierungschef Viel Kritik an Orbans rassistischen Aussagen

Stand: 25.07.2022 18:03 Uhr

Aussagen von Ungarns Regierungschef Orban sorgen im In- und Ausland für Kritik. Der rechtsnationale Politiker hatte bei einer Rede rassistisches Vokabular eingesetzt und unter anderem über "Misch-Rassen" referiert.

Von Clemens Verenkotte, ARD-Studio Wien

Viktor Orbans Rede im rumänischen Baile Tusnad sorgt in Ungarn sowie in EU-Ländern für massive Kritik und Ablehnung. Unter Hinweis auf die angebliche These der - Zitat - "internationalen Linken", wonach Europa aufgrund der eigenen Beschaffenheit von Völkern "gemischter Rassen" bevölkert sei, sagte der rechtsnationale Regierungschef am vergangenen Samstag vor Angehörigen der ungarisch-stämmigen Minderheit in Rumänien:

Es gibt eine Welt, in der sich europäische Völker mit Nichteuropäern vermischen. Dies ist eine Welt der gemischten Rassen. Und wo wir sind, nur Völker aus Europa, vermischen sie sich, arbeiten, ziehen fort. Deshalb sind wir im Karpatenbecken keine Mischrasse, wir sind einfach eine Mischung der Völker, die einheimisch in Europa sind.
Clemens Verenkotte ARD-Studio Wien

Im Karpatenbecken gebe es europäische Völker wie Ungarn, Rumänen, Slowaken und andere, so Orban weiter. Da "sind wir nicht gemischter Rasse", vielmehr hätten sie ihre eigene "neue europäische Kultur" geschaffen. "Wir haben gekämpft, wir sind bereit, uns mit uns zu vermischen, aber wir wollen nicht Völker gemischter Rasse werden", so Orban.

Kritik vom ungarischen Oberrabbiner

Der ungarische Oberrabbiner Robert Frölich erklärte anschließend auf seiner Facebook-Seite: Auf der Erde gebe es viele verschiedene Arten, jedoch nur eine, die auf zwei Beine laufe, arbeite, rede und manchmal denke - der Homo Sapiens, der Mensch. Frölich forderte weiter: "Bitte berücksichtigen Sie das."

Die ungarische EU-Parlamentarierin Katalin Cseh von der Bürgerrechtspartei Momentum erklärte, nun zeige "das Regime" sein wahres Gesicht. Orbans Aussagen erinnerten an Zeiten, die "wir alle gerne vergessen würden".

"Wahnsinnig und gefährlich"

Auf rumänischer Seite fiel die Kritik ähnlich harsch aus: Über "Rasse" oder ethnische "Reinheit" zu sprechen, vor allem in einer Region wie Südosteuropa, sei "rein wahnsinnig und gefährlich", erklärte der rumänische EU-Abgeordnete Alin Mituta auf Twitter. Und an Orban direkt gerichtet fügte der Parlamentarier hinzu: Es sei eine der großartigen Eigenschaften, Europäer zu sein, da sie alle verschiedene Herkunft seien.

Orban hatte bislang in seinen unzähligen, öffentlichen Äußerungen über Migration, nationale Identitäten und eine angeblich von US-Milliardär George Soros initiierte EU-Einwanderungspolitik die Verwendung rechtsextremer Begriffe vermieden. Seine Ansprachen vor der sogenannten Fidesz-Sommerakademie in Rumänien nutzte Orban immer wieder dazu, mit gezielten Provokationen gegen die angeblich "dekadente westliche Welt" oder gegen die liberale Demokratie national wie international für Aufmerksamkeit zu sorgen.