Kinder in einem UN-Flüchtlingscamp im Jemen | Bildquelle: dpa

UN-Bericht 168 Millionen Hilfsbedürftige weltweit

Stand: 04.12.2019 08:03 Uhr

Die Zahl der Krisen und Konflikte steigt - das bringt auch immer mehr Menschen in humantitäre Not. 2020 wird einer von 45 Menschen weltweit Hilfe brauchen, warnen die Vereinten Nationen.

Von Mathias Zahn, ARD-Studio Zürich

UN-Nothilfekoordinator Mark Lowcock spricht von einer trostlosen Situation: In Kriegen und bewaffneten Konflikte werden immer öfter alle humanitären Regeln gebrochen. Die Zahl der tödlichen Angriffe auf Helfer und medizinisches Personal hat dieses Jahr stark zugenommen. Die Zahl der Kinder, die getötet oder verstümmelt wurden, werde 2019 auf einen Höchststand von mehr als 12.000 ansteigen.

"Die Kinder, die diesen Konflikten ausgesetzt sind, werden zu einer verlorenen Generation", warnt Lowcock. "Frauen und Mädchen haben ein höheres Risiko, Opfer von sexualisierter und von geschlechtsspezifischer Gewalt zu werden als in der Vergangenheit; in Konfliktzonen leidet einer von fünf Menschen an psychischen Problemen."

Das Kinderhilfswerk UNICEF spricht von einer Rekordzahl von Kindern in Not: 59 Millionen Kinder bräuchten Hilfen, um zu überleben. Kriege und bewaffnete Konflikte haben in den vergangenen zehn Jahren dramatisch zugenommen, so die UN.

Die Konflikte seien der Hauptgrund, warum die UN-Nothilfeagentur vier- bis fünfmal so viele Mittel brauche wie vor zehn Jahren.

Schwerste weltweite Krise im Jemen

Die größte Krise haben die Helfer auch im kommenden Jahr im Jemen zu bewältigen. Lowcock spricht von der "schlimmsten humanitären Katastrophe der Welt": Die Zahl der Notleidenden wird mutmaßlich fast dieselbe bleiben wie in diesem Jahr, etwa 24 Millionen, also 80 Prozent der gesamten Bevölkerung des Landes." Die größte Hilfsaktion der UN werde auch 2020 wieder im Jemen durchgeführt.

Auch in Syrien, in Afghanistan oder im Südsudan werde im kommenden Jahr weiter Hilfe gebraucht.

Afghanische Kinder stehen am Weltkindertag vor ihren Lehmhäusern. | Bildquelle: dpa
galerie

Afghanische Kinder stehen am Weltkindertag vor ihren Lehmhäusern.

Klimawandel führt zu humanitärem Leid

Mehr und mehr wirke sich auch der Klimawandel aus und verursache humanitäre Krisen, wie zum Beispiel Hungersnöte durch Dürren: "Für 13 der 20 Länder, die dem Klimawandel besonders ausgesetzt sind, werden übergreifende Hilfsprogramme eingefordert", sagt Lowcock.

Die Aussichten für das nächste Jahr sind düster: Die Zahl der hilfsbedürftigen Menschen wird dem UN-Nothilfekoordinator zufolge weiter steigen.

"Für 2020 rechnen wir mit fast 168 Millionen Menschen, die humanitäre Hilfe und Schutz brauchen werden. Das entspricht einem von 45 Menschen auf diesem Planeten. Das ist der höchste Stand seit Jahrzehnten."

29 Milliarden US-Dollar benötigt

Die UN-Nothilfeagentur fordert die Staaten weltweit auf, 29 Milliarden US-Dollar für humanitäre Hilfe zur Verfügung zu stellen. Das ist eine Milliarde weniger als im vergangenen Jahr - trotz unverändert vieler Krisen weltweit.

Mark Lowcock erklärt das so: "Wir zielen mit unseren Hilfsaktionen noch genauer und entschiedener auf diejenigen, die die Hilfe am dringendsten brauchen. Und es gelingt uns immer besser, aufkommende Krisen vorherzusehen. Das macht die Bewältigung für uns billiger und wir können das entstehende Leid effektiver lindern."

UN-Nothilfeagentur Ausblick 2020
Mathias Zahn, ARD Zürich
04.12.2019 07:15 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete B5 aktuell am 04. Dezember 2019 um 08:09 Uhr.

Darstellung: