Libysche Regierungstruppen erreichen einen Vorort von Tripolis. | Bildquelle: AFP

Libyen-Konflikt Kämpfe gehen trotz Warnungen weiter

Stand: 07.04.2019 04:41 Uhr

UN- und G7-Vertreter haben erneut ein Ende der Eskalation in Libyen gefordert und halten weiter an einer politischen Lösung fest. Unterdessen liefern sich General Haftars Truppen neue Gefechte mit gegnerischen Milizen.

Die Vereinten Nationen halten trotz der Eskalation in Libyen an der für Mitte April geplanten Versöhnungskonferenz fest. "Wir arbeiten weiter an einer politischen Lösung für Libyen", sagte der UN-Sonderbeauftragte für das Krisenland, Ghassan Salamé.

Die UN seien entschlossen, die Konferenz abzuhalten, außer die Umstände hielten sie davon ab. Auf dem Treffen soll ein Plan vereinbart werden, der Wahlen in dem seit dem Sturz von Machthaber Muammar Gaddafi 2011 zerrissenen nordafrikanischen Land vorbereiten soll. Die Konferenz ist für den Zeitraum vom 14. bis 16. April in der Stadt Ghadames angesetzt.

Allerdings droht wegen einer Offensive des mächtigen Generals Chalifa Haftar auf die Hauptstadt Tripolis ein neuer Bürgerkrieg. Haftar hatte seinen Truppen am Donnerstag den Befehl gegeben, Tripolis zu erobern. Der 75 Jahre alte General will die Hauptstadt einnehmen und das ölreiche Land unter seiner Führung vereinen. In Tripolis sitzt die international anerkannte Regierung von Fajis al-Sarraj.

Sarraj kündigte Widerstand an. Haftars Kriegserklärung werde auf Entschlossenheit und Stärke treffen, sagte er in einer TV-Ansprache.  Er warf seinem Kontrahenten vor, den politischen Prozess untergraben und das Land in einen "neuen Kreislauf der Gewalt" stoßen zu wollen. Haftar werde allein durch persönliche Motive angetrieben. 

Khalifa Haftar | Bildquelle: AFP
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General Haftar gab seinen Truppen am Donnerstag den Marschbefehl in Richtung Tripolis.

G7-Außenminister wollen Druck ausüben

Am Freitag rief der UN-Sicherheitsrat Haftar und seine selbst ernannte Libysche Nationalarmee (LNA) auf, alle militärischen Bewegungen zu stoppen. "Es kann für den Konflikt keine militärische Lösung geben", sagte der deutsche UN-Botschafter Christoph Heusgen in einer Erklärung, die er im Namen des Sicherheitsrats verlas.

Die G7-Staaten zeigten sich bei einem Außenministertreffen sehr besorgt über die Lage in dem nordafrikanischen Land. Es sei gut, dass der UN-Sicherheitsrat ein klares Signal gegeben habe, "dass Schluss sein muss mit der militärischen Eskalation", sagte Außenminister Heiko Maas.

Das Signal des Sicherheitsrats sei auch klar an Haftar gerichtet, sagte Maas. Die G7-Runde sei sich einig gewesen, "dass wir alle unsere Möglichkeiten nutzen müssen, um Druck auszuüben, insbesondere auf die Verantwortlichen in Libyen, insbesondere General Haftar, dass jede weitere militärische Eskalation unterbleibt".

Lawrow warnt vor Einmischung

Auch Russlands Außenminister Sergej Lawrow rief die libyschen Konfliktparteien bei einem Besuch in Ägypten zu einem Dialog ohne Vorbedingungen auf. Er warnte zugleich vor Einmischungen aus dem Ausland. Russland stehe mit allen politischen Kräften in Libyen in Kontakt, unterstütze aber keine von ihnen, betonte der russische Außenminister. 

Ägyptens Außenminister Sameh Schukri sagte, die Krise im benachbarten Libyen könne nicht mit militärischen Mitteln gelöst werden.

LNA will Flughafen erobert haben

Die Appelle blieben jedoch ungehört. Augenzeugen meldeten Gefechte südlich von Tripolis. Haftars Gegner versuchten offenbar, dessen Nachschubwege abzuschneiden. Unklar ist, ob die Anhänger des Generals den seit 2014 stillliegenden internationalen Flughafen im Süden von Tripolis einnehmen konnten.

Das Medienbüro des Generals teilte mit, Truppen hätten nach Gefechten mit rivalisierenden Milizen auch ein Gebiet südlich der Stadt erobert. Weder von der Regierung in Tripolis und deren Milizen, noch von den Vereinten Nationen gab es dazu eine Stellungnahme.

Antonio Guterres und Aguila Saleh | Bildquelle: REUTERS
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UN-Generalsekretär Guterres versuchte am Freitag zu vermitteln.

Regierungstruppen starten offenbar Luftangriffe

Am Nachmittag meldete die LNA, aus der Luft angegriffen worden zu sein. Der Angriff sei etwa 50 Kilometer südlich der Hauptstadt erfolgt, teilten die Truppen von Haftar mit. Das Flugzeug war nach LNA-Angaben in der westlibyschen Stadt Misrata gestartet. Die dort stationierten Truppen sind überwiegend loyal zur Regierung in Tripolis.

Die Operation des Generals bedeutet eine neue Eskalation Libyen. Seit Jahren konkurrieren etliche Milizen um Macht und Pfründe, auch zwei Regierungen rivalisieren miteinander: eine in Tripolis und eine mit Haftar verbündete im Osten. Mehrere UN-Vermittler scheiterten daran, eine Lösung zu finden.

UN brüskiert

Haftar scheint sich seiner Sache sicher zu sein und brüskierte sogar die UN: Den Beginn der Offensive verkündete er, während UN-Generalsekretär António Guterres in Tripolis weilte. Dieser wollte in Libyen die Versöhnungskonferenz vorbereiten. Später hatte sich Guterres auch mit Haftar getroffen. Nach seiner Abreise erklärte er über Twitter, er verlasse Libyen "mit schwerem Herzen und tief besorgt".

G7-Außenministertreffen in Dinard: Abschlusserklärung trotz kleiner Differenzen
Sabine Wachs, ARD Paris
06.04.2019 17:55 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 06. April 2019 um 20:00 Uhr.

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