Der UN-Sicherheitsrat in New York (Archivbild). | Bildquelle: dpa

Bergkarabach UN-Sicherheitsrat fordert Ende der Kämpfe

Stand: 30.09.2020 01:55 Uhr

Der UN-Sicherheitsrat hat ein "unverzügliches" Ende der Kämpfe in der Südkaukasus-Region Bergkarabach gefordert. Die OSZE plant, bald wieder Beobachter in das Krisengebiet zu entsenden.

Der UN-Sicherheitsrat hat die "unverzügliche" Einstellung der Kämpfe in der Südkaukasus-Region Bergkarabach gefordert. In einer gemeinsamen Erklärung appellierten die 15 Mitgliedstaaten des mächtigsten UN-Gremiums an die Konfliktparteien, "ohne Verzögerung" an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Sie sollten dafür mit der sogenannten Minsk-Gruppe der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit (OSZE) zusammenarbeiten.

Zu der Dringlichkeitssitzung zum in den vergangenen Tagen eskalierten Konflikt in Bergkarabach war der Sicherheitsrat nach Angaben von Diplomaten auf Initiative von Deutschland und Frankreich zustande gekommen. Die Beratungen fanden hinter verschlossenen Türen statt. 

Sorge vor Interventionen und Eskalation

Es gibt starke Befürchtungen, dass sich der Konflikt um die zwischen Aserbaidschan und Armenien umstrittene Region durch Interventionen ausländischer Mächte ausweiten könnte. Am Dienstag erhob das armenische Verteidigungsministerium den Vorwurf, ein türkischer F-16-Jet habe ein armenisches Militärflugzeug abgeschossen. Dies wurde aber von der Regierung in Ankara umgehend dementiert. Armenien wirft der Türkei vor, aktiv auf Seiten Aserbaidschans in die aktuellen Kämpfe einzugreifen.

Am Sonntag war der Konflikt nach Jahren relativer Ruhe neu aufgeflammt. Dabei bekämpfen sich die aserbaidschanische Armee und pro-armenische Rebellen, die Bergkarabach kontrollieren. Der Konflikt zwischen zwischen Armenien und Aserbaidschan um Bergkarabach dauert bereits seit Jahrzehnten an. Nach einem blutigen Krieg mit 30.000 Toten hatte das ehemals autonome sowjetische Gebiet Anfang der 90er Jahre seine Unabhängigkeit von Aserbaidschan erklärt.

Die Region wird jedoch von keinem Land als eigener Staat anerkannt und gilt international nach wie vor als Teil Aserbaidschans. Im Südkaukasus konkurriert die Türkei mit Russland um größeren Einfluss. Moskau hat freundschaftliche Beziehungen zu beiden Seiten im Konflikt um Bergkarabach. Es unterhält in Armenien einen Militärstützpunkt, liefert aber auch Waffen an Aserbaidschan.

OSZE will baldmöglich wieder Beobachter einsetzen

Die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa will so bald wie möglich wieder Beobachter in Bergkarabach einsetzen. Sie stünden bereit, sobald es die Lage in dem seit Tagen von Gefechten zwischen Armenien und Aserbajdschan erschütterten Gebiet wieder erlaube, sagte der OSZE-Sondergesandte für die Region, Andrzej Kasprzyk. Er stehe mit den Konfliktparteien in Kontakt.

Bei einem Sondertreffen tauschten sich Diplomaten der 57 OSZE-Mitgliedstaaten über die Lage in dem eskalierten Konflikt im Südkaukasus aus. Vertreter des OSZE-Vorsitzlands Albanien sowie der OSZE-Minsk-Gruppe - Frankreich, Russland und USA - riefen erneut zum Ende der Gewalt und zur Rückkehr an den Verhandlungstisch auf.

Die USA warnten vor einer Verschärfung des Konflikts durch Einmischung Dritter. "Die Vereinigten Staaten glauben, dass die Beteiligung jeglicher außenstehenden Partei an der Eskalation der Gewalt die regionalen Spannungen nur verschärfen würde", warnte US-Botschafter James Gilmore. Die Türkei hatte sich zuvor sehr deutlich hinter Aserbaidschan gestellt und Armenien die Schuld an der Eskalation gegeben. Armeniens Schutzmacht Russland forderte die Türkei dagegen auf, Aserbaidschan zu einer Waffenruhe und Verhandlungen zu bewegen.

UN-Sicherheitsrat fordert Waffenstillstand in Bergkarabach
Antje Passenheim, ARD New York
30.09.2020 06:00 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete am 30. September 2020 Deutschlandfunk um 05:06 Uhr in der Sendung "Informationen am Morgen" und die tagesschau um 05:30 Uhr.

Darstellung: