Ein afrikanisches Mädchen hält ein Smartphone in der Hand | Bildquelle: AFP

UN-Konferenz in Genf Künstliche Intelligenz für das Gute

Stand: 29.05.2019 11:55 Uhr

Künstliche Intelligenz verändert die Welt. Inzwischen sind manche Maschinen besser als Spezialisten. Auf einer UN-Konferenz beraten Experten, wie KI nachhaltig eingesetzt werden kann - auch gegen den Hunger in der Welt.

Von Dietrich Karl Mäurer, ARD-Studio Genf

Technologie sei grundsätzlich wertneutral, sagt Reinhard Scholl von der Internationalen Fernmeldeunion ITU in Genf. "Sie kann für gute Sachen eingesetzt werden oder für schlechte Sachen. Ein Messer kann eingesetzt werden, um Brot zu schneiden. Ein Messer kann aber auch eingesetzt werden, um jemanden umzubringen", so Scholl.

Die Vereinten Nationen veranstalten bereits zum dritten Mal eine Internationale Konferenz mit dem Titel "Künstliche Intelligenz für gute Zwecke". Scholl erklärt, was damit gemeint ist: "Wie kann künstliche Intelligenz positiv eingesetzt werden, um die Nachhaltigkeitsziele, die die UN im September 2015 verabschiedet haben, zu erreichen?" Beispiele für diese Ziele seien: keine Armut, kein Hunger, Gleichberechtigung, gute Ausbildung. "Und das sind 17 Ziele, auf die sich die Staaten geeinigt haben."

Innovative Ideen gesucht

Mehr als 2000 Vertreter aus mehr als 120 Ländern sind nach Genf gereist, um Ideen auszutauschen, bereits existierende Projekte vorzustellen oder neue Vorhaben anzustoßen. Darunter sind Vertreter von Regierungen und Unternehmen, oder Angehörige von UN-Organisationen.

Bernhard Kowatsch auf der UNO-Konferenz "Al for Good" | Bildquelle: Dietrich Karl Mäurer
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Bernhard Kowatsch vom Welternährungsprogram der UN ist von den gewinnbringenden Seiten der künstlichen Intelligenz überzeugt.

Bernhard Kowatsch vom globalen Innovationszentrum des Welternährungsprogramms der UN ist aus München nach Genf gereist. Man suche hier nach innovativen Ideen, wie man künstliche Intelligenz im Kampf gegen den Hunger anwenden könne, sagt Kowatsch. Gleichzeitig tausche man auch aber auch mit anderen Experten aus, um neue Ideen weiterzuverbreiten.

Schon jetzt gebe es zahlreiche Beispiele dafür. Kowatsch nennt eine App, die dabei hilft, landwirtschaftliche Geräte wie Traktoren gemeinsam und damit effektiver zu nutzen. Im Einsatz sei auch der von der Welthungerhilfe und einem Startup entwickelte Child Growth Monitor.

App kann Unterernährung bestimmen

Eine Anwendung, mit der sich lediglich anhand von 3D-Videoaufnahmen abklären lässt, ob ein Kind unterernährt ist und Hilfe braucht oder nicht.

Neben der erleichterten Untersuchung sei ein weiterer Vorteil, dass die Untersuchung nicht von medizinischem Personal durchgeführt werden müsse, sagt Kowatsch. Das bedeutet, "nur die Kamera, in Zukunft vielleicht auch nur das Smartphone reicht aus, um Mangelernährung oder Unterernährung von einem Kind festzustellen".

Zwar sei künstliche Intelligenz nicht die alleinige Lösung im Kampf gegen Hunger, so der Leiter des Innovationszentrum, doch es sei möglich, Hunger zu beenden. Dennoch: "Wir müssen viel mehr tun und neue innovative Ideen umsetzen, um das Ziel zu erreichen."

Microsoft präsentiert mehrere Projekte

Größter Unterstützer der Genfer Konferenz zur künstlichen Intelligenz ist Microsoft. Der US-Softwaregigant nutzt das Treffen, um gleich mehrere Projekte zu präsentieren, bei denen neueste Technologie eingesetzt wird, um auf die Erreichung der Nachhaltigkeitsziele hinzuwirken.

Mohamad Ali Mahfouz von Microsoft verweist auf eine Datenplattform namens Farmbeats. Sie soll Bauern auch in entlegenen Gebieten helfen, ihre Erträge zu steigern. Die Plattform platziere Sensoren auf Farmen und sammele Daten, die per Telefonverbindung oder über nicht genutzte Fernsehfrequenzen zu einer Cloud geleitet und dort verarbeitet werden. Damit könne für die Bauern abgeleitet werden, wann die beste Zeit für Bewässerung oder für den Einsatz von Schädlingsbekämpfungsmittel sei.

Viele der Lösungen klingen noch nach Zukunftsmusik. Das Projekt von Amirudh Koul jedoch nicht. Der aus in Indien stammende, in Kalifornien lebende Softwareexperte ist Entwickler der meistgenutzten App für blinde Menschen.

Amirudh Koul auf der UNO-Konferenz "Al for Good" | Bildquelle: Dietrich Karl Mäurer
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Amirudh Koul hat eine App für Blinde entwickelt - mit Erfolg.

Große Erleichterung für blinde Menschen

Auf der Genfer Konferenz stellt er Aira vor - einen Service den bereits Tausende Blinde oder Sehschwache nutzen. "Aira ist eine Anwendung auf dem Smartphone, mit der man Videobilder der Kamera zu einem Mitarbeiter irgendwo in der Welt live übertragen kann", erläutert Koul. "Dieser Mitarbeiter ist ausgebildet, das was er über die Kamera sieht, dem Absender zu beschreiben."

Dadurch können sich Blinde und Sehschwache ohne weitere fremde Hilfe etwa auf Flughäfen orientieren. Der Vorteil sei, so schwärmt der Softwareentwickler, dass viele die Hilfe nur für wenige Sekunden benötigen, etwa um die Beschreibung für einen Wegweiser zu bekommen, während ein Helfer vor Ort in der Regel für eine ganze Stunde gebucht werden müsste.

Bereits 150 Bildbeschreiber hat Amirudh Koul angestellt. Das System wird also genutzt und scheint zu funktionieren, um Blinden und Sehschwachen mehr Selbständigkeit zu ermöglichen. 

"Wir sind schon mittendrin"

Künstliche Intelligenz sei also bereits Realität, sagt Reinhard Scholl von der Fernmeldeunion. "Wir sind schon mittendrin. Die Technologien, die heute zur Verfügung stehen, die können schon jetzt eingesetzt werden, um diese Probleme zu lösen." Entscheidend sei, dass man die Entwickler der Technologie auch dafür begeistern könne, sich für das Gute einzusetzen.

Uno-Konferenz in Genf: Mit künstlicher Intelligenz für das Gute in der Welt ?
Dietrich Karl Mäurer, ARD Zürich
29.05.2019 09:17 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 28. Mai 2019 um 22:56 Uhr.

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