Die Ozeane werden immer wärmer. | Bildquelle: dpa

Wegen Corona-Pandemie UN-Klimakonferenz verschoben

Stand: 02.04.2020 07:25 Uhr

Die UN-Klimakonferenz in Glasgow ist aufgrund von Corona vorerst abgesagt. Die Entscheidung stieß auf viel Verständnis, Bundesumweltministerin Schulze warnte aber davor, den Klimawandel aus den Augen zu verlieren.

Wegen der Coronavirus-Pandemie ist die für November geplante UN-Klimakonferenz im schottischen Glasgow verschoben worden. Das teilte die britische Regierung mit. Ein neuer Termin für das Jahr 2021 steht noch nicht fest, er soll später bekannt gegeben werden. Die Vertagung wurde vom UN-Klimasekretariat UNFCCC zusammen mit dem Gastgeberland Großbritannien und dessen Partner-Ausrichter Italien beschlossen.

Zu der zehntägigen Klimakonferenz in Glasgow waren rund 30.000 Teilnehmer erwartet worden, darunter auch etwa 200 Staats- und Regierungschefs aus aller Welt. Bei der Tagung sollte es darum gehen, wie die Staaten ihre Anstrengungen verstärken können, um die 2015 im Pariser Abkommen vereinbarten Klimaziele zu erreichen. Dort hatten die Unterzeichner vereinbart, die Erderwärmung auf möglichst 1,5 Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter zu begrenzen. Bisher gelingt das nicht: Der Kohlenstoffausstoß wächst weiterhin jedes Jahr, auch weil die weltweite Energienachfrage weiter ansteigt.

Kampf gegen Corona hat Priorität

UN-Generalsekretär António Guterres erklärte zu der Entscheidung, der Kampf gegen die Coronavirus-Pandemie habe derzeit für die Vereinten Nationen "oberste Priorität". Bei Umweltschutzorganisationen stieß die Entscheidung auf Verständnis.

Die Vertagung sei "verantwortungsvoll und nachvollziehbar", so der Geschäftsführer von Greenpeace Deutschland, Martin Kaiser. Auch der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) nannte die Verschiebung der Konferenz "verständlich" und warnte zugleich davor, den Klimaschutz "links liegen zu lassen". Auf die Herausforderungen der Corona-Krise müssten "grüne Antworten" gefunden werden, die vor "den katastrophalsten Auswirkungen der nächsten Krise am Horizont - der Klimakrise - bewahren", erklärte die BUND-Klimaexpertin Ann-Kathrin Schneider.

Kein "Klimaschutz durch Wirtschaftskrise"

UN-Klimaschutzsekretärin Patricia Espinosa nannte die Verschiebung der Konferenz unvermeidlich, mahnte die Weltgemeinschaft aber, auf lange Sicht sei die Klimaerwärmung "die größte Bedrohung für die Menschheit". Man dürfe das Weltklima nicht aus den Augen verlieren.

Das unterstrich auch Bundesumweltministerin Svenja Schulze. Man dürfe keine falschen Schlüsse aus der Corona-Krise ziehen. Die Emissionen von Treibhausgasen gingen derzeit zwar zurück, doch sei dies "nicht nachhaltig", sagte sie den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Der derzeitige Rückgang des Treibhausgasausstoßes sei ein "kurzfristiges Phänomen", das beim Schutz des Erdklimas nicht weiterhelfe, sagte Schulze. "Klimaschutz durch Wirtschaftskrise - das ist nicht wirklich ein Konzept." Durch die von der Pandemie ausgelöste Wirtschaftskrise entstünden keine "moderneren Strukturen" für den Klimaschutz und keine "klimafreundlichen Alternativen".

Durch das Nachlassen der wirtschaftlichen Aktivität und des Auto- wie Flugverkehrs in der Corona-Krise verringert sich derzeit weltweit der Ausstoß der klimaschädlichen Gase. Auch die Weltorganisation für Meteorologie (WMO) hat jedoch vorhergesagt, dass die positiven Auswirkungen auf das Klima "wahrscheinlich nur sehr gering" sein würden. So sei abzusehen, dass der CO2-Ausstoß wieder ansteige, sobald die Pandemie überstanden sei und die Weltwirtschaft wieder anlaufe.

UN-Klimakonferenz wird wegen Corona verschoben
Werner Eckert, SWR
02.04.2020 07:28 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 02. April 2020 um 08:00 Uhr.

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